„Orientierung“ am 9. Juli: Kritik an Kindergarten-Studie – Fachlich schwach, Sätze „manipuliert“?

Wien (OTS) - Christoph Riedl-Daser präsentiert im ORF-Religionsmagazin „Orientierung“ am Sonntag, dem 9. Juli 2017, um 12.30 Uhr in ORF 2 folgende Beiträge:

Fachlich schwach, Sätze „manipuliert“? – Kritik an Kindergarten-Studie

Der Religionspädagoge Ednan Aslan wollte Missstände in Kindergärten aufzeigen. Im Fokus seiner Forschungsarbeit, die im Frühjahr 2016 erschienen ist, standen die muslimischen Betreiber von Kindergärten. Mehr als die Hälfte von ihnen, so Aslan damals in einem „Orientierung“-Interview, werde „von Salafisten und Extremisten geprägt.“ Jetzt stehen Aslan und der Auftraggeber der Studie – das Integrationsministerium – selbst im Kreuzfeuer der Kritik. Laut einem Bericht der Zeitschrift „Falter“ sollen Mitarbeiter des Integrationsministeriums Passagen der von Aslan erstellten Vorstudie gestrichen oder inhaltlich verändert haben. Was dabei auffällt: Vor allem „positive Zeugnisse“ aus sogenannten islamischen Kindergärten wurden teilweise zu negativen Befunden. Aslan betont, dass alle Korrekturen nur auf seinen Wunsch vorgenommen worden seien. Die Kommunikations- und Sozialwissenschafterin Andrea Schaffar hat sich schon vor der jüngsten Debatte intensiv mit der „fachlichen Qualität“ der Vorstudie auseinandergesetzt. Sie meint, diese Arbeit würde an der Universität weder als Bachelor- noch als Diplomarbeit „durchgehen“, denn – so ein Kritikpunkt – sie sei methodisch nicht verortbar. „Die Arbeitsweise und auch die Quellen müssen greifbar sein“ und dies sei eben bei Aslans Arbeit nicht der Fall, so Schaffar. Die Universität Wien unterzieht die Forschungsarbeit Aslans mittlerweile einer wissenschaftlichen Prüfung. Und: Bestätigt in der Kritik an der Studie sieht man sich nun auch von Seiten der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Bericht: Sandra Szabo, Christoph Riedl-Daser.

Turbulenzen im Vatikan: Der Abgang eines „Hardliners“

Nur 48 Stunden nach der Beurlaubung des Kurienkardinals George Pell trennte sich der Vatikan erneut von einem seiner prominentesten Mitarbeiter: Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Sein Vertrag als Präfekt der einst – als Römische Inquisition, später dann als Heiliges Offizium – gefürchteten Glaubenskongregation wurde nicht verlängert, sein Amt nach fünf Jahren neu besetzt. Seinen Posten verdankte der ehemalige Bischof von Regensburg einem Landsmann, dem damaligen Papst Benedikt XVI. Seine Beziehung zu Franziskus war hingegen von Spannungen geprägt. So trat der deutsche Theologe und oberste Glaubenshüter immer wieder offen gegen den Reformkurs des Papstes auf. Er kritisierte Synoden und päpstliche Lehrschreiben. Nun tritt der Jesuit Luis Francisco Ladaria Ferrer in seine Fußstapfen. Mit Müllers Abgang – und in Pells Abwesenheit – ändert sich auch die Zusammensetzung der Kurie. Piero Schiavazzi, Professor für Vatikanische Geopolitik, spricht von einer „progressiven Wende“. Bericht: Mathilde Schwabeneder.

Im „Orientierung“-Studiogespräch über die neuen Weichenstellungen auf der Führungsebene des Vatikans: Jan-Heiner Tück, römisch-katholischer Theologe an der Universität Wien.

Streitbarer „Hüter des Glaubens“: Kardinal Joachim Meisner ist tot

Als „konservativer Kritiker“ war er um Worte nicht verlegen: Wenn der frühere Kölner Erzbischof Joachim Meisner Glaubenslehre oder gesellschaftliche Moral bedroht sah, dann ging er als Verteidiger in die Offensive. In den vergangenen Monaten auch gegenüber dem Papst, dessen Haltung zu wiederverheirateten Geschiedenen – man möge sie im Einzelfall zur Kommunion zulassen – Meisner mit Widerspruch begegnete. Schlagzeilen machte er auch, als er sich gegen eine langjährige Regelung der katholischen Kirche in Deutschland stemmte, die es erlaubte, dass katholische Beratungseinrichtungen – im Rahmen des staatlichen Systems der Schwangerenberatung – Bescheinigungen ausstellten, die einen straffreien Schwangerschaftsabbruch ermöglichten. Nicht zuletzt Meisner war es, der Papst Johannes Paul II. im Jahr 1999 dazu veranlasste, diese Regelung zu „kippen“. Klar war Kardinal Joachim Meisner aber auch in seinem „Nein“ zu einem Nachdenken über das Frauenpriestertum, seinem „Nein“ zu kritischen Anfragen an den Zölibat und seinem „Nein“ zur Embryonenforschung. Und auch zu diskussionsreichen Veranstaltungen wie etwa Katholikentagen hatte er seine Meinung: Dort nämlich werde, so seine Kritik, wohl „zu viel diskutiert und zu wenig gebetet.“ Am vergangenen Mittwoch starb Kardinal Joachim Meisner im Alter von 83 Jahren in Bad Füssing in Bayern. Bericht: Klaus Ther.

Ein ewiges Geheimnis? Ausstellung über Turiner Grabtuch in Wien

1,81 Meter groß soll er gewesen sein – jener Mann, dessen Abdruck auf dem berühmten Grabtuch von Turin seit Jahrhunderten für Diskussionen sorgt. Im Wiener Erzbischöflichen Palais ist bis zum 16. Juli eine Ausstellung zu sehen, die sich der Frage widmet „Wer ist der Mann auf dem Tuch?“. Organisiert wird die Schau vom Malteserorden. Sie ist als Wanderausstellung konzipiert, Kernstücke sind eine originalgetreue Kopie des Turiner Grabtuchs und eine lebensgroße Skulptur, die den Spuren auf dem Tuch entspricht. Ein Team der „Orientierung“ hat die Künstlerin Victoria Coeln bei einem Rundgang durch die Ausstellung begleitet. Coeln eröffnet mit ihren Arbeiten und ihren Lichtinstallationen – etwa im Wiener Stephansdom oder am Heldenplatz – neue Blickwinkel. Im Rahmen ihres Kunstprojekts „Verhüllungen“ hat sie in der vergangenen Fastenzeit 37 Heiligenfiguren im Dom mit Rettungsdecken aus Folie umwickelt. Die Frage nach der Echtheit des Turiner Grabtuchs ist für die Künstlerin nicht so entscheidend, viel entscheidender sei, was dieses Tuch in Menschen auslöse. Bericht:
Sandra Szabo.

Die Sendung ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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