Der falsche Fisch

Die Reste der Pfahlbau-Siedlungen im Keutschacher See (Kärnten)sind etwa 6000 Jahre alt. Zander wurden in den 1920er Jahren im See ausgesetzt. Die beiden vertragen sich nicht.

Wien (OTS/bda.gv.at) - Unter Wasser können sich Materialien über lange Zeit erhalten, die an Land sehr schnell verrotten – Holz, Bast, Textilien, sogar Nahrung. Die Niederlassung im Keutschacher See ist eine, die älteste, der Stätten des UNESCO Weltkulturerbes Pfahlbauten, weil sie uns so viel über das Leben der Menschen vor 6000 Jahren verrät. Sie liegt auf einer Untiefe, die einst bei niedrigerem Wasserstand eine Insel gewesen sein dürfte.

Zander bevorzugen Untiefen für ihre Laichgruben, in die sie 150.000 bis zu 200.000 Eier pro Kilo Fisch legen können, nachdem sie den Boden während der Paarung bereits mit heftigen Flossenschlägen aufgewirbelt haben. Natürliche Verhaltensweisen - mit verhängnisvoller Wirkung auf die Spuren im See.

Und die Zander ziehen Angler an. Deren reißfeste Nylon-Angelschnüre, Angelhaken und Anker richten weitere Verheerungen unter den nach tausenden Jahren im Wasser sehr empfindlichen Pfostenresten auf dem Grund des Sees an. Ein Angelverbot im Bereich der Welterbestätte wird offenbar kaum beachtet.

Das Kuratorium Pfahlbauten reagiert einerseits mit der Markierung der Untiefe durch eine Bojen-Kette, die Boote vom Denkmal fernhalten soll. Andererseits wurde ein Programm entwickelt, um das Gespräch zwischen an Denkmalschutz und eher an Fischfang interessierten Menschen in Gang zu bringen, zum Beispiel bei einem für Herbst geplanten Workshop zur Fischzubereitung in prähistorischer Zeit.

Das Bundesdenkmalamt als zuständige Stelle für den Schutz archäologischer Stätten begleitet die sichernden Maßnahmen und – in einer Diskussionsrunde mit ExpertInnen – den Kommunikationsprozess.

All das beeindruckt natürlich die Zander nicht. Die Lösung dieses Problems wird wohl darin bestehen, sie über die Jahre durch hoffentlich ebenso schmackhafte, aber weniger stürmische Fischarten zu ersetzen.

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