„kreuz und quer“ am 1. August: „Die Bibel-Jäger“ und „Sankt Martin – Soldat, Asket, Menschenfreund“

Wien (OTS) - Mit dem Fund des Tierkreises in der Tempelanlage von Dendera wurde Ägypten zu einem „Hotspot“ der Bibel-Archäologie. Als dann das sogenannte Petrus- und später das Thomas-Evangelium gefunden wurden, erfasste die Debatte um die Authentizität der Heiligen Schrift auch das Neue Testament. Die Funde beschäftigen Wissenschafter und Kleriker bis heute, wie der letzte Teil der zweiteiligen, von Doris Appel präsentierten „kreuz und quer“-Dokumentation über „Die Bibel-Jäger“ am Dienstag, dem 1. August 2017, um 22.30 Uhr in ORF 2 zeigt.

Um 23.25 Uhr folgt die Dokumentation „Sankt Martin – Soldat, Asket, Menschenfreund“ von Fritz Kalteis: Gallien, im Jahr 394. Der 40 Jahre alte Advokat Sulpicius Severus aus Aquitanien ist nach dem Tod seiner Frau auf Pilgerreise. Sein Ziel: die Stadt Tours und ihr berühmter Bischof Martin. Von ihm erhofft sich Sulpicius Heilung für seine Seele. Zudem hat Sulpicius ein Projekt: Er möchte das erste Buch über Martin schreiben, der weithin als Heiler und Mann Gottes bekannt ist. Nach anfänglichem Zögern beginnt Martin zu erzählen. Es ist die unglaubliche Geschichte eines Mannes, der vom Soldaten des Kaisers zum Soldaten Gottes und damit auch zum Heiler, Asketen, Missionar und umstrittenen Bischof von Tours wird.

„Die Bibel-Jäger – Dem Evangelium auf der Spur“ – Ein Film von Tilman Remme

Auf Müllhalden werden nur selten Schätze gefunden. Am Rande einer ägyptischen Siedlung des Altertums war das anders. Forscher fanden dort in antiken Mülldeponien uralte Handschriften. Die Sensation:
Unter den Manuskripten waren bis dahin unbekannte Jesus-Überlieferungen. Der Sand über der antiken Müllhalde und das heiß-trockene Klima Ägyptens waren die idealen Konservierungsbedingungen am Rande der Siedlung mit dem sperrigen Namen Oxyrhynchus. In verschiedenen Schichten fand man dort (ab Beginn der Grabungen Ende des 19. Jahrhunderts) entsorgte Papyrus-Texte aus der hellenistischen, der römischen und der byzantinischen Epoche der ägyptischen Geschichte. Für Aufsehen sorgte der Fund zweier junger britischer Archäologen, Bernard Grenfell und Arthur Hunt: Sie förderten Fragmente eines unbekannten Evangeliums aus dem Ende des 2. Jahrhunderts zutage – mit Aussprüchen Jesu, die man bis dahin nicht gekannt hatte.

Ein halbes Jahrhundert später, 1945, stießen Forscher im weiter südlich gelegenen Nag Hammádi aus Zufall auf die vollständige Evangeliumsschrift mit diesen Aussprüchen Jesu. Ein Hirte hatte das antike Manuskript in einem vergrabenen Tonkrug gefunden. In insgesamt 114 Sprüchen legt Jesus dem Apostel Thomas seine „Geheimlehre“ aus. Dieses von der antiken gnostischen Lehre inspirierte Thomas-Evangelium war eine Sammlung von einerseits aus der Bibel bekannten, andererseits bis dahin völlig unbekannten Jesus-Worten. Bei manchen der neuen Aussprüche ist bis heute umstritten, ob darin Aussagen des historischen Jesus von Nazareth bewahrt sind oder ob hier gnostische Lehren Jesus in den Mund gelegt werden. Nach Lehre der Gnosis sollte durch eine geistliche „Erkenntnis“ (Gnosis) Erlösung von der materiellen Welt erlangt werden. In jedem Fall werfen das Thomas-Evangelium und andere gnostische Schriften aus Nag Hammádi ein neues Licht auf die Spielarten eines damals verbreiteten gnostischen Christentums. Hatte man bis zu den Funden von Nag Hammádi die gnostischen Lehren nur aus christlich-polemischen Schriften gekannt, so lagen nun erstmals Originaldokumente dieser Lehre vor.

