AK Dividendenreport: Ausschüttungen knacken 2-Milliarden-Grenze

Aktionäre kassieren in Summe 2,3 Milliarden € - Verlust kein Hinderungsgrund

Wien (OTS) - Die Gewinne der ATX-Unternehmen sind im Geschäftsjahr 2016 kräftig gestiegen. Doch anstatt diese zu einem guten Teil zu investieren und damit die Schlagkraft der Unternehmen für die Zukunft zu erhöhen und wichtige Arbeitsplätze zu sichern, profitieren einmal mehr vor allem die Aktionäre. Denn die Dividenden-Zahlungen klettern um 30 Prozent auf 2,3 Milliarden €. Ausgeschüttet wird teilweise auch bei Verlust oder mehr als der Gewinn ausmacht.

   Die sich erholende Konjunktur, geringere Wertberichtungen und Abschreibungen sowie sinkende Risikovorsorgen – das zusammen hat dazu geführt, dass die im Wiener Leitindex ATX gelisteten Unternehmen im Geschäftsjahr 2016 ihre Gewinne ordentlich erhöhen konnten – in Summe um rund drei Viertel im Vergleich zu 2015 auf 4,4 Milliarden € (den Aktionären zurechenbares Ergebnis).

   Über dieses Ergebnis dürfen sich vor allem die Aktionärinnen und Aktionäre freuen: Denn sie erhalten in Summe Dividenden in Höhe von 2,3 Milliarden € (plus 30 Prozent). Das entspricht einer Ausschüttungsquote von 51,5 Prozent (für 2015 lag diese bei 70,1 Prozent).  Der Rückgang ist der sehr guten Gewinnsituation geschuldet.

   „80 Prozent der ATX-Konzerne werden im laufenden Jahr ihre Dividendenzahlungen zum Teil kräftig erhöhen“, sagt Markus Oberrauter, Betriebswirt in der AK Wien und Autor des Dividendenreports. Allerdings gehen einige Ausschüttungen auch auf Kosten der Substanz. Oberrauter: „OMV und Immofinanz zahlen ihren Anteilseignern eine Dividende, obwohl sie 2016 Verluste geschrieben haben. Die Uniqa schüttet mehr aus als sie Gewinn erwirtschaftet hat. Auch die Post überweist ihren Ertrag fast zur Gänze an die Aktionäre, während der Beschäftigtenstand Jahr für Jahr sinkt.“

   Bitte warten, heißt es dagegen für die Aktionäre der Raiffeisen Bank International. Zwar schaffte das Kreditinstitut im Vorjahr den Turnaround, eine Dividende soll allerdings erst wieder im nächsten Jahr fließen. „Hier steht die Stärkung des Eigenkapitals im Vordergrund, was aktuell sicherlich wichtiger ist als Dividenden zu zahlen“, führt Oberrauter die Bank als Positiv-Beispiel an. Wie auch den Ölfeldausrüster SBO, der aufgrund eines Verlusts die Dividenden-Zahlung für das heurige Jahr aussetzt. Ebenfalls positiv ist laut Oberrauter die Entwicklung beim Verbund: Die bereits im Vorjahr in Aussicht gestellte Rücknahme der überzogenen Dividendenpolitik wird 2017 in die Tat umgesetzt, denn trotz gestiegenen Gewinns sinkt die Ausschüttung von 0,35 auf 0,29 € je Aktie.

   Den ersten Platz im Ranking nimmt dagegen die Erste Group ein, die insgesamt knapp 427 Millionen € ausschüttet, gefolgt von der OMV mit fast 392 Millionen € und der Voestalpine mit 194 Millionen € (laut Analystenschätzung).

   „Die expansive Ausschüttungspolitik der Börsenunternehmen geht also munter weiter. Dabei ist es höchst an der Zeit, dass die Konzerne diesen Geldhahn etwas zudrehen und dagegen jenen für Investitionen mehr aufdrehen. Es braucht mehr Geld für sichere Arbeitsplätze und für die Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Stichwort Digitalisierung“, resümiert Oberrauter.

SERVICE: Den Report finden Sie unter wien.arbeiterkammer.at

Rückfragen & Kontakt:

Arbeiterkammer Wien
Michaela Lexa-Frank
Tel.: (+43) 50165-2141, mobil: (+43)664 8454166
michaela.lexa@akwien.at
http://wien.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKW0001