OÖNachrichten-Leitartikel: "Zwei Felder vor, drei zurück", von Gerald Mandlbauer

OÖNachrichten vom 25. Juli 2017

Linz (OTS) - Möglicherweise hat bei der Vergabe-Entscheidung doch die Überlegung mitgespielt, dass Oberösterreich bei der bevorstehenden Wahl keine unwesentliche Rolle einnehmen wird. Soll sein. Ganz sicher auch hat Landesrat Strugl hervorragend verhandelt. Doch einerlei, welche Erklärungen wir bemühen, entscheidend ist, dass aus dem österreichischen Forschungszentrum für Mikroelektronik, das sich Kärnten und die Steiermark am liebsten unter sich aufgeteilt hätten, doch eine Dreiecksbeziehung werden wird. Oberösterreich wird Teil von „Silicon Austria“.
Rund 60 Millionen Euro, verteilt über fünf Jahre, werden zusätzlich nach Oberösterreich gepumpt. Dieser Mittelzufluss ist kein ungedeckter Wahlkampfscheck, er bedeutet, dass Linz als Forschungsstätte in diesem Bereich nicht hinter Villach (Infineon-Standort) und Graz zurückfallen wird.
Denn darum geht es im digitalen Wettbewerb. Der Ort gewinnt an Bedeutung. Wer einmal hat, dem wird noch mehr gegeben.
Die Teilhabe an „Silicon Austria“ ist daher eine ungeheuer wichtige Konkretisierung der oft gehörten Beteuerungen, aus Oberösterreich und Linz einen digital erfolgreichen Standort zu machen. Ein Beginn. Es fügt sich diese Meldung auch in das Projekt „smart-city“ und das Vorhaben, Linz von einer ehemaligen Stahl-Stadt in eine Digital-Stadt zu verändern. Auch davon stehen derzeit nur Überschriften.
Und der Vollständigkeit halber muss angemerkt werden, dass Innovation nur schwer verordnet oder geplant werden kann. Hunderte kleine Schrauben müssen dazu gedreht, ein paar große Blockaden beseitigt werden. Der allergrößte Standortkiller, das zeigen die ersten Grundlagendebatten zu „smart-city“ in Linz, ist dabei die Verkehrslage im Zentralraum. Der wirtschaftliche Aktionsradius wird durch die Dauerstaus massiv reduziert. Das schreckt Firmen und potenzielle Mitarbeiter ab und ist die Achillesferse des innovativen Oberösterreich. Allein die Provinz-Dauerposse um die Linzer Brücken zeigt, in welchem Ausmaß eine bereits vollständig in Rente befindliche Politikergeneration die letzten 20 Jahre in dieser Frage verschlafen hat. Der Stau, so steht es in einem ersten Grobpapier zu „smart-city“, ist ein Job- und Forschungskiller ersten Ranges. Denn auch im digitalen Zeitalter ist persönliche Begegnung Voraussetzung für Innovation.

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