Was wiederum die Frage aufwirft: Warum wurden diese Schriften eines alternativen Christentums nicht in den Kanon, das Verzeichnis der biblischen Bücher, aufgenommen? Diesen und anderen Fragen geht der Historiker und Archäologe Jeff Rose im zweiten Teil der „kreuz und quer“-Doku über die „Bibel-Jäger“ des 19. und 20. Jahrhunderts nach. Die Einsicht in die Vielfalt des frühen Christentums im Ringen um die authentische Auslegung der christlichen Botschaft verunsicherte viele Gläubige. Fragen nach der historischen Glaubwürdigkeit der alttestamentlichen Geschichten und der neutestamentlichen Jesus-Tradition führten, wie die Doku zeigt, zu lebhaften Diskussionen. Auch wenn vieles davon heute als geklärt gilt, bleibt die heikle Frage nach der göttlichen Inspiration angesichts der keineswegs irrtumsfreien biblischen Autoren in der Debatte um Bibelfundamentalismus bis heute ein wichtiges Thema.

„Sankt Martin – Soldat, Asket, Menschenfreund“ – Ein Film von Fritz Kalteis

Beinahe alles, was wir von Martin wissen, stammt aus der Feder von Martins Biografen Sulpicius Severus. Sulpicius entwirft das Bild eines Mannes, der mit den Zügen von Propheten, Aposteln, Märtyrern alle Formen der Heiligkeit in sich vereint. Martin zerstört heidnische Götzenbilder und Tempel, treibt Teufel und Dämonen aus, heilt Kranke, erweckt Tote zum Leben und vollbringt allerlei weitere Wunder. „Sankt Martin – Soldat, Asket, Menschenfreund“ schält aus der Martinslegende die historische Figur heraus und stellt sie in den Kontext ihrer Zeit.

Die Dokumentation von Fritz Kalteis – eine Koproduktion von Metafilm und Tellux-Film in Koproduktion mit ARTE, Bayerischem Rundfunk, ARD-alpha und ORF, gefördert vom Fernsehfonds Austria und dem Bundesministerium für Bildung – zeigt Martin als vom Christentum bewegten Soldaten, der gegen alle Widerstände eine geistliche Laufbahn einschlägt. Er wird zum Pionier des westlichen Mönchstums, zum zielstrebigen Verfechter seiner Überzeugungen gegen Kaiser und Klerus und letztlich zum ersten Heiligen der Christenheit, der nicht als Märtyrer stirbt. An Originalschauplätzen in Martins Geburtsort Szombathely, in Ligugé, Tours und Trier spürt der Film dem Vermächtnis Martins und dessen Bedeutung in der Gegenwart nach. Spielszenen, in denen der Wiener Burgschauspieler Peter Matic und sein Sohn Paul in der Rolle des Martin glänzen, lassen die Wendepunkte im Leben des Soldaten, Asketen, Heilers und Bischofs lebendig werden.

Martin ist der Nationalheilige von Frankreich und der Slowakei sowie der Landespatron des Burgenlandes in Österreich. Im Zentrum dieser seit 1.700 Jahren andauernden Verehrung steht eine Ikone der Barmherzigkeit: der Soldat auf dem hohen Ross, der vor den Toren der Stadt Amiens seinen roten Mantel mit dem Schwert trennt, um ihn mit dem Bettler zu teilen. Dieses Bild braucht keine Predigt, um verstanden zu werden. Martins Haltung der tätigen Nächstenliebe macht ihn seit Jahrhunderten zur Identifikationsfigur für ein Europa, das angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen erneut vor gewaltigen Herausforderungen steht.

Die Sendungen sind auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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