• 06.07.2017, 13:16:35
  • /
  • OTS0163

Zinggl zu UNESCO-Entscheidung: „Wien ist anders, pfeift auf sein kulturelles Erbe und schützt sich vor der UNESCO“

Wien (OTS) - 

„Die Stadtregierung hat einem spekulativen Projekt nicht den notwendigen Riegel vorgeschoben. Lieber verzichtet sie auf das Prädikat Welterbe als auf ein Haus, dessen Notwendigkeit schwer überschätzt wird. Die Vorteile dieses Eingriffs sind vergleichsweise gering und wären allesamt ohne grobe Verletzung des Gesamtbildes möglich gewesen. Um diese Vorteile ist es aber nie gegangen. Ich kann mich nur schwer dem Eindruck entziehen, der Stadtregierung sei es gar nicht um das Projekt am Heumarkt, sondern just um die Aufhebung des Schutzes durch die UNESCO gegangen“, kommentiert der Kultursprecher der Grünen im Parlament, Wolfgang Zinggl, die Entscheidung der UNESCO, das Stadtzentrum Wiens auf die Rote Liste zu setzen.  

„1972 hat die UNESCO den Schutz von kulturellem Erbe beschlossen“, ergänzt Zinggl, „Österreich hat sich zur Umsetzung dieser Konvention verpflichtet und müsste eigentlich alles tun, um für künftige Generationen zu erhalten, was für die ganze Welt von Bedeutung ist. Aber was vielen bedeutsam ist, ist manch bauwütigem Spekulanten ein Dorn im Auge. Das Prädikat Welterbe konnte als Ablehnungsgrund gegenüber eigennützigen und einflussreichen Spekulanten dienen. Die Auszeichnung der Weltorganisation ist nämlich mit Auflagen verbunden, die sich von deren Wünschen abheben. Deshalb hat sich die Stadt von der internationalen Konvention verabschiedet. Sie handelt damit wie der Bürgermeister einer kleinen Ortsgemeinde in Niederösterreich, der sich von der Raiffeisenbank ohne Rücksicht auf das Gesamtbild in den gewachsenen Ortskern reinpfuschen lassen muss. Völker verbindende Verträge sind egal. Dafür sind wir wieder Herr im eigenen Haus. Mit hausgemachten, schwammigen und jederzeit veränderbaren Regeln. Eine Firewall mit dem Abschreckeffekt eines abgebrannten Streichholzes“, meint Zinggl und setzt fort: „Wenig zur Ehre gereicht dazu noch die unverschämte Strategie, möglichst oft zu beteuern, wie wichtig uns das Welterbe ist, aber gleichzeitig vieles zu tun, um es zu verlieren“. Zinggl zitiert beispielgebend dafür die Planungsstadträtin Maria Vassilakou, die gerne darauf hingewiesen hat: "Wenn man den Vertrag eingeht, muss man die UNESCO als Korrektiv anerkennen".

Dass jetzt seitens der Stadt ersucht wird, die UNESCO anzuschwärzen, findet Zinggl besonders blamabel: „In einer Gemeinderatsitzung entblödet sich der für die Kultur zuständige Ausschussvorsitzende nicht, die UNESCO, also die Kulturorganisation der UNO, lächerlich zu machen und ihr die Legitimität abzusprechen, die sie per völkerrechtlicher Vereinbarung mit allen Staaten genießt. Dieser Gemeinderat würde wohl auch andere Staatsverträge in Frage stellen, sobald sie den Interessen eines Immobilienunternehmers widersprechen. Seine Aussagen bestätigen aber nur die Haltung der SPÖ. Einer Partei, der die Interessen der Mächtigen wichtiger sind als die Interessen der Bürger und Bürgerinnen. Und das gilt beileibe nicht nur für die Wiener SPÖ.“

„Nicht durch Verfall sondern aufgrund von Deregulierung, Rückzug der Politik, Abbau von Standards und Regeln ist das Kulturerbe von Zerstörung bedroht. Wien gibt gegenüber dieser Politik ein denkbar schlechtes Beispiel ab. Die Stadt signalisiert, dass es sich rechnet, sogar auf ein von der Staatengemeinsaft geschütztes Territorium zu spekulieren“, so Zinggl abschließend. “Und mit der Entscheidung der UNESCO hat sich auch Österreich blamiert. Das Schlimme daran aber ist, dass sich die  Verantwortlichen nicht im Geringsten dafür genieren.“

Rückfragen & Kontakt

Wolfgang Zinggl
Kultursprecher des Grünen Klubs im Parlament
+43-699 110 99 103
[email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | FMB

Bei Facebook teilen
Bei X teilen
Bei LinkedIn teilen
Bei Xing teilen
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel