„kreuz und quer“ am 25. Juli: „Die Bibel-Jäger“ und „Exorzismus – Der Kampf mit dem Teufel“

Wien (OTS) - Ein sensationeller Fund in einem Wüstenkloster brachte im 19. Jahrhundert größere Klarheit über die biblischen Texte – in Tausenden Manuskripten und Fragmenten wurden diese überliefert. Dabei weichen die Handschriften durchaus voneinander ab. Was die Frage aufwirft: Liegen uns heute stark veränderte Texte vor? „kreuz und quer“ – präsentiert von Doris Appel – zeigt am Dienstag, dem 25. Juli 2017, um 22.30 Uhr in ORF 2 mit der Dokumentation „Die Bibel-Jäger“ von Tilman Remme (Teil 2 folgt am 1. August) eine spannende filmische Rekonstruktion der Suche nach der historischen Authentizität der Bibel. Um 23.25 Uhr steht Konrad Szołajskis Dokumentation „Exorzismus – Der Kampf mit dem Teufel“ auf dem „kreuz und quer“-Programm.

„Die Bibel-Jäger – Auf der Suche nach der historischen Wahrheit“ – Ein Film von Tilman Remme

Wie nahe sind unsere heutigen Bibelübersetzungen am Urtext? Im 19. Jahrhundert, als man auf Abweichungen bei der Schriftüberlieferung stärker aufmerksam wurde, war diese Fragestellung aufrüttelnd. Sie führte zu einer regelrechten Jagd von Wissenschaftern nach möglichst alten biblischen Handschriften. In der zweiteiligen „kreuz und quer“-Dokumentation „Die Bibel-Jäger“ heftet sich der Archäologe und Historiker Jeff Rose an die Fersen der Forscher bei ihrer Spurensuche nach beschriebenen Papyrus- und Pergamentstücken in Ägypten und Syrien.

Einer von ihnen war der deutsche Bibelwissenschafter und evangelische Theologe Konstantin von Tischendorf. Nach Hinweisen in Kairo brach er 1844 mit einer Kamel-Karawane zum entlegenen Katharinenkloster in der Wüste Sinai auf. Nach tagelanger Reise und unermüdlichen Nachforschungen im Kloster machte er schließlich eine sensationelle Entdeckung: Er stieß auf die – von Mönchen bis dahin nicht beachtete – älteste umfassende Handschrift des Alten und Neuen Testaments. Unter dem Namen „Codex Sinaiticus“ wurde das gebundene Manuskript weltberühmt. Der Codex, der heute in der British Library in London aufbewahrt wird, gehört zu dem sehr verlässlichen „Alexandrinischen Texttypus“ der Bibelüberlieferung. Somit gilt der „Sinaiticus“ als einer der wichtigsten biblischen Textzeugen – er wird ins 4. Jahrhundert datiert.

Was bei der Publikation durch Tischendorf damals viele verstörte: Der Codex Sinaiticus bot – neben anderen Textabweichungen zu den üblichen Bibelübersetzungen – einen kürzeren Schluss des ältesten der vier neutestamentlichen Evangelien: Nach der Handschrift endet das Markusevangelium nicht mit den Erscheinungen des auferstandenen Christus vor den Aposteln, sondern mit den Frauen, die nach der Auferstehungsbotschaft, die sie von einem Engel im leeren Grab erhalten, in Angst und Entsetzen fliehen. Dieser anstößige Schluss wird in der Bibelwissenschaft bis heute diskutiert. Am wahrscheinlichsten gilt, dass dieses abrupte Ende tatsächlich der ursprüngliche Schluss des Markusevangeliums war.

Tischendorfs Leistungen ermutigten eine neue Generation von „Bibel-Jägern“, ebenfalls nach Ägypten zu reisen. Darunter waren auch zwei Zwillingsschwestern von der schottischen Westküste: Agnes und Margaret Smith stammten aus einer presbyterianischen Familie und genossen die beste Ausbildung – vor allem in Cambridge. Ausgerüstet mit Foto-Equipment zogen auch sie auf die Sinai-Halbinsel. Doch in den 1880er Jahren war es fast unmöglich, als Frau – noch dazu mit protestantischem Bekenntnis – ein orthodoxes Männerkloster zu betreten. Mehrere Tage mussten die Zwillingsschwestern mit ihrem Tross vor dem Katharinenkloster ausharren, ehe die Mönche Vertrauen fassten und sie einließen. Doch die Mühe hatte sich gelohnt: Sie stießen zunächst auf ein altes Manuskript mit frommen Texten. Doch unter dieser Handschrift trat schließlich eine noch viel ältere zutage. Weil Schreibmaterial teuer war und man genug Bibeln im Kloster besaß, hatten Mönche Jahrhunderte zuvor den biblischen Text mit damaligen Mitteln gelöscht und mit Texten von Kirchenvätern überschrieben. Nach Entdeckung dieses sogenannten Palimpsests wurde die Entzifferung der ursprünglichen Bibelhandschrift in Aramäisch – der Sprache Jesu und seiner Jünger – in Europa zur Sensation. Der altsyrisch-aramäische Codex gehört heute zu den bedeutenden neutestamentlichen Textzeugen.

