„Werden nicht müde, die forcierte Umsetzung der FTI-Strategie einzumahnen!“

Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE) drängt erneut auf höhere Dynamik bei der Umsetzung der Forschungsstrategie der Bundesregierung

Wien (OTS) - „Das Jahr 2020 rückt schnell näher, doch bis dahin werden wir nicht müde werden, die Umsetzung der FTI-Strategie und die Erhöhung der Innovationsdynamik einzumahnen“, so der Vorsitzende des Rates für Forschung und Technologieentwicklung, Dr. Hannes Androsch, anlässlich der heutigen Präsentation des jährlichen Berichts zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs.

Insgesamt zeigt sich zwar, dass die Anstrengungen Österreichs, zu den führenden Innovationsländern aufzuschließen, in einigen Bereichen durchaus eine positive Dynamik ausgelöst haben. Dieser Befund wird jedoch getrübt durch den Umstand, dass gleichzeitig in anderen Bereichen ein teilweise recht deutlicher Rückfall zu verzeichnen ist. Österreich ist damit noch nicht am von der Bundesregierung definierten Ziel angelangt, in die Gruppe der Innovation Leaders vorzustoßen. Daher verdienen Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation noch größeres Augenmerk, weshalb der Forschungsrat in seiner letzten Sitzung auch "7 Fragen" an die wahlwerbenden Parteien formuliert hat.

Ratsmitglied Univ.-Prof.in Dr.in Helga Nowotny unterstreicht diesen Befund und appelliert an die politisch Verantwortlichen, diese Zukunftsfelder tatsächlich zu politischen Prioritäten zu machen: „Vor allem der kompetitiven Grundlagenforschung als Basis künftiger Innovationen ist hierbei besonderes Augenmerk zu widmen, denn ihr Anteil ist im Vergleich zu jenem in den Ländern der Innovation Leader Gruppe immer noch viel zu gering.“

Zentrale Ergebnisse in Kürze:

  • Überdurchschnittliche ökonomische Leistungsfähigkeit, hohes BIP pro Kopf, niedrige Arbeitslosigkeit

Im Vergleich zu den Innovation Leaders Dänemark, Deutschland, Finnland, Schweden und Niederlande ist Österreichs ökonomische Leistungsfähigkeit sehr hoch: Sowohl in Bezug auf das Wachstum des realen BIP als auch in Hinblick auf die Entwicklung des BIP pro-Kopf liegt Österreich stabil unter den best-performers weltweit. Auch in Bezug auf die Arbeitslosenrate zählt Österreich traditionell zu jenen Industrieländern, die eine relativ niedrige Arbeitslosenrate aufweisen, wenngleich sie zuletzt stark angestiegen und für österreichische Verhältnisse ungewöhnlich hoch ist.

  • Rückläufige Tendenzen im gesellschaftlichen Bereich trotz hoher Lebensqualität und Lebenserwartung

Die Indikatoren zur Erfassung der Bereiche Lebensqualität, Gesundheit und Lebenserwartung weisen in Relation zum Durchschnitt der Innovation Leaders eine stark rückläufige Tendenz auf. Absolut gesehen zählt die Lebenserwartung in Österreich zwar zur höchsten der Welt, im Vergleich zu den Innovation Leaders bewegt sich jedoch vor allem der Anteil der in Gesundheit verbrachten Lebensjahre an der totalen Lebenserwartung seit Jahren nur im mittleren Bereich. Auch in Bezug auf die Lebensqualität rangiert Österreich deutlich hinter den führenden Ländern. Schweden, Dänemark, Finnland und die Niederlande weisen in Relation zu Österreich besonders in den Kategorien Bildung, Gesundheit, Lebenszufriedenheit und Work-Life-Balance markant höhere Werte auf.

  • Performance im Umweltbereich teilweise stark unterdurchschnittlich

Im Bereich der Umweltindikatoren hat sich die österreichische Position in Relation zu den Innovation Leaders seit 2010 kaum verändert. Im Bereich der Energieintensität liegt Österreich zwar vor den führenden Ländern, bei der Ressourcenproduktivität und den Treibhausgasemissionen jedoch mit einigem Abstand dahinter. In Summe führt die im Vergleich zu den führenden Innovationsnationen bescheidene Performance im Bereich des Klima- und Umweltschutzes dazu, dass Österreich in diversen internationalen Rankings eher schlecht abschneidet. Neben offenbar wenig förderlichen bereichsspezifischen Regulierungen in Österreich ist diesbezüglich der relativ geringe Anteil energie- und umweltrelevanter F&E-Budgets am gesamten öffentlichen F&E-Budget kritisch zu bewerten.

