Verurteilt, geköpft und bestattet!

Neu entdeckte Madonna der Basilika Maria Loretto (Burgenland) wird im Bundesdenkmalamt restauriert!

Wien (OTS/bda.gv.at) - Eine kuriose, sensationelle Entdeckung wurde bei der Restaurierung der Gnadenkapelle im ehemaligen Servitenkloster Loretto im Burgenland gemacht: Im Sockel der Altarmensa fand sich eine bisher unbekannte frühbarocke Steinskulptur einer Madonna mit Kind, die offensichtlich nach einer Zerstörung während des Zweiten Türkenfeldzuges 1683 dort rituell bestattet wurde.

Kirche und Kloster wurden von kalvinischen Kuruzzen, die die Hauptstreitmacht von Kara Mustafa mit rund 2000 Mann begleiteten, überfallen. In der Krypta wurden die Särge aufgebrochen und beraubt; in der Kirche zertrümmerte man Altäre, Bilder und Bänke und steckte sie in Brand. Junge kalvinische Adelige sollen die steinerne Statue der Gnadenmutter, die sich auf einer hohen Säule auf dem Platz vor der Kirche befand, herab gehoben haben. Sie klagten sie in einem Tribunal an und verurteilten sie an der Verfolgung der ungarischen Kalviner schuldig zu sein. Die Gottesmutter wurde zum Tod verurteilt und soll, so die Aufzeichnungen, anschließend im Kreis der johlenden Kuruzzen geköpft worden sein. Den Hintergrund dieses grotesken Tribunals bildeten das brennende Kloster und die in Rauch und Flammen gehüllten Kirchtürme von Loretto.

Der ungewöhnliche Fund wird derzeit im Bundesdenkmalamt, Abteilung für Konservierung und Restaurierung eingehend untersucht. Den Schriftquellen zufolge ist die Skulptur um 1660/70 entstanden und hat sich ursprünglich auf einer Säule vor der Kirche befunden. Tatsächlich fand sich in der Altarmensa neben dem Rumpf der Madonnenstatue auch der abgetrennte Kopf.

Nach der Restaurierung soll die Skulptur wieder im Altar bestattet werden und durch ein Gitterfenster an der Rückseite des Altartisches sichtbar bleiben.

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