• 16.08.2017, 22:00:01
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  • OTS0118

TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Willkommen auf der Showbühne!", von Karin Leitner

Ausgabe vom 17. August 2017

Utl.: Ausgabe vom 17. August 2017 =

Innsbruck (OTS) - Sie sind wieder gefragt, die Damen und Herren
Quereinsteiger. Woche für Woche werden dem Wählerpublikum welche
präsentiert. Das Programm der Polit-Newcomer ist großteils unbekannt.
Es scheint auch zweitrangig zu sein.

Das Phänomen ist nicht neu. Schon in den 1990er-Jahren versuchten
Parteien, mit Nicht-Parteigängern zu punkten. Die Erfahrungen mit
etlichen derer, die wegen des Glamour-Faktors auf Listen kamen, waren
nach der Wahl nicht gut. Und so ließen Strategen fortan von dieser
Personalrekrutierungsart.
Nun ist sie wieder en vogue. Das Gros der Kandidaten des Ex-Grünen
Peter Pilz sind Frauen und Männer, die bisher nicht der
Politiker-Zunft angehörten. ÖVP-Chef Sebastian Kurz stellt alle paar
Tage solche vor. Unter den neuesten Nationalratsmandatsanwärtern:
eine ORF-Moderatorin, eine Miss Burgenland, eine Weinkönigin.
Sowohl Pilz als auch Kurz haben passable Umfragewerte. Dem einen wird
derzeit vorhergesagt, die Vierprozenthürde in das Hohe Haus zu
nehmen; dem anderen prognostizieren Demoskopen Platz 1. Wie viel die
Quereinsteiger zu den Daten beitragen, ist empirisch nicht belegt.
Schaden dürften sie jedenfalls nicht.
Dabei hat man vor allem von Kurz’ Polit-Newcomern noch nichts
Handfestes vernommen. Lediglich Schlagwörter – „Ich werde eine starke
Stimme“ für dieses oder jenes sein – gibt es. Was das genau heißt –
und wie das im Falle des Abgeordnetendaseins bewerkstelligt werden
soll, ist offen. Die Parteioberen trachten auch danach, dass Neue
öffentlich wenig reden: Zu groß ist die Gefahr der unbedarften
Äußerung; oder – Gott möge abhüten – einer solchen, die der
Parteilinie zuwiderläuft. Kurz’ bietet – von seinen
flüchtlingspolitischen Ansichten abgesehen – ebenfalls konzeptionell
nicht viel. Jenen, die nachfragen, wird mitgeteilt: Im September
werde er konkret werden.
Da beginnt der Intensiv-Wahlkampf. Es ist die schlechteste Zeit
für sachliche Debatten. Die sind schon in Normal-Zeiten rar. In einem
harten Rennen um Wählerstimmen sind sie das erst recht.
In den Dutzenden TV-Duellen werden nicht Fakten im Fokus stehen.
Rhetorik, Schlagfertigkeit, Mimik, Gestik sind vorrangig – und es
wird darauf geachtet, wer von den jeweils beiden stärker schwitzt.
Auch wenn Inhalte nicht so aufregend sind wie Infights von
Parteispitzenleuten: Die Bürger sollten sie sich zu Gemüte führen.
Nach dem 15. Oktober geht es nicht darum, wer der beste Showman war
oder die schillernsten Leute in das Parlament geschickt hat. Es geht
darum, welchen Weg jemand in den kommenden Jahren in diesem Lande
politisch gehen will. Und der sollte vorab im Detail beschrieben
sein.

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