„Exorzismus – Der Kampf mit dem Teufel“ – Ein Film von Konrad Szołajski

Psychische Auffälligkeiten, die man als Besessenheit durch Dämonen oder gar durch den Leibhaftigen deutete, werden heute psychiatrisch behandelt. Im katholischen Polen jedoch nimmt seit einigen Jahren die Zahl derer wieder zu, die den Teufel und seine gefallenen Engel am Werk sehen: Sie rufen einen Exorzisten zu Hilfe, der die Austreibung der Dämonen durch Ritual und Weihwasser bewirken soll. Konrad Szołajskis Dokumentation setzt sich mit diesem Phänomen auseinander, zeigt konkrete Beispiele und lässt Betroffene, Angehörige und Kritiker zu Wort kommen.

Karolina (30) hat festgestellt, dass sie sich erotisch zu Frauen hingezogen fühlt. In ihrem strenggläubigen katholischen Umfeld ist es offenbar gar nicht anders denkbar, als diese Veranlagung als Krankheit zu sehen. Mehr noch: Sie muss vom Teufel besessen sein – ist Karolina bald auch selbst überzeugt. Eine Ordensschwester hat sie in diesem Punkt noch bestärkt. Ihre „Probleme“ seien nicht psychischer, sondern spiritueller Natur, wusste die Ordensfrau sofort. Also sucht Karolina Hilfe bei einem Exorzisten und einer Psychiaterin, die sich auch auf Besessenheit im religiösen Sinn spezialisiert hat. Eine erste Begegnung mit den beiden geht schließlich anders aus, als es sich Karolina erwartet hat.

Die 17-jährige Agnieszka ist ebenfalls in einem streng katholischen Elternhaus aufgewachsen. Sie verspürt eine innere Abneigung gegen religiöse Rituale und den sonntäglichen Kirchgang. Für ihre Eltern und ihren Seelsorger ein Hinweis, dass sie besessen sein muss. Der Dämon, der sie peinigt, soll verschwinden. Doch der denkt nicht daran. Der Psychiater Jerzy Aleksandrowicz sieht deutliche Hinweise darauf, dass das Mädchen einen gewaltigen Konflikt zwischen seiner religiösen Erziehung und gewissen Erfahrungen durchlebt, die ihm die weitere Religionsausübung unmöglich machen. Ihren Glauben habe Agnieszka aber trotzdem behalten. „Was da passiert ist, weist alle Anzeichen von Missbrauch auf“, ist Aleksandrowicz überzeugt.

Basia (21) wiederum hat eine gravierende Persönlichkeitsveränderung durchgemacht. Sie ist oft depressiv verstimmt, schläft schlecht, kommt nicht aus dem Bett. Immer wieder bekommt sie Anfälle, bei denen sie nicht bei sich ist, sondern schreit und um sich schlägt. Basias Eltern können sich dieses Verhalten nur durch dämonische Besessenheit erklären. Das Mädchen ist bereits einige Male exorziert worden, geholfen hat es ihr nicht. Der katholische Priester und Psychotherapeut P. Stanisław Radoń meint, Basia leide unter Angst-und Zwangsstörungen, von denen sie völlig beherrscht werde. Zum generellen Trend in Polen, Exorzisten aufzusuchen, benennt Radoń ein Problem: Exorzisten würden ihren „Patientinnen und Patienten“ oft ausdrücklich verbieten, einen Psychiater aufzusuchen. Radońs nüchternes Fazit: „Ich kann mit absoluter Gewissheit sagen, dass ich noch nie einen Besessenen getroffen habe – und garantiert auch keiner von den Exorzisten, die ich kenne.“

Gezeigt wird in der Doku auch der zunehmende Einfluss der freien Pfingstkirchen in Polen, in denen Heilungen und Exorzismen eine wichtige Rolle spielen, auch in der katholischen Kirche des Landes.

Die Sendungen sind auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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