Golden Age Index von PwC: Verlängerung des Erwerbslebens könnte das BIP in den OECD-Staaten um rund 1,8 Billionen Euro steigern

Wien (OTS) -

Golden Age Index erfasst, wie gut die einzelnen Länder die Wirtschaftsleistung älterer Arbeitnehmer nutzen:

  • Österreich konnte sich seit 2003 um 6 Plätze verbessern und liegt auf Rang 24 der 34 OECD-Länder
  • Island führt die Rangliste an, gefolgt von Neuseeland, Schweden und Israel
  • Israel, Deutschland und Neuseeland sind seit 2003 in den Rankings am weitesten aufgestiegen, Mexiko, die Türkei und Griechenland sind um jeweils 12 Plätze gefallen

Die OECD-Staaten könnten ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) langfristig um etwa 1,8 Billionen Euro steigern, wenn die Beschäftigungsquote bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern über 55 Jahre so hoch wäre wie beim EU-Spitzenreiter Schweden. Das ist das Ergebnis des Golden Age Index von PwC: Der Index ist ein gewichteter Durchschnitt von Indikatoren, z. B. Beschäftigung, Einkommen und Ausbildung, aus denen der Einfluss der Arbeitnehmer über 55 Jahre auf die Arbeitsmärkte in 34 OECD-Staaten hervorgeht. 

Die mögliche langfristige Steigerung des BIP unterscheidet sich in den einzelnen Ländern erheblich, von etwa 1 % in Korea und 2 % in Japan bis hin zu ca. 14 % in Italien. In Österreich wäre eine Steigerung von rund 11 % bzw. 44 Mrd. Euro möglich. Angesichts ihrer Größe haben die USA, was die absoluten Zuwächse angeht mit etwa 0,5 Billionen US-Dollar (ca. 3 % des BIP) das größte Wachstumspotenzial.

Bianca Flaschner, ‎Leader Human Resource Management, People and Organisation bei PwC Österreich: „Zwischen 2015 und 2035 wird die Anzahl der Menschen ab 55 Jahren in den (OECD ) Hochlohnländern um fast 50 % auf etwa 538 Millionen ansteigen. Es ist großartig, dass wir heute länger leben, aber die rasante Alterung der Bevölkerung übt erheblichen Druck auf die Gesundheits- und Pensionssysteme aus. Unserer Ansicht nach sollten ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ermutigt und in die Lage versetzt werden, länger im Beruf zu bleiben, um diesem Kostenanstieg entgegenzuwirken. Das würde eine Steigerung des BIP, der Kaufkraft und der Steuereinnahmen bewirken. Davon abgesehen, dass aufgrund der zunehmenden Alterung in der Bevölkerung auf diese Arbeitskräfte immer weniger verzichtet werden kann.“  

Die wichtigsten Ergebnisse des Golden Age Index von PwC:

  • Österreich liegt auf Platz 24, nach Platz 30 im Jahr 2003 und Platz 23 im Jahr 2013.
  • Die skandinavischen Länder führen den Index erneut an, wobei Island ganz oben auf der Liste steht: Schweden belegt den dritten und Norwegen den sechsten Platz. Dänemark (Platz 12) und Finnland (Platz 14) haben es ebenfalls in die obere Hälfte des OECD-Rankings geschafft.
  • Israel, im Vorjahr noch unter den Top 3, ist um einen Platz gefallen und nun auf Rang 4.
  • Deutschland verbesserte sich um zwei Plätze und belegt nun den 15. Platz.

In Österreich sind rund 10 Prozent der 65- bis 69-Jährigen beschäftigt, zwischen 55 und 64 Jahren ist es rund die Hälfte – davon jedoch ein Vierteil in Teilzeitjobs. Bianca Flaschner: „Die Lebenserfahrung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die Fähigkeiten, die sie sich im Laufe ihres Berufslebens angeeignet haben, machen sie zu einem außerordentlich wertvollen Teil der modernen Arbeitnehmerschaft. Darauf aufbauend sollten  Arbeitgeber älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten, beispielsweise Reverse-Mentoring-Programme für digitale Fertigkeiten und Ausbildungsgänge und sie gekonnt im Arbeitsalltag einsetzen. Eine Beschäftigung als Vollzeitkraft muss auch mit über  55+ für Arbeitgeber und Arbeitnehmer attraktiv und salonfähig sein.“ 

Für die Regierungen aller OECD-Staaten sollten folgende Aufgaben Priorität haben:

  • Reform der Pensionssysteme und Schaffung finanzieller Anreize für einen späteren Pensionseintritt
  • Förderung der Ausbildung/Umschulung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, insbesondere angesichts technischer Veränderungen wie der stärkeren Automatisierung
  • Einführung von Maßnahmen zur Bekämpfung von Altersdiskriminierung in allen Beschäftigungsbereichen  

„Die eindeutige positive Korrelation zwischen den Bewertungen der einzelnen Länder in unseren Young-Workers- und Golden-Age-Indizes deutet darauf hin, dass jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht durch Ältere verdrängt werden. Außerdem zeigen unsere Untersuchungen, dass die flexiblen Beschäftigungsrichtlinien in den Ländern, die den Golden Age Index anführen, auch Frauen einen Anreiz bieten sollten, länger zu arbeiten. Geeignete Richtlinien, aber auch das notwendige Verständnis können also nicht nur die Beschäftigungsquote der über 55-Jährigen steigern, sondern auch dazu beitragen, den mit steigendem Alter immer größeren Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen auszugleichen“, analysiert Bianca Flaschner. 

Über die Studie:

Der PwC Golden Age Index kombiniert die nationalen Leistungen bei den folgenden Arbeitsmarktindikatoren (mit ihrer jeweiligen relativen Gewichtung in Klammern): Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen (40 % Gewichtung), Beschäftigungsquote der 65- bis 69-Jährigen (20 %), geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Beschäftigung der 55- bis 64-Jährigen: Frauen-/Männeranteil (10 %), Teilzeitarbeit bei den 55- bis 64-Jährigen (10 %), Vergütung bei Vollzeitbeschäftigung der 55- bis 64-Jährigen in Relation zu den 25- bis 54-Jährigen (10 %), durchschnittliches effektives Alter beim Ausscheiden aus dem Erwerbsleben (5 %) und Beteiligungsquoten an Schulungen: Verhältnis der 55- bis 64-Jährigen zu den 25- bis 54-Jährigen (5 %). 

Diese Indikatoren werden normalisiert, gewichtet und aggregiert, um die Indexbewertungen der einzelnen Länder zu ermitteln. Die Indexbewertungen liegen auf einer Skala von 0 bis 100, wobei der durchschnittliche OECD-Wert im Basisjahr 2003 auf 50 festgesetzt wurde. Die durchschnittlichen Indexwerte für die Jahre 2007, 2014 und 2015 können jedoch über oder unter dem Basiswert von 2003 liegen. Alle Daten wurden von der OECD zur Verfügung gestellt. Wegen der Datenlage konzentrieren wir uns vor allem auf die Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen. Allerdings berücksichtigen wir auch die Gesamtbeschäftigungsquote der 65- bis 69-Jährigen im Index und beziehen bei der Berechnung der möglichen BIP-Steigerungen durch höhere Beschäftigungsquoten bei älteren Arbeitnehmern alle Arbeitnehmer über 55 Jahre ein. Die aktuellsten verfügbaren Daten für das gesamte Länderspektrum stammen aus dem Jahr 2015.  

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