TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 31. Juli 2017 von Mario Zenhäusern - Nagelprobe für die Olympia-Idee

Innsbruck (OTS) - Das Internationale Olympische Komitee will den Weg frei machen für kleinere, billigere Spiele. Milliardenspektakel wie zuletzt in Sotschi sollen der Vergangenheit angehören. Für Innsbruck ist das eine einmalige Chance.

Von Mario Zenhäusern
Am 15. Oktober wählen die Tirolerinnen und Tiroler nicht nur einen neuen Nationalrat, sie stimmen auch über die Frage ab, ob sich Tirol für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2026 bewerben soll. Bei den letzten beiden Volksbefragungen zu diesem Thema setzten sich bekanntlich die Gegner durch: 1993 erteilten drei Viertel der Tiroler Bevölkerung der Idee eine Abfuhr, vier Jahre später scheiterten die Olympia-Pläne am Nein in Innsbruck-Stadt.
Jetzt scheinen sich die Vorzeichen geändert zu haben. Milliardenkosten, wie von den Gegnern gebetsmühlenartig behauptet, sollen nach Angaben der Befürworter dieses Mal nicht anfallen. Keine neuen Großbauten, die Ausnützung (und, wo notwendig, Adaptierung) bestehender Infrastruktur, dezentrale Athletenunterkünfte, der nachhaltige Ausbau und die Einbindung des öffentlichen Nahverkehrs – all das soll in ein Angebot verpackt werden, das dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) präsentiert werden wird.
Obwohl die vergangenen Spiele von einem Gigantismus geprägt waren, der den Olympia-Gegnern voll in die Hände spielt – allein die Winterspiele in Sotschi (Russland) kosteten beinahe 40 Millionen Euro, von Nachnutzung der Infrastruktur kann nur eingeschränkt die Rede sein –, sind die Befürworter einer Tiroler Bewerbung zu Recht optimistisch: Im IOC befasst sich nämlich eine Arbeitsgruppe, in der auch Österreichs IOC-Vertreter Karl Stoss sitzt, mit der Agenda 2020. Ziel ist die Redimensionierung. Nach Milliardenspektakeln in Sotschi, Pyeongchang und Peking sollen die Spiele wieder kleiner und billiger werden. Und in die Heimatmärkte des Wintersports zurückkehren. Früher haben sich im Vorfeld der Vergabe Olympischer Spiele die Austragungsorte gegenseitig mit Superlativen überboten und damit den Preis für die Durchführung in die Höhe gedrückt. Tirol enthält sich dieser Preistreiberei. Stimmt die Bevölkerung am 15. Oktober zu, wird das Österreichische Olympische Komitee gemeinsam mit dem Land Tirol und der Stadt Innsbruck dem IOC ein Abgebot unterbreiten, unter welchen Bedingungen sie die Spiele zu veranstalten bereit und in der Lage sind.
Die Abstimmung über das Tiroler Paket wird zur Nagelprobe für die Agenda 2020: Dann nämlich wird sich zeigen, ob es die honorigen Herren im IOC ernst meinen mit ihrem Wunsch nach Redimensionierung. Er habe für 2026 das Bewerbungsverfahren geändert, um zu den Wurzeln zurückzukehren, sagt IOC-Präsident Thomas Bach im TT-Interview. Klingt fast wie ein Versprechen.

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