• 31.07.2017, 11:59:11
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„kreuz und quer“ am 1. August: „Die Bibel-Jäger“ und „Sankt Martin – Soldat, Asket, Menschenfreund“

Wien (OTS) - Mit dem Fund des Tierkreises in der Tempelanlage von
Dendera wurde Ägypten zu einem „Hotspot“ der Bibel-Archäologie. Als
dann das sogenannte Petrus- und später das Thomas-Evangelium gefunden
wurden, erfasste die Debatte um die Authentizität der Heiligen
Schrift auch das Neue Testament. Die Funde beschäftigen
Wissenschafter und Kleriker bis heute, wie der letzte Teil der
zweiteiligen, von Doris Appel präsentierten „kreuz und
quer“-Dokumentation über „Die Bibel-Jäger“ am Dienstag, dem 1. August
2017, um 22.30 Uhr in ORF 2 zeigt.

Um 23.25 Uhr folgt die Dokumentation „Sankt Martin – Soldat, Asket,
Menschenfreund“ von Fritz Kalteis: Gallien, im Jahr 394. Der 40 Jahre
alte Advokat Sulpicius Severus aus Aquitanien ist nach dem Tod seiner
Frau auf Pilgerreise. Sein Ziel: die Stadt Tours und ihr berühmter
Bischof Martin. Von ihm erhofft sich Sulpicius Heilung für seine
Seele. Zudem hat Sulpicius ein Projekt: Er möchte das erste Buch über
Martin schreiben, der weithin als Heiler und Mann Gottes bekannt ist.
Nach anfänglichem Zögern beginnt Martin zu erzählen. Es ist die
unglaubliche Geschichte eines Mannes, der vom Soldaten des Kaisers
zum Soldaten Gottes und damit auch zum Heiler, Asketen, Missionar und
umstrittenen Bischof von Tours wird.

„Die Bibel-Jäger – Dem Evangelium auf der Spur“ – Ein Film von Tilman
Remme

Auf Müllhalden werden nur selten Schätze gefunden. Am Rande einer
ägyptischen Siedlung des Altertums war das anders. Forscher fanden
dort in antiken Mülldeponien uralte Handschriften. Die Sensation:
Unter den Manuskripten waren bis dahin unbekannte
Jesus-Überlieferungen. Der Sand über der antiken Müllhalde und das
heiß-trockene Klima Ägyptens waren die idealen
Konservierungsbedingungen am Rande der Siedlung mit dem sperrigen
Namen Oxyrhynchus. In verschiedenen Schichten fand man dort (ab
Beginn der Grabungen Ende des 19. Jahrhunderts) entsorgte
Papyrus-Texte aus der hellenistischen, der römischen und der
byzantinischen Epoche der ägyptischen Geschichte. Für Aufsehen sorgte
der Fund zweier junger britischer Archäologen, Bernard Grenfell und
Arthur Hunt: Sie förderten Fragmente eines unbekannten Evangeliums
aus dem Ende des 2. Jahrhunderts zutage – mit Aussprüchen Jesu, die
man bis dahin nicht gekannt hatte.

Ein halbes Jahrhundert später, 1945, stießen Forscher im weiter
südlich gelegenen Nag Hammádi aus Zufall auf die vollständige
Evangeliumsschrift mit diesen Aussprüchen Jesu. Ein Hirte hatte das
antike Manuskript in einem vergrabenen Tonkrug gefunden. In insgesamt
114 Sprüchen legt Jesus dem Apostel Thomas seine „Geheimlehre“ aus.
Dieses von der antiken gnostischen Lehre inspirierte
Thomas-Evangelium war eine Sammlung von einerseits aus der Bibel
bekannten, andererseits bis dahin völlig unbekannten Jesus-Worten.
Bei manchen der neuen Aussprüche ist bis heute umstritten, ob darin
Aussagen des historischen Jesus von Nazareth bewahrt sind oder ob
hier gnostische Lehren Jesus in den Mund gelegt werden. Nach Lehre
der Gnosis sollte durch eine geistliche „Erkenntnis“ (Gnosis)
Erlösung von der materiellen Welt erlangt werden. In jedem Fall
werfen das Thomas-Evangelium und andere gnostische Schriften aus Nag
Hammádi ein neues Licht auf die Spielarten eines damals verbreiteten
gnostischen Christentums. Hatte man bis zu den Funden von Nag Hammádi
die gnostischen Lehren nur aus christlich-polemischen Schriften
gekannt, so lagen nun erstmals Originaldokumente dieser Lehre vor.

