Bittere Bilanz: Anzahl der Versuchstiere nimmt zu. Gesetzesauftrag zur Reduzierung von Tierversuchen wird völlig ignoriert.

Wien (OTS) - Die Anzahl der Versuchstiere ist in Österreich abermals gestiegen. Dies ist der jüngst erschienenen Tierversuchsstatistik zu entnehmen. Demnach wurden im Jahre 2016 an 236.459 Tieren Experimente und Tests durchgeführt, die für die Tiere mit Schmerzen, Leiden, Ängsten oder dauerhaften Schäden verbunden waren und für die meisten Tiere schließlich tödlich endeten.

Dieses Ergebnis stellt gegenüber dem Jahr 2015 eine Erhöhung um 9.142 Tiere bzw. 4 % dar. Schon zuvor war eine 8,7 %ige Steigerung zu beklagen.

Trotz eindeutiger Intention des Gesetzgebers, Tierversuche zu reduzieren, steigt in Österreich seit 17 Jahren die Anzahl der Versuchstiere: „Es ist ganz offensichtlich, dass der von der Politik, Wissenschaft und Forschung vor Jahrzehnten eingeschlagene Weg der 3 Rs (replace, reduce, refine) eine totale Sackgasse ist. Bei dem 1959 von den Wissenschaftlern Russell und Burch vorgestellten Konzept steht „replace“ für den Ersatz von Tierversuchen, „reduce“ für die Verminderung der Anzahl der Versuchstiere und „refine“ für die Verminderung der Belastung der Versuchstiere. Das Reduce- und das Refine-Prinzip kann gar nicht effizient wirksam werden, weil es lediglich auf die ethische Selbstverantwortung der tierexperimentell tätigen Wissenschaftler setzt, die gewiss nicht jenen Ast absägen werden, auf dem sie selbst sitzen – wie die stetig steigenden Versuchstierzahlen beweisen“, erläutert Gerda Matias, Präsidentin des „Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner“ (IBT) den ungebremsten Anstieg der Tierversuche.

Zu ihrer Einschätzung passt auch der Befund, dass die meisten Versuchstiere, nämlich 43,8 %, in der tiergestützten Grundlagenforschung eingesetzt wurden, wo es um reines Erkenntnisinteresse ohne jede Praxisrelevanz geht.
Für die translationale und angewandte Forschung, wo es um gezieltere Grundlagenforschung, nützliche Ergebnisse und praktische Anwendungen geht, wurden 31,4 % der Tiere verwendet.
Zu regulatorischen Zwecken wie die Zulassung von Arzneimitteln wurden 15,3 % Tiere eingesetzt. Dabei mussten 13.157 Kaninchen noch immer unnötig leiden und sterben, obwohl es für den Pyrogentest (Prüfung von injizierbaren Arzneimitteln auf fieberauslösende Stoffe), dem sie unterzogen wurden, eine vollwertige Ersatzmethode gibt, die von der EU validiert und schon 2010 ins Europäische Arzneibuch aufgenommen wurde.

„Diese Vorgangsweise ist zugleich ein Beispiel dafür, dass selbst das Replace-Prinzip auf wackeligen Beinen steht und unwirksam bleibt, solange etwa der ersetzte Tierversuch nicht ausdrücklich gesetzlich verboten wird“, so Gerda Matias weiter.

Die TierversuchsgegnerInnen wollen raus aus der Sackgasse des immer mehr Tiere verschlingenden Tierversuchssystems und fordern die Hinwendung zu einer zukunftsorientierten, innovationsfreudigen, ethisch vertretbaren Wissenschaft und Forschung, die nicht auf millionenfachem Tierleid fußt. Zu diesem Zwecke haben sie eine parlamentarische Bürgerinitiative gestartet, die über die Website www.tierversuchsgegner.at abrufbar ist und von wahlberechtigten österreichischen StaatsbürgerInnen unterstützt werden kann.

Eine detaillierte Analyse der Tierversuchsstatistik 2016 befindet sich unter „Tierversuche-Statistik-Österreich“ auf der Website www.tierversuchsgegner.at.

Rückfragen & Kontakt:

Gerda Matias, Präsidentin des IBT,
Mobil: 0676/600 30 47, www.tierversuchsgegner.at

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