PwC-Umfrage „Insurance Banana Skins 2017“: Versicherungsbranche fürchtet technologischen Wandel

Wien (OTS) - 31. Mai 2017

  • Change Management und Digitalisierung stellen Versicherungsunternehmen weltweit vor große Herausforderungen
  • Österreichische Versicherungen sehen in Cyberkriminalität jedoch weniger Risiko als ihre internationalen Mitbewerber
  • Start-up Konkurrenz: Heimische Versicherer erkennen steigenden Branchendruck durch neue „InsurTechs“

Die Bewältigung des technologischen und strukturellen Wandels bereitet der Versicherungsbranche weltweit derzeit die größten Sorgen. Das zeigt die PwC-Umfrage „Insurance Banana Skins 2017“, für die weltweit Versicherungsfachleute und Branchenbeobachter alle zwei Jahre nach den größten Risiken befragt wurden, die in den nächsten zwei bis drei Jahren auf die Branche zukommen.

Internet der Dinge und künstliche Intelligenz bringen Umschwung in der Versicherungsbranche

„Change Management“ steht weltweit an erster Stelle einer Gruppe operativer Risiken, die rasch an die Spitze des Rankings aufgestiegen sind. Dieses Ergebnis lässt Zweifel an der Fähigkeit der Branche aufkommen, die enorme Agenda zu bewältigen, mit der sie konfrontiert ist – dazu zählen etwa Digitalisierung, neue Konkurrenz, Konsolidierung und Kostensenkung. Vor allem rasch aufkommende neue Technologien wie selbstfahrende Fahrzeuge, das „Internet der Dinge“ und künstliche Intelligenz könnten die Versicherungsmärkte transformieren.

Österreich: Cyberkriminalität wird als geringeres Risiko wahrgenommen

Cyber-Risiken folgen in engem Abstand auf Platz 2, wobei die österreichischen Studienteilnehmer dieses Risiko erst auf Rang 8 sehen. Im Falle eines Angriffs reichen Schäden für Versicherer vom Diebstahl sensibler Kundendaten über den Fremdzugriff auf Datenbanken bis hin zu Schadenersatzansprüchen seitens der Kunden oder Geldstrafen durch Regulierungsbehörden. Zugenommen hat neben der Angst vor Angriffen auf Versicherer auch die Sorge über die Kosten der Versicherung gegen Cyberkriminalität. Häufig genannt wurde auch die Unsicherheit über die Angemessenheit der internen IT-Systeme der Versicherer.

Ein weiterer Trend lässt sich im Bereich des Mitbewerbes erkennen: Neue Konkurrenz aus branchenfremden Feldern bzw. neue Player aus dem Start-up Bereich, insbesondere „InsurTechs“, zählen zu den Top 10-Sorgen der Versicherer.

Politische Entwicklungen sorgen für Misstrauen in nachhaltiges Wachstum

Auch die Sorgen über die wirtschaftlichen Entwicklungen haben sich alles andere als verflüchtigt. Das zeigt die nächste Gruppe der Top-Risiken – Zinsen, Performance der Anlageportfolios und makroökonomische Entwicklung. Die Studienteilnehmer erkennen zwar an, dass es Anzeichen von Wachstum gibt, dennoch besteht kein ausgeprägtes Vertrauen in eine nachhaltige Erholung. Gründe für das Misstrauen sind der Abschwung in China, der drohende Protektionismus unter US-Präsident Donald Trump und der Populismus in Europa. Die Gefahr der politischen Einflussnahme hat aus Sicht der Befragten deutlich zugenommen. Der Austritt Großbritanniens aus der EU wird jedoch nur als minimale Bedrohung für Versicherer gesehen, insbesondere für Unternehmen ohne Präsenz im Vereinigten Königreich.

Das regulatorische Risiko, das in den letzten drei Ausgaben dieser Erhebung an erster Stelle stand, ist dieses Jahr aus den Top 5 gefallen. Das liegt weitgehend daran, dass die jüngsten regulatorischen Änderungen (z.B. Solvabilität II) mittlerweile in die Geschäftsabläufe integriert sind. Die Kosten und die Komplexität der Regulierung geben aber nach wie vor Anlass zur Besorgnis.

Fight for talents: Versicherungsunternehmen sorgen sich um Fachkräfte

Der Bericht zeigt auch: Die Branche sorgt sich immer mehr um ihre Fähigkeit, Fachleute zu rekrutieren und zu binden und die digitalen Herausforderungen zu bewältigen. Dagegen haben Risikofaktoren wie die Governance und das Management von Versicherungsunternehmen an Bedeutung verloren. Sie gehörten während der Finanzkrise zu den Top-Risiken, fielen jedoch seither in der Rangordnung deutlich zurück. Das lässt sich sowohl auf Initiativen der Branche selbst als auch auf regulatorischen Druck zurückführen.

Insgesamt wird das Umfeld für Versicherer aus Sicht der Umfrageteilnehmer immer herausfordernder. Das Ausmaß der Besorgnis in der Branche befindet sich auf einem Rekordhoch, während die Branche heute weniger gut auf diese Risiken vorbereitet ist als 2015.

„Erstmals in den vergangenen sechs Ausgaben dieser Umfrage stellen operative Risiken die größte Bedrohung für Versicherer dar. Der strukturelle und technologische Wandel in der Branche könnte das Ende traditioneller Geschäftsmodelle mit sich bringen. Gleichzeitig kämpfen Versicherer mit einem sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, was auch erklärt, warum die Besorgnis ein Allzeithoch erreicht hat“, sagt Thomas Windhager, Versicherungsexperte bei PwC Österreich.

„Sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen von Veränderung machen deutlich, dass es darauf ankommt, genau zu wissen, wo man am besten Mehrwert schaffen kann. Investitionen und Managementzeit müssen kompromisslos auf diese Prioritäten ausgerichtet werden“, führt Windhager weiter aus.

Die Umfrage Insurance Banana Skins 2017 wurde im Jänner und Februar 2017 durchgeführt und beruht auf 836 Antworten aus 52 Ländern – darunter 14 Versicherungsunternehmen aus Österreich. Die Umfrageteilnehmer kamen aus den folgenden Bereichen:

  • Sachversicherung 29 %
  • Lebensversicherung 27 %
  • Kompositversicherung 17 %
  • Rückversicherung 7 %
  • Versicherungsmakler 4 %
  • Sonstige 16 %

Diese Umfrage ist die jüngste Erhebung in der langjährigen „Banana Skins“-Umfragereihe zu Finanzrisiken. Die bisherigen Insurance Banana Skins-Umfragen fanden 2007, 2009, 2011, 2013 und 2015 statt. Der Bericht wurde von CSFI mit Unterstützung von PwC erstellt. Die redaktionellen Inhalte liegen in alleiniger Verantwortung von CSFI. Der Bericht kann von der Website des CSFI, www.csfi.org oder unter www.pwc.com/insurance heruntergeladen werden.

Das CSFI (Centre for the Study of Financial Innovation) ist ein 1993 gegründeter, nicht gewinnorientierter Think-Tank, der sich mit den Herausforderungen und Chancen des Finanzsektors befasst. In New York besteht eine Zweigorganisation, das New York CSFI.

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