Wiener Tierschutzverein: Elf Babykätzchen samt Mutter bei Bruthitze „entsorgt“

Zwölf Katzen am heißesten Tag des Jahres auf Parkplatz abgestellt.

Vösendorf (OTS) - Der Wiener Tierschutzverein (WTV) sieht sich erneut mit einem Akt unfassbarer Herzlosigkeit konfrontiert. Am späten Mittwochnachmittag wurden insgesamt elf Babykatzen sowie ein Muttertier in den WTV gebracht. Die Tiere waren in zwei Transportboxen (sieben Babykätzchen in einer Box, Mutter plus vier Kinder in der anderen) ohne Wasser und Futter zusammengepfercht und wurden auf dem Parkplatz der Metro-Filiale in Vösendorf von Unbekannten abgestellt. Eine Passantin entdeckte die Tiere und brachte sie umgehend in den WTV. „Hilflose Lebewesen einfach seinem Schicksal zu überlassen ist eine abscheuliche Grausamkeit und überdies verboten. Erschwerend kommt noch die Tatsache hinzu, dass der Mittwoch der bisher heißeste Tag des Jahres war. Wir danken der Finderin jedenfalls sehr für ihr Engagement“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.

Allem Anschein nach mussten die Tiere mehrere Stunden in der prallen Sonne ausharren, denn die Transportboxen waren noch bei der Ankunft im WTV brennend heiß. Bei den gestrigen Temperaturen mit einem Höchstwert von über 37 Grad kein Wunder. Zudem hechelten sämtliche Kitten, was auf eine längere Zeit ohne nötige Flüssigkeitszufuhr schließen lässt. Daher wurde den Katzen sofort Wasser und Futter angeboten, was die Tiere auch gierig annahmen.

Danach wurden die Kätzchen vom WTV-Tierärzteteam genauer in Augenschein genommen: Jene Kitten, die zusammen mit der Mutter untergebracht wurden, sind schätzungsweise drei bis vier Wochen alt. Es handelt sich um zwei Männchen und zwei Weibchen. Überdies wurde bei dem Muttertier ein rumänischer Chip gefunden, der allerdings nicht registriert ist. Die Kätzchen, die sich in der anderen Box befanden sind rund acht bis neun Wochen alt, allesamt männlich und dürften aus einem anderen Wurf stammen.

Die älteren Kitten wurden danach eingehend untersucht und sind glücklicherweise in einem guten gesundheitlichen Zustand. Lediglich ein Tier hatte eine leichte Verletzung an der Schwanzspitze, die versorgt wurde. Auch ein Leukosetest fiel negativ aus. Die Kätzchen wurden gechipt, geimpft und entwurmt. Die jüngeren Kätzchen machen ebenso einen gesunden Eindruck, sie werden allerdings erst genauer behandelt, wenn sie etwas größer sind. Vorerst dürfen sie noch ohne Stress die mütterliche Fürsorge genießen.

Schuss ins Knie?

Im Hinblick auf die verpfuschte Novelle des Tierschutzgesetzes hinterlässt auch dieser Fall einen schalen Beigeschmack. Denn die Regierungsparteien wollten nach eigener Aussage mit der Novelle dem illegalen Welpenhandel eigentlich einen Riegel vorschieben. Der WTV hat bereits mehrmals betont, dass durch das neue Gesetz, welches auch die Vergabe von Tieren für kleine Tierschutzvereine und Privatpersonen verbietet, genau das Gegenteil der Fall sein wird. „Wie diese Tat nun zeigt, war dies für den Gesetzgeber wohl ein Schuss ins Knie. Auch kann wohl bald niemand mehr abstreiten, dass die aktuelle Zunahme an ausgesetzten und abgegebenen Tieren durch das verpfuschte Tierschutzgesetz verursacht wird. Wir fordern umgehend eine Anpassung sowie die Miteinbeziehung der Tierschutzbewegung. Niemand würde auf die Idee kommen, die Autofahrerclubs bei einem Gesetz zum Thema Verkehr nicht mit ins Boot zu holen. Für den Tierschutz gilt dies nicht? Ein absolut inakzeptabler Zustand“, so Petrovic.

Die Katzen dürfen nun jedenfalls die Fürsorge und Pflege im WTV-Katzenhaus genießen. Klappt alles nach Plan, können sie nach erfolgter medizinischer Freigabe schon bald zu liebevollen Menschen ziehen. Der WTV bittet aber um Verständnis, dass generell keine Angaben zum genauen Vergabezeitpunkt der Tiere gemacht werden können. Auch Reservierungen sind nicht möglich.

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