TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Rauchen stinkt Medizinern gewaltig", von Theresa Mair

Ausgabe vom 30. Mai 2017

Innsbruck (OTS) - In Innsbruck diskutieren 1500 Chirurgen derzeit über Lungenkrebs. Lieber wäre ihnen, sie müssten gar nicht erst tätig werden. Rauchen muss „uncool“ werden, fordern sie. Es braucht strenge Gesetze und neue Rockstars.

Anfangen ist leicht, Aufhören ist schwer. Also: Bitte erst gar nicht mit dem Rauchen anfangen. Dass vor allem die Jungen diese Botschaft nicht hören, zeigt sich vor Bahnhöfen und Bushaltestellen, in Parks, eigentlich überall. 30 Prozent der 15-Jährigen rauchen regelmäßig, mehr Mädchen als Buben. Sie rauchen, weil die Freunde rauchen, weil die Coolen aus den höheren Klassen rauchen, und man selber auch voll cool ist. Ganz sicher auch, weil in der Jugend genau das interessant ist, was einem die Erwachsenen verbieten wollen. Was will die Mama – wenn sie nicht sogar selber raucht – auch sagen? Gelbe Zähne, Gefäßverkalkung, Raucherbein und – das Schreckgespenst schlechthin – Lungenkrebs? Wen interessiert’s, wenn man jung und unsterblich ist? Bis es so weit ist, hat man längst aufgehört, glaubt man.
Eventuell helfen Fakten: Der jüngste Lungenkrebspatient, den Dietmar Öfner-Velano, Direktor der Innsbrucker Thoraxchirurgie, gesehen hat, war in den frühen Zwanzigern – nicht steinalt. Und noch ein gängiger Irrglaube ist nur Schall und Rauch: Was einmal in der Lunge drin ist, bleibt drin. Auch noch nach den magischen elf Jahren, von denen man früher geglaubt hat, dass sie alle Raucherschäden beseitigen. Trotzdem macht es Sinn, aufzuhören. Je weniger Pack-Years – darunter versteht man die Anzahl der pro Tag gerauchten Zigarettenpackungen x Raucherjahre – man zusammenkommen lässt, desto besser sind die Aussichten, gesund zu bleiben.
Keine Frage, schon alleine aus Verantwortungsgefühl gegenüber Heranwachsenden und unfreiwilligen Passivrauchern müsste ein strenger Nichtraucherschutz her. Wo es bisher nur zu österreichischen Lösungen gereicht hat, haben andere Staaten, z. B. Italien, längst die Vorbildfunktion wahrgenommen. Doch auch dort geht noch der Rauch auf, vor allem bei Jugendlichen und erwachsenen Frauen. Auf strenge Regeln allein darf man sich also nicht verlassen. Eine Preiserhöhung tut weh – wird Tabak um fünf Prozent teurer, sinkt der Konsum um 3,5 Prozent. Vor allem aber braucht es Rockstars ohne Zigarette. Sportler könnten solche Vorbilder sein – bei den fußballfanatischen Buben scheint’s zu wirken. Rauchen muss uncool werden, und zwar schon, bevor man die erste Zigarette anzündet. Oder wie man einen Experten am Rande der laufenden Thoraxchirurgie-Tagung in Innsbruck sagen hörte: „Rauchen ist low class“, also letztklassig. Es sei, wie den ganzen Tag auf der Couch zu sitzen. Harte Worte. Lungenkrebs ist härter.

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