Struktureller Ärztemangel entsteht ausschließlich durch schlechte Arbeitsbedingungen

Mangelbehebung durch Aufhebung der Zulassungsbeschränkung zum Medizinstudium - wie von der SPÖ in Niederösterreich gefordert – führt komplett am Ziel vorbei

St. Pölten (OTS) - Drohender Ärztemangel ist nicht auf die Anzahl der Studienplätze zurückzuführen

„Der in ganz Österreich bestehende strukturelle Ärztemangel hat viele Gründe, ist aber nicht mit der Aufhebung der Zulassungsbeschränkung zum Medizinstudium zu beheben“, meint die Allgemeinmedizinerin und Landtagsabgeordnete Dr. Gabriele Von Gimborn, MPH von der Liste Frank. Die Zahlen belegen aus ihrer Sicht ganz deutlich, dass weder an der Anzahl der Ärzte noch an der Anzahl der Studienplätze in Österreich auch nur irgendein Mangel herrscht. „Wir haben etwa 10.000 Ärzte mehr, als wir derzeit im öffentlichen Gesundheitssystem einsetzen. Und wir bilden jedes Jahr auch viel mehr aus, als wir brauchen. Daher erschließt sich mir der Sinn dieser Forderung der SPÖ nicht.“

Schlechte Arbeitsbedingungen, die vom verkrusteten System verursacht wurden

Dr. Von Gimborn nennt den Grund, der aus ihrer Sicht zur immer schwierigeren Nachbesetzbarkeit von Stellen im öffentlichen Gesundheitssystem führt: „Schlechte Arbeitsbedingungen sind der Schlüssel zur Lösung unseres Problems. Schlechte Arbeitsbedingungen, die aufgrund einer jahrzehntelangen Fehlverteilung und Fehlregulierung entstanden sind. In einem verkrusteten, vollkommen ineffizienten System, welches zusätzlich zur Aufrechterhaltung der Versorgung tausende im Sessel klebende Funktionäre durchfüttern muss.“ Der Ansatz der SPÖ ist aus ihrer Sicht daher keine Lösung der Probleme, sondern ganz im Gegenteil: „Wer soll denn das bezahlen, wenn wir noch mehr Ärzte ausbilden, die dann auch ins Ausland abwandern?“

Die Schweiz und Deutschland holen sich den Bedarf im Ausland

Beliebte Importländer für Mediziner aus Österreich sind Deutschland und die Schweiz. „Die machen es clever. Die Schweiz bildet etwa 400 Mediziner jährlich weniger aus als sie im langjährigen Mittel braucht, Deutschland bildet etwa 2.000 Mediziner pro Jahr weniger aus, als Stellen im öffentlichen Gesundheitssystem nachzubesetzen sind. Nun kann man sich leicht ausrechnen, wie dieser Bedarf gedeckt wird. Richtig: Das was durch Deutsche „Numerus-Clausus-Flüchtlinge“ nicht abgedeckt wird, kann man durch gute Angebote ins Land holen“, so Dr. Von Gimborn. „Wir bilden übrigens jährlich etwa 500 Mediziner mehr aus, als Stellen im öffentlichen System nachzubesetzen sind.“

Gute Arbeitsbedingungen und Wertschätzung halten Mediziner im Land

„Junge Mediziner berichten von besseren Ausbildungsbedingungen, mehr Wertschätzung, besserer Arbeitsbedingungen und auch einem besseren Einkommen im Ausland. Das sind die Schlüssel, um Stellen zu besetzen und Ärzte im Land zu halten. Und nicht um viel Geld noch mehr Mediziner produzieren, die dann mangels Perspektiven im eigenen Land ins Ausland abwandern“, ist Dr. Von Gimborn überzeugt. „Wir bilden aus und zahlen, die Früchte werden aber von anderen geerntet. Das kann´s nicht sein. Wenn wir unsere Hausaufgaben nicht machen und die echten Problemfelder angehen, dann können wir doppelt so viele Ärzte ausbilden und unseren strukturellen Ärztemangel trotzdem nicht lösen“, ist Dr. Von Gimborn überzeugt.

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