„kreuz und quer“ am 20. Juni: „Der Entscheider“ und „Dänischer Alptraum – Flüchtlinge in der Warteschleife“

Zum Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen ab 22.35 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Womit ist ein Beamter konfrontiert, der über das Schicksal von Menschen entscheiden muss? Nach welchen Kriterien gewährt er dem einen Asyl und entscheidet über die Abschiebung des anderen? Zum Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen zeigt „kreuz und quer“ – präsentiert von Christoph Riedl-Daser – am Dienstag, dem 20. Juni 2017, um 22.35 Uhr in ORF 2 die Dokumentation „Der Entscheider“ von Zoran Dobrić, die den 27-jährigen Afghanen Noorullah Qureshi durch sein Asylverfahren begleitet – aus der Perspektive des 33-jährigen Entscheiders, Florian Tschabuschnig, der als Angestellter des österreichischen Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl über den Verbleib des afghanischen Asylwerbers in Österreich entscheiden wird. Ein Film über die Arbeit, über den gesellschaftlichen und persönlichen Druck eines „Entscheiders“.

Michael Graversens Film „Dänischer Alptraum – Flüchtlinge in der Warteschleife“ erzählt um 23.15 Uhr die Geschichte von Wasiullah, der im Alter von 15 Jahren in Dänemark ankommt – nach einer traumatischen Flucht aus Afghanistan, die ihn durch halb Europa geführt hat. Der Film zeigt einen jungen Menschen, der auf der Suche nach einer neuen Heimat ist und doch nie ankommen darf in dem Land, das er sich als Heimat wünscht. Denn sein Asylantrag wird wiederholt abgelehnt.

„Der Entscheider“ – Ein Film von Zoran Dobrić

Zehntausende Flüchtlinge warten derzeit in Österreich auf einen Asylbescheid. Ob dieser positiv oder negativ ausfällt, hängt vor allem von den Fluchtgründen des Asylwerbers ab. Doch entscheidend ist, wie glaubwürdig der Asylwerber seine Fluchtgeschichte dem Beamten des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl (dem sogenannten „Entscheider“) während der Einvernahme im Hauptinterview präsentiert. Noch vor Kurzem erlaubten Beamte der Asylbehörde den Asylwerbern prinzipiell nur kurze Antworten auf ihre Fragen. Das war oft ein Grund, warum etwa die Hälfte aller Asylverfahren mit negativem Ausgang vom Bundesverwaltungsgericht dann wieder zurück an die Asylbehörde geschickt wurden: „Es gab dadurch schlicht und ergreifend viel zu wenig Informationen, um pro oder kontra urteilen zu können“, sagt Katrin Hulla, Juristin bei der Asylberatung der Caritas. Seit in den vergangenen zwei Jahren viele neue „Entscheider“ angestellt wurden, gibt es auch eine neue Befragungsart der Asylwerber: Das Hauptinterview soll von Beginn an ein offenes und persönliches Gespräch werden, heißt es.

„Für mich ist die Art und Weise entscheidend, wie erzählt wird. Wenn einfach monoton runtergeredet wird, dann werde ich ehrlich gesagt sehr skeptisch. Wenn ich jetzt zehn Minuten lang ohne Probleme erzähle, wie ich festgehalten wurde und gefoltert wurde, dann denk ich mir ok, das ist komisch. Die Emotionen sollten da sein. Was mir persönlich auch wichtig ist, sind kleinere Details, die man sich nicht einfach so ausdenken kann, die glaubwürdig klingen“, sagt Florian Tschabuschnig, der seit 2016 beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl als Entscheider arbeitet.

Sowohl der Asylwerber als auch der „Entscheider“ stehen unter enormem emotionalen Druck. Doch bevor das Hauptinterview stattfindet, muss der „Entscheider“ alle bis dahin bekanntgegebenen Daten des Asylwerbers prüfen. Dafür stehen ihm sämtliche Abteilungen des BFA im Land sowie Mitarbeiter der österreichischen Konsulate und Asylbehörden der meisten EU-Länder zur Verfügung.

Der 27-jährige Afghanen Noorullah Qureshi wartet seit November 2015 auf sein Asylverfahren in Österreich. In Afghanistan war er als Dolmetscher bei der US-Army beschäftigt, bis ihn die Taliban auf offener Straße angriffen. „Sie attackierten mich mit einem Bajonett, sie trafen mich jedoch nicht. Beim zweiten Mal erwischten sie mich. Das Bajonett drang tief in meinen Körper hinein. Ich hielt die verletzte Stelle mit der Hand fest und fiel zu Boden“, schildert Noorullah Qureshi, warum er sein Heimatsland verlassen musste. „kreuz und quer“ begleitet Noorullah Qureshi durch sein Asylverfahren aus der Perspektive des 33-jährigen Entscheiders, Florian Tschabuschnig, der als Angestellter des österreichischen Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl über den Verbleib des afghanischen Asylwerbers in Österreich entscheiden wird. Es ist ein Blick hinter die „Kulissen“ des österreichischen Asylwesens – wie Behörden und deren Angestellte über das Schicksal von Flüchtlingen entscheiden.

„Dänischer Alptraum – Flüchtlinge in der Warteschleife“ – Ein Film von Michael Graversen

Mit 15 Jahren kommt Wasiullah in Dänemark an – nach einer traumatischen Flucht aus Afghanistan, die ihn durch halb Europa geführt hat. In Dänemark findet Wasiullah Menschen, die ihm helfen. Und Freunde, mit denen er auch viele unbeschwerte Momente teilen kann. Doch das Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ist nur eine Zwischenstation. Sein Asylantrag wird wiederholt abgelehnt.

Wasiullah flüchtet nach Italien, um der drohenden Abschiebung nach Afghanistan zu entgehen. Dort hofft er auf einen positiven Asylbescheid, der ihm vielleicht auch die Rückkehr nach Dänemark ermöglichen wird. Der Film begleitet den Teenager über einen Zeitraum von fast vier Jahren und folgt ihm auch nach Italien, wo Wasiullah zunächst auf der Straße leben muss. In all dem Elend verliert der junge Mann schließlich fast die Hoffnung – die Jahre in der „Warteschleife“ hinterlassen deutliche Spuren.

Die Sendungen sind auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

Das gesamte TV-Angebot des ORF – ORF eins, ORF 2, ORF III, ORF SPORT + sowie 3sat – ist auch im HD-Standard zu empfangen. Alle Informationen zum ORF-HD-Empfang und zur Einstellung der neuen HD-Angebote finden sich auf der Website hd.ORF.at, die ORF-Service-Hotline 0800 / 090 010 gibt kostenfrei aus ganz Österreich persönliche Hilfestellung.

Rückfragen & Kontakt:

http://presse.ORF.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRF0002