Die Kammer der ZiviltechnikerInnen protestiert gegen den verantwortungslosen Umgang mit Kulturgut im Fall des Künstlerhauses

Wien (OTS) - Mit größter Besorgnis aber auch mit Verwunderung beobachtet die Kammer der ZiviltechnikerInnen die Vorgänge um den Umbau des Wiener Künstlerhauses, wie sie auch in der Pressekonferenz ehemaliger Vorstandsmitglieder des Künstlerhauses aufgezeigt wurden. Eine substantielle Veränderung des als ältestes und renommiertestes Ausstellungshaus im deutschsprachigen Raum geltenden Gebäudes - inklusive der Zerstörung denkmalgeschützter Teile ohne vorherige Information geschweige denn Diskussion in der Öffentlichkeit - hielten wir bislang für undenkbar. Umso mehr, wenn dabei bedeutende Summen an Steuergeld aufgewendet werden.

Die Zuführung privater Mittel zur Erhaltung des Wiener Künstlerhauses kann sinnvoll sein, dessen Überlassung zur Zerstörung unwiederbringlicher Kulturwerte ist dagegen vehement abzulehnen. Das Engagement Privater an öffentlich relevanten Bauten entlässt die politischen VertreterInnen dieser Öffentlichkeit keineswegs aus der Verantwortung. Sie haben jedenfalls sicherzustellen, dass bei allen Maßnahmen das öffentliche Interesse gewahrt bleibt, ansonsten der Vorwurf, dieses zu verkaufen, zu Recht besteht.

Die Kammer der ZiviltechnikerInnen fordert in Fällen von Privatisierungen wertvoller Kulturbauten bei deren Veränderung eine Verpflichtung zu ausreichender Qualitätssicherung. Am besten durch offene, anonyme Wettbewerbe, wobei eine unabhängige Jury die bestmögliche Lösung sicherstellt. Eine ausschließliche Überantwortung der Umplanung in den Bereich des wirtschaftlich agierenden Privaten ohne Sicherstellung der Wahrung öffentlicher Interessen ist keinesfalls ausreichend.

Soweit die Kammer der ZiviltechnikerInnen bislang in Erfahrung bringen konnte, handelt es sich im vorliegenden Fall nicht um eine Sanierung, sondern um weitgehende Umbauarbeiten, bei denen überdies bereits wesentliche Änderungen der Substanz inklusive der Zerstörung wertvoller Bauteile erfolgten. Diese war durch die Unterschutzstellung des Denkmalamts im Jahr 2008 eigentlich ausgeschlossen. Dass dies abseits jeder öffentlichen Debatte und ohne entsprechende, unabhängige Qualitätssicherung erfolgte, stellt einen gravierenden Angriff auf die Baukultur in Wien dar.

DI Peter Bauer, Präsident
Architekt DI Christoph Mayrhofer, Vorsitzender Sektion Architekten

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