• 26.07.2017, 11:25:38
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  • OTS0057

FSME: Mehr Kinder erkranken

Wien (OTS) - Die Zahlen der jährlichen FSME-Erkrankungsfälle in
Österreich sprechen eine deutliche Sprache. Gab es 1979, bei einer
Impfrate von lediglich 3%, 677 hospitalisierte Fälle von FSME
(Frühsommer-Meningoenzephalitis), waren es 2016 nur 89 Fälle1, bei
einer Impfrate von 83% (jemals geimpfte ÖsterreicherInnen; davon sind
jedoch nur 64% nach dem korrekten Schema geimpft)2. Man kann also
behaupten, dass dem Großteil der Bevölkerung die Gefahr der FSME
bewusst ist. Dennoch gibt es Themenbereiche, die in Bezug auf FSME
gerne unterschätzt oder vergessen werden. Unter den Neuerkrankungen
findet sich die Altersgruppe der Menschen ab 30 Jahren auffällig oft,
weil Auffrischungsintervalle häufig nicht eingehalten werden oder die
Impfung ganz vergessen wird. Da in Österreich immer noch FSME-Fälle
auch mit bleibenden Schäden und Todesfolge diagnostiziert werden,
sind weitere Anstrengungen notwendig, um die Anzahl der Erkrankungen
weiter zu reduzieren bzw. niedrig zu halten.

FSME: Mehr Kinder erkranken

Bei Kindern und Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren ein
Anstieg an FSME-Fällen zu beobachten.

Seit 2011 erkrankten dreimal so viele Kinder unter 15 Jahren an FSME
wie in den fünf Jahren zuvor (60 versus 19 Fälle) – bei den Kindern
bis zu sechs Jahren waren es fast viermal so viele (34 versus 9
Fälle). Der Grund liegt auf der Hand: Die Impfrate bei den Ein- bis
Dreijährigen ist seit 2001 von 61 Prozent auf 44 Prozent gesunken –
also um fast ein Drittel.2

„2 von 10 Vorschulkindern sind nicht gegen FSME geimpft. Das
nationale Impfgremium empfiehlt die Zeckenschutzimpfung jedoch
ausdrücklich ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. Viele Eltern, die
ihre Kinder nicht impfen lassen, haben Angst vor Nebenwirkungen. Für
Kleinkinder gibt es jedoch spezielle gut verträgliche Impfstoffe.“,
sagt Dr. Martin Hochstöger, Präsident der Tiroler Apothekerkammer.

„Für Kinder gibt es nichts Schöneres, als im Frühling und im Sommer
im Freien herumzutollen. Leider lauern auch einige Gefahren auf der
Spielwiese und im hohen Gras – deshalb ist Zeckenschutz so wichtig.
Schon im Baby- und Kleinkindalter ist die FSME-Impfung wichtig, wenn
Babys und Kleinkinder im Freibad die Liegewiese entdecken und sich im
Gras wälzen“, berichtet Mag.pharm. Kornelia Seiwald, Präsidentin der
Salzburger Apothekerkammer.

Kinder und Jugendliche

„Da Kinder gern in der Natur spielen, ist für sie das Risiko
besonders hoch, von einer Zecke gestochen zu werden. Obwohl FSME bei
Kindern meist leichter als bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft,
gibt es vereinzelt auch schwere Fälle mit Folgeschäden. Die Impfung
ist abgesehen von möglichen Reaktionen an der Injektionsstelle und
Fieber gut verträglich und schützt bei Einhaltung des Impfschemas zu
über 95% vor der Infektion.“, sagt Priv.-Doz. Dr. Hans Jürgen
Dornbusch, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz.

Insbesondere Kleinkinder sind beim Spielen in Gefahr: Zecken sitzen
meist auf Grashalmen und auf Sträuchern bis etwa eineinhalb Meter
Höhe und werden durch Berührung abgestreift oder lassen sich fallen.
„Um Kinder auch vor anderen durch Zecken übertragbaren Krankheiten
wie der Borreliose zu schützen, sollten nach Aufenthalt in der Natur
Körper und Kleidung sorgfältig auf Zecken abgesucht und diese so
schnell wie möglich entfernt werden“, so Dr. Johann Sommer, Facharzt
für Jugend- und Kinderheilkunde in Wien.

Was ist FSME?

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Viruserkrankung,
die zur Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute und/oder des
Zentralnervensystems führen kann. Rund 30% der Infizierten werden
tatsächlich krank. Die Dauer vom Zeckenstich bis zum Ausbrechen der
Erkrankung (Inkubationszeit) schwankt zwischen wenigen Tagen und
einem Monat. Die Krankheit verläuft typischerweise in 2 Phasen: in
der ersten Phase treten grippeartige Symptome wie Fieber, Kopfweh und
Gliederschmerzen auf. Bei ca. einem Drittel der Infizierten kommt es
nach einem symptomfreien Intervall von etwa einer Woche zur zweiten
Phase, in der die Krankheit auf das zentrale Nervensystem übergeht.
Je nach Schwere der Erkrankung kommt es zu entsprechenden Symptomen:
starke Kopfschmerzen, hohes Fieber bis über 40 Grad,
Nackensteifigkeit, Verwirrtheit und/oder Bewusstseinsstörungen. Es
kann auch zu Lähmungserscheinungen, Gangstörungen, Krampfanfällen
und/oder Atmungsstörungen kommen. Im schlimmsten Fall kann die
Erkrankung tödlich enden (bei 0,5 - 2% der Betroffenen).3

Was kann vor FSME schützen?