Was wiederum die Frage aufwirft: Warum wurden diese Schriften eines
alternativen Christentums nicht in den Kanon, das Verzeichnis der
biblischen Bücher, aufgenommen? Diesen und anderen Fragen geht der
Historiker und Archäologe Jeff Rose im zweiten Teil der „kreuz und
quer“-Doku über die „Bibel-Jäger“ des 19. und 20. Jahrhunderts nach.
Die Einsicht in die Vielfalt des frühen Christentums im Ringen um die
authentische Auslegung der christlichen Botschaft verunsicherte viele
Gläubige. Fragen nach der historischen Glaubwürdigkeit der
alttestamentlichen Geschichten und der neutestamentlichen
Jesus-Tradition führten, wie die Doku zeigt, zu lebhaften
Diskussionen. Auch wenn vieles davon heute als geklärt gilt, bleibt
die heikle Frage nach der göttlichen Inspiration angesichts der
keineswegs irrtumsfreien biblischen Autoren in der Debatte um
Bibelfundamentalismus bis heute ein wichtiges Thema.

„Sankt Martin – Soldat, Asket, Menschenfreund“ – Ein Film von Fritz
Kalteis

Beinahe alles, was wir von Martin wissen, stammt aus der Feder von
Martins Biografen Sulpicius Severus. Sulpicius entwirft das Bild
eines Mannes, der mit den Zügen von Propheten, Aposteln, Märtyrern
alle Formen der Heiligkeit in sich vereint. Martin zerstört
heidnische Götzenbilder und Tempel, treibt Teufel und Dämonen aus,
heilt Kranke, erweckt Tote zum Leben und vollbringt allerlei weitere
Wunder. „Sankt Martin – Soldat, Asket, Menschenfreund“ schält aus der
Martinslegende die historische Figur heraus und stellt sie in den
Kontext ihrer Zeit.

Die Dokumentation von Fritz Kalteis – eine Koproduktion von Metafilm
und Tellux-Film in Koproduktion mit ARTE, Bayerischem Rundfunk,
ARD-alpha und ORF, gefördert vom Fernsehfonds Austria und dem
Bundesministerium für Bildung – zeigt Martin als vom Christentum
bewegten Soldaten, der gegen alle Widerstände eine geistliche
Laufbahn einschlägt. Er wird zum Pionier des westlichen Mönchstums,
zum zielstrebigen Verfechter seiner Überzeugungen gegen Kaiser und
Klerus und letztlich zum ersten Heiligen der Christenheit, der nicht
als Märtyrer stirbt. An Originalschauplätzen in Martins Geburtsort
Szombathely, in Ligugé, Tours und Trier spürt der Film dem
Vermächtnis Martins und dessen Bedeutung in der Gegenwart nach.
Spielszenen, in denen der Wiener Burgschauspieler Peter Matic und
sein Sohn Paul in der Rolle des Martin glänzen, lassen die
Wendepunkte im Leben des Soldaten, Asketen, Heilers und Bischofs
lebendig werden.

Martin ist der Nationalheilige von Frankreich und der Slowakei sowie
der Landespatron des Burgenlandes in Österreich. Im Zentrum dieser
seit 1.700 Jahren andauernden Verehrung steht eine Ikone der
Barmherzigkeit: der Soldat auf dem hohen Ross, der vor den Toren der
Stadt Amiens seinen roten Mantel mit dem Schwert trennt, um ihn mit
dem Bettler zu teilen. Dieses Bild braucht keine Predigt, um
verstanden zu werden. Martins Haltung der tätigen Nächstenliebe macht
ihn seit Jahrhunderten zur Identifikationsfigur für ein Europa, das
angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen erneut vor
gewaltigen Herausforderungen steht.

Die Sendungen sind auf der Video-Plattform ORF-TVthek
(http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener
Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung
sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

Das gesamte TV-Angebot des ORF – ORF eins, ORF 2, ORF III, ORF SPORT
+ sowie 3sat – ist auch im HD-Standard zu empfangen. Alle
Informationen zum ORF-HD-Empfang und zur Einstellung der neuen
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