Mahrer bei WKÖ-Wirtschaftsparlament: Österreich muss neue Wege gehen, um Chancen der Digitalisierung zu nutzen

Key Note des Wirtschaftsministers: enormer Veränderung durch Digitalisierung nicht mit Vogel-Strauß-Politik begegnen - auf Forschung, Innovation und Kooperation setzen

Wien (OTS) - Die „dramatischen Veränderungen durch Digitalisierung und Wissensgesellschaft“ standen im Fokus der Key Note von Wirtschaftsminister Harald Mahrer beim Wirtschaftsparlament der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) heute, Donnerstag, in Wien. „Wir erleben mit der Digitalisierung und Wissensgesellschaft die vierte industrielle Revolution. Die gemeinsame Aufgabe von Politik und Wirtschaft ist es, diese weitreichende Veränderung nicht nur im eigenen Bereich zu leben, Mitarbeitern und Kunden zu vermitteln, sondern neue Wege zuzulassen. Was wir in der Digitalisierung bis jetzt gesehen haben, war gerade einmal die Spitze des Eisberges. Von 2015-2025 wird sich zeigen, wie enorm groß dieser Eisberg tatsächlich ist.“

 Angesichts der Tragweite der Veränderung könne man sich zu Tode fürchten und eine Vogel-Strauß-Strategie verfolgen“, so Mahrer. Klar sei aber: „Das Ding ist gekommen um zu bleiben. Das heißt, wir werden die Chancen entdecken und nutzen müssen. So, wie wir es in Österreich seit 150 Jahren als kleine und exportorientierte Wirtschaft immer getan haben.“

 Österreich sei mitunter wie ein Tanker, der schwer zu bewegen ist und wo viele in das Steuerrad hineingreifen wollen. „Jetzt ist es notwendig, dieses Schiff neu auf Kurs zu bringen. Dazu brauchen wir kleine Schubboote, die das Schiff in einer schwierigen Hafeneinfahrt in die richtige Richtung bringen. Egal, wer die nächste Regierung stellt: Sie muss möglichst viele dieser Schubboote auf die Reise schicken, die uns nach vorne bringen und nicht nach hinten oder nach unten.“

 Notwendig sei insbesondere eine noch viel stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema Innovation. „Was macht unsere Wettbewerbsfähigkeit aus? Ja, Lohnstückkosten und Produktivität sind wichtig. Aber den entscheidenden Unterschied im internationalen Wettbewerb machen für Österreich die Kreativität und Innovationskraft unserer Menschen und Unternehmer aus. Dieses Potenzial müssen wir noch viel mehr wachküssen - durch Forschung, Entwicklung, Bildung und viel mehr Kooperation.“ Die Regierung habe hier wichtige Vorarbeit geleistet und – als erstes Land in Europa überhaupt – eine „Open Innovation“-Strategie beschlossen. Im Zentrum dabei: neue Formen der Kooperation und Vernetzung, ein besseres voneinander lernen und die Möglichkeit für KMU und Kleinbetriebe, möglichst einfach an Startups und Gründerzentren heranzukommen.

 Um die Chancen der Digitalisierung nutzen zu können, gehe es zweitens um die Aufrüstung der digitalen Infrastruktur. „Die Dynamik im Infrastrukturbereich ist so hoch, dass wir noch viel mehr tun müssen“, fordert der Wirtschaftsminister. Aufgabe der öffentlichen Hand sei es, die richtigen Anreize bereitzustellen – steuerlich wie regulatorisch. Die deutsche Regierung etwa werde in den kommenden drei Jahren 100 Milliarden Euro in den Netzausbau investieren. Um da mithalten zu können, müsste Österreich nach dem Faktor 1:10 rund 10 Milliarden Euro bereitstellen.

 Die dritte Herausforderung ist das Thema Finanzierung: Unter dem Eindruck der Finanzkrise sei das Pendel in den letzten Jahren in eine Richtung ausgeschlagen, die die Finanzierung von KMU „nicht leichter gemacht hat“. Das sei mittlerweile auf europäischer Ebene ein Thema. „Das wird eine unserer größten gemeinsamen Aufgaben für die nächsten Jahre.“ Vor allem für die vielen, vielen kleinen und kleinsten Unternehmen sei es enorm schwierig, für innovative Projekte eine Finanzierung zu bekommen. „Die Betriebe können ihre Aufgaben noch so gut machen, wenn der Sprit für den Motor fehlt, ist das eine Frage der Existenz für unsere Wirtschaft.“

 Last not least mahnte der Wirtschaftsminister eine „viel stärker evidenz- und faktenbasierte Politik und weniger Emotion“ ein. „Wir haben ein gigantisches Potenzial, aber wir brauchen neue Wege und viel mehr Anstrengungen in der Bildung und Forschung, bei Innovation und digitaler Infrastruktur - wir müssen uns jeden Tag neu erfinden. Österreich wird den internationalen Wettbewerb nicht mit Durchschnitt gewinnen können, sondern nur mit Exzellenz!“, so Mahrer abschließend. (PWK546/SR)

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