Insektenabwehrmittel halten die Zecken zwar auf Abstand, schützen
jedoch nicht vor einer FSME-Infektion, sollte es zu einem Stich
kommen. Die Erkrankungszahlen sind seit den 1980er Jahren deutlich
zurückgegangen, trotzdem erkranken in Österreich jährlich noch immer
zwischen 50 und 100 Menschen, die überwiegend nicht geimpft sind oder
deren Impfung unregelmäßig aufgefrischt wurde.

„Da FSME-Viren durch Zeckenstiche übertragen werden, kann man den
Erreger nicht ausrotten, wie etwa bei Pocken oder Masern, wo eine
alleinige Mensch zu Mensch Übertragung stattfindet. Mittels der
FSME-Impfung kann eine sogenannte Krankheitskontrolle erreicht
werden, d.h. jeder Einzelne muss durch eine Impfung geschützt werden,
um die Erkrankung zu verhindern. Es nützt nichts, wie etwa bei
Masern, wenn andere geimpft sind", sagt Univ.-Prof. Dr.med. Ursula
Kunze, Generalsekretärin des Vereins zur Förderung der
Impfaufklärung.

Generell sind drei Subtypen des FSME-Virus (fernöstlicher,
europäischer, sibirischer Subtyp) bekannt. In unseren Breiten ist der
europäische Subtyp zwar vorherrschend, trotzdem tauchen immer
häufiger andere Virussubtypen in für sie unüblichen Regionen auf.
Dies tritt ein, wenn Zecken beispielsweise Zugvögel als „Taxi“
verwenden und sich so in anderen Gebieten niederlassen. Der nun seit
40 Jahren in Österreich produzierte Impfstoff generiert die
Produktion von Antikörpern, die alle bekannten FSME-Virus Subtypen
gleichermaßen neutralisieren. 4

Wer impft wann und wo?

In den meisten Fällen werden die Impfungen durch die Hausärztin oder
den Hausarzt durchgeführt. Darüber hinaus kann man sich auch bei der
Amtsärztin oder dem Amtsarzt in der Bezirkshauptmannschaft impfen
lassen. Neben diesen Stellen führen vermehrt Schulen, größere
Betriebe oder Gemeinden Impfaktionen durch.
(https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/impfungen-beratung-impfstellen-bundeslaender.html)

Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass frühestens nach 2
Teilimpfungen, die je nach Impfstoff in einem bestimmten Abstand
durchgeführt werden sollten, ein Schutz vor FSME gegeben sein kann.
Die Grundimmunisierung besteht aus insgesamt 3 Teilimpfungen.

Anschließend müssen die Auffrischungstermine eingehalten werden, da
sonst Lücken im Impfschutz entstehen können. Nach Abschluss der
Grundimmunisierung muss nach 3 Jahren zum ersten Mal aufgefrischt
werden. Danach beträgt das Impfintervall 5 Jahre. Ab dem 60.
Geburtstag reduziert sich das Intervall zwischen den
Auffrischungsimpfungen wieder auf 3 Jahre, da das Immunsystem des
Menschen altert.

Die erste Grundimmunisierung kann ab dem vollendeten ersten
Lebensjahr durchgeführt werden. Bei Versäumnis einer Impfung bzw.
längeren Impfabständen wird nach zwei oder mehr Teilimpfungen diese
Impfung mittels einer einzigen Dosis nachgeholt, die
Grundimmunisierung muss nicht neu begonnen werden.

Die geimpften Personen sind darauf aufmerksam zu machen, dass nach
der 1. Teilimpfung der Grundimmunisierung noch kein kompletter
Impfschutz vorhanden ist, und daher das Risiko einer Zeckenexposition
vermieden werden soll.5

Der FSME-Impfstoff kann das ganze Jahr über in jeder österreichischen
Apotheke gekauft werden. Von Februar bis inklusive August 2017 wird
die Schutzimpfung im Rahmen der Impfaktion der Apothekerkammer zu
vergünstigten Preisen angeboten.

*Die FSME-Impfung bietet ausschließlich einen Schutz vor der
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), nicht vor anderen durch Zecken
übertragenen Krankheiten wie Borreliose

Eine Initiative des Vereins zur Förderung der Impfaufklärung

Mit freundlicher Unterstützung von Pfizer Corporation Austria
Ges.m.b.H., Wien

1 Zentrum für Virologie. FSME Epidemiologie 2016. In:
https://www.virologie.meduniwien.ac.at/fileadmin/virologie/files/Epidemiologie/2017/0417s.pdf

2 Gfk Healthcare | Impfstatus 2016 | September 2016

3 European Center for Disease and Control. Factsheet: Tick-borne
encephalitis. In:
http://ecdc.europa.eu/en/healthtopics/emerging_and_vector-borne_diseases/tick_borne_diseases/tick_borne_encephalitis/basic_facts/Pages/factsheet-health-professionals.aspx

4 Orlinger K, et al. A tick-borne encephalitis virus vaccine based on
the European prototype broadly reactive cross-neutralizing antibodies
in humans. JID 2011;203:1556-1564

5 Österreichischer Impfplan abgerufen am 03.07.2017 unter
http://bmgf.gv.at/home/Impfplan

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