  • Innovationsperformance solide, aber für die Erreichung des Ziels Innovation Leader unzureichend

Die österreichische Innovationsperformance hat sich seit 2010 in Relation zu den Innovation Leaders in Summe nicht verbessert. Offenbar ist es nicht gelungen, die vergleichsweise günstige Ausgangsposition im Jahr 2010, auf die die FTI-Strategie verweist, erfolgreich zu nutzen. Das Hauptproblem dabei ist eindeutig die verlorengegangene Entwicklungsdynamik, die dazu führt, dass Österreich nicht in der Lage ist, verlorenes Terrain in ausreichendem Maße wieder gutmachen zu können. Die mithilfe der Wirkungsanalyse nachgezeichneten Effekte des Innovationssystems lassen sich dahingehend beurteilen, dass Österreich zwar besser dasteht als im European Innovation Scoreboard (EIS) gemessen, aber nach wie vor ein signifikanter Leistungsrückstand gegenüber den führenden Innovationsnationen besteht. Die Entwicklungsdynamik lässt zudem nicht darauf schließen, dass die österreichische Performance ausreicht, um die Distanz zu den führenden Ländern zu schließen. Das Ziel der FTI-Strategie, bis 2020 in die Gruppe der Innovation Leaders vorzustoßen, ist daher aus derzeitiger Sicht nicht erreichbar.

Empfehlung des Rates betreffend prioritäre Handlungsfelder:

Wie schon in den vergangenen Jahren ist der Rat aufgrund der Analyseergebnisse verstärkt der Ansicht, dass es speziell in folgenden Bereichen verstärkter Anstrengungen bedarf, um die Leistungsfähigkeit des österreichischen Innovationssystems insgesamt zu erhöhen:

• eine Intensivierung der Reformen im Bildungssystem,

• eine Erhöhung der Mittel für die kompetitive Finanzierung der Grundlagenforschung,

• die weitere Optimierung der rechtlichen und finanziellen Rahmen-bedingungen für Unternehmensgründungen und -wachstum,

• und die Forcierung der Maßnahmen zur Erhöhung des privaten Anteils der F&E-Finanzierung, und schließlich

• eine Verbesserung der Governance-Strukturen zur Umsetzung der FTI-Strategie. 

Hintergrund:

Im März 2011 wurde vom Ministerrat die „Strategie für Forschung, Technologie und Innovation“ (FTI-Strategie) der Bundesregierung verabschiedet und der Rat für Forschung und Technologieentwicklung mit dem Umsetzungsmonitoring beauftragt. Seit 2012 legt der Rat daher seinen „Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit“ vor. Inhaltlicher Schwerpunkt des Berichts ist die Frage, ob die Ziele der FTI-Strategie, die auch im aktuellen Regierungsprogramm als wesentlicher Orientierungsrahmen für die FTI-Politik der Bundesregierung angeführt wird, erreicht werden können.

Sieben Fragen an die wahlwerbenden Parteien

Anlässlich der Präsentation seines Berichts zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs 2017 adressiert der Rat für Forschung und Technologieentwicklung die folgenden sieben Fragen an die wahlwerbenden Parteien: 

  1. Wie wollen Sie es schaffen, das österreichische Bildungssystem zu modernisieren, um damit einerseits die frühe soziale Selektion zu überwinden und andererseits die Bildungsqualität zu erhöhen?
  2. Welche Schritte wollen Sie setzen, um die angekündigte Studienplatzfinanzierung auf Basis eines kapazitätsorientierten Studienplatzmanagements und ausreichender budgetärer Mittel zur Verbesserung der Studienbedingungen umzusetzen?
  3. Wie stehen Sie zu der Empfehlung des Rates, für die Leistungsvereinbarungsperiode 2019-2021 die Grundfinanzierung für Universitäten zur Verbesserung der Lehr- und Forschungsbedingungen um mindestens 1,4 Mrd. Euro zu erhöhen?
  4. Wie können Sie sicherstellen, dass die kompetitiv vergebenen Mittel zur Förderung der Grundlagenforschung auf das Niveau der führenden Länder angehoben werden?
  5. Welche Maßnahmenpakete haben Sie angedacht, um die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen in Österreich weiter zu verbessern?
  6. Welche Möglichkeiten sehen Sie für die Erreichung der beiden Quotenziele – 2 Prozent für den tertiären Bereich bzw. 3,76 Prozent F&E-Quote bis 2020 – und wie wollen Sie deren Erreichung konkretisieren?
  7. Welche Maßnahmen zur dringend erforderlichen Optimierung der Input-Output-Relation und zur Steigerung der Innovationseffizienz in Österreich werden Sie setzen?

Rückfragen & Kontakt:

DI Dr. Ludovit Garzik
Geschäftsführer des Rates für Forschung und Technologieentwicklung
Tel.Nr.: 01 7131414
E-Mail: l.garzik@rat-fte.at

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