TIROLER TAGESZEITUNG, Kommentar: "Wenn Strache nach einem Strohhalm greift", von Karin Leitner

Ausgabe vom 12. August 2017

Innsbruck (OTS) - Vor fünf Jahren befundete Heinz-Christian Strache via Facebook unter dem Titel „Mandatsräuber“, Leute wie Robert Lugar „wechselten die Parteien wie ihre Unterhose“, auch die Gesinnung, wenn sie sich davon Vorteile erhofften. „Herr Lugar und Herr Tadler“ versuchten gar, „wieder in der FPÖ unterzuschlupfen“. Nicht mit ihm, ließ Strache wissen: „Einmal Verräter, immer Verräter. So etwas hat in der FPÖ seit 2005 nichts verloren!“
Nun bietet der Parteifrontmann dem „Verräter“ – der bei der FPÖ, beim BZÖ, hernach als „wilder“ Abgeordneter“, dann bei Frank Stronach zugange war – wieder Polit-Heimat. Nicht irgendein Funktiönchen gibt er ihm, er ist Nummer 8 auf der Bundesliste für die Wahl. Warum macht Strache das? Lugar sei ein guter Wahlkämpfer, sagen Blaue. Auf ihn als Stimmenbringer zu setzen, zeigt, wie verzweifelt sie sind. ÖVP-Chef Sebastian Kurz macht Strache & Co. das Kernthema streitig – die Balken-hoch-und-Balkan-zu-Politik. Er hat die FPÖ in den Umfragen abgehängt. Lange Zeit auf Platz 1, rangiert sie nunmehr an dritter Stelle. Da wird nach jedem Strohhalm gesucht, und ist er noch so dünn.
Garantiert mehr als diese von ihm hat Lugar von der FPÖ. Schon an Stronachs Seite hatte er sich die Verlängerung des Parlamentarierdaseins erhofft – wie all die Glücksritter, die sich um den Milliardär scharten. Das Projekt ist gescheitert, Lugar ist Klubchef a. D.
Und flugs wird er zum blauesten Blauen, den es je gegeben hat. Er sei „im Herzen“ immer freiheitlich gewesen, sagt er jetzt. Und es gehe ihm nur darum, weiterhin „Politik zu machen“. Das mag Lugar noch so oft und treuherzig beteuern, glaubhaft ist es nicht.
Der Verdacht liegt nahe, dass es ihm um etwas anderes geht: auch fortan die Mandatarsvorzüge zu genießen – samt einem monatlichen 8756-Euro-Salär. Der Politikerfrust wird durch Farbwechsler wie Lugar weiter vergrößert. Er bestärkt Bürger in dem Gefühl, dass es „denen da oben“ nicht um „die da unten“ geht. Sondern um sich selbst.

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