Neues Volksblatt: "Äquidistanz?" von Markus Ebert

Ausgabe vom 24. Mai 2017

Linz (OTS) - Vom VOLKSBLATT darauf angesprochen, mit welcher Partei er lieber „die Zeit von Rot-Schwarz oder Schwarz-Rot“ beenden möchte, gab sich FPÖ-Parteiobmann Heinz-Christian Strache gestern diplomatisch: Man halte Äquidistanz, es gebe sowohl mit SPÖ als auch mit ÖVP „Schnittstellen“. Umgekehrt verhält sich das mit der Äquidistanz schon anders: Bei der SPÖ gibt es immerhin einen aufrechten Parteitagsbeschluss, nicht mit der FPÖ zu koalieren. etwas einfacher ist die Sache für die ÖVP: Man verweist auf den Wählerwillen, erst dann sei über Koalitionen zu reden. Womit tatsächlich derzeit ausschließlich die SPÖ die wirklich spannende Frage zu beantworten hat, wie sie es nun tatsächlich mit den Blauen hält. Das Dilemma hat zwei Namen: Hans Niessl und Michael Häupl. Der Burgenländer hat sich um die offizielle Parteilinie nicht gekümmert und die pannonische FPÖ ins Landesregierungsboot geholt, der Wiener gibt den Lordsiegelbewahrer in Sachen Abgrenzung zur FPÖ. Gibt Kanzler Christian Kern über den Kriterienkatalog den Weg für Blau-Rot frei, werden ihm die linksbewegten Teile der Wiener SPÖ im Wahlkampf wohl etwas husten. Hält er formal die Demarkationslinie zwischen Rot und Blau aufrecht, düpiert er Niessl — und auch sich selbst, weil die normative Kraft des Faktischen ja bereits zu einer rot-blauen Koalition geführt hat. Klar ist: Die Wähler haben sich vor der Wahl eine Antwort auf diese Frage verdient.

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