Update 1.7 Nephrologie-Symposium im Congress Schladming

Wien (OTS) - Am 05. und 06. Mai fand das Update 1.7 Nephrologie-Symposium im Congress Schladming unter der Patronanz der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) statt. Bei einer Podiumsdiskussion unter der Moderation von Robert Riedl, PERI Group, wurde der aktuelle Status des Konzepts 60/20 zur österreichischen Nierenversorgung dargelegt und das Schladminger Manifest 1.7 zur Nierengesundheit in Österreich – Umsetzung von „niere.schützen“ - von medizinischen Experten unterzeichnet.

Seit vielen Jahren arbeitet die Österreichische Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) nachhaltig daran, die Versorgung von Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen und deren Folgeerkrankungen zu optimieren. Ziel einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion im Rahmen des Update 1.7 Nephrologie-Symposiums in Schladming war die Aufarbeitung der bisherigen Aktivitäten, die Definition eines roten Fadens für die Zukunft, sowie die Unterzeichnung des Schladminger Manifests. Neben dem ÖGN-Präsidenten Prim. Prof. Dr. Karl Lhotta diskutierten Vertreter seitens Hauptverband und Nephrologie.

Nierenerkrankungen als Public Health Problem

Einleitend legte der Vorsitzende der ÖGN, Prim. Prof. Dr. Karl Lhotta, dar, dass die Prävalenz von Nierenerkrankungen mit 12-13 % doppelt so hoch sei wie jene von Diabetes mit 6 % und bedeute somit ein Public Health Problem. Erschwerend kommt hinzu, dass Nierenerkrankungen nahezu symptomlos voranschreiten und so tendenziell spät erkannt werden. „Nur bei rechtzeitiger Diagnose können Maßnahmen zur Verzögerung des Fortschreitens der Nierenerkrankung getroffen werden. Das wird durch das Konzept 60/20 angestrebt“, so Lhotta. Das Konzept verfolgt den Ansatz, Nierenerkrankungen möglichst früh zu erkennen. Spätestens, wenn die Nierenleistung unter 60 Prozent fällt. So werden eine frühe Diagnose und Maßnahmen, die einerseits das Fortschreiten der Nierenerkrankung verzögern und andererseits das extrem hohe Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren, überhaupt erst möglich. Sinkt die Nierenleistung unter 20 Prozent, kann der Patient in einem nephrologischen Zentrum in angemessener Zeit auf die Nierenersatztherapie (Hämodialyse, Bauchfelldialyse, Transplantation inklusive Lebendspende) vorbereitet werden. Darüber hinaus müsse die Tatsache, dass Patienten mit chronischer Nierenerkrankung ein extrem hohes Risiko für Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt haben, welches bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie deutlich reduziert werden kann, der Öffentlichkeit bewusst gemacht werden. Denn ein kardio-vaskuläres Ereignis ist nachwievor die Todesursache Nummer Eins in Österreich.

Landeszielsteuerungsprojekt „niere.schützen“ in der Steiermark

Univ.-Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Nierenspezialist an der Universitätsklinik Graz und Co-Initiator des Konzepts berichtet von der erfolgreichen Implementierung des 60/20 Konzepts in Zusammenarbeit mit der Steirischen Gebietskrankenkasse und dem Gesundheitsfonds Steiermark unter dem Namen „niere.schützen“, das seit 2016 in der Steiermark umgesetzt wird. Die Steiermark nimmt somit eine Vorreiterrolle für alle anderen Bundesländer ein. Anfang 2017 folgte Vorarlberg diesem Beispiel und setzt nach dem Beschluss durch die Landeszielsteuerungskommission das 60/20 Konzept unter dem Namen „Gesunde Niere Vorarlberg“ um.

„Ziel des Projektes ist es, vorrangig kardiovaskuläre Hochrisikopatienten im Alter von 40-65 Jahren, - das sind jene Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion bzw. rascher Abnahme der Nierenfunktion-, möglichst früh zu diagnostizieren und entsprechend zu behandeln, um die ‚gesunden Lebensjahre‘ lange zu erhalten“, so Rosenkranz. Bei Patienten mit weit fortgeschrittener Nierenfunktionseinschränkung (Nierenfunktionsleistung von 20 Prozent) muss ein strukturiertes Management sowie Aufklärung zu den verschiedenen Optionen einer Nierenersatztherapie zeitgerecht und effizient durchgeführt werden. Zum Zweck die Nierenfunktion langfristig zu erhalten, spricht sich die ÖGN für ein frühzeitiges Screening in Kooperation mit Ärzten für Allgemeinmedizin und Internisten aus. „Insgesamt wird die beste nephrologische Betreuung für alle Österreicher zum optimalen Zeitpunkt angestrebt“, konkludiert Rosenkranz.

HVB unterstützt 60/20 Konzept als Ergänzung zum DMP (Disease-Management-Programm)

2013 haben sich Bund, Länder und Sozialversicherung auf den Inhalt des ersten Bundes-Zielsteuerungsvertrages geeinigt - Prävention ist darin als operatives Ziel definiert. 80 Prozent der Behandlungskosten entstehen in den letzten zwei Lebensjahren. „Wir müssen daher vermehrt in die Stärkung der Gesundheitskompetenz der Menschen und frühzeitige Diagnose von chronischen Krankheiten wie z.B. Niereninsuffizienz investieren. Deshalb unterstützen wir das Ziel, das 60/20 Konzept als Ergänzung zum DMP der Sozialversicherung flächendeckend in ganz Österreich auszubauen“, so Mag. Martin Schaffenrath vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. Er lebt in Tirol, wo man sich schon seit 2014 um die Implementierung des 60/20 Konzepts bemüht. Durch die föderalistischen Strukturen in der Sozialversicherung ist es jedoch nicht einfach, derartige Projekte umzusetzen. „Anhand des 60/20 Konzepts ist gut ersichtlich, dass man in Österreich erst etwas erfolgreich in einem Bundesland umsetzen muss, damit andere Bundesländer diesem Beispiel folgen“, so Schaffenrath. Schuld an dem zähen Vorankommen sind auch die über 3.000 Einzelverträge innerhalb des Sozialversicherungssystems. Im Hauptverband sind deshalb mehrere Arbeitsgruppen mit der Analyse systemrelevanter Prozesse und Leistungen betraut. Schaffenrath spricht sich für ein bundesweit einheitliches Finanzierungssystem als Lösungsansatz für dieses Problem aus.

Schladminger Manifest zur Unterstützung des 60/20 Konzepts

Das Schladminger Manifest 1.7 zur Nierengesundheit in Österreich – Umsetzung von „niere.schützen“ weist auf die Dringlichkeit einer gesamt österreichischen Lösung für ein nachhaltiges Versorgungskonzept der Niere hin. Darüber hinaus wird gefordert, dass jeder Patient, sollte er eine chronische Nierenersatztherapie benötigen, das Recht hat, jene Behandlungsform zu wählen, die sowohl medizinisch, psychisch als auch sozial am besten zu seinen Lebensbedingungen passt. „Wir hoffen mit der heutigen Unterzeichnung des Schladminger Manifests einen Diskussionsanstoß für eine baldige gesamtheitliche Lösung geben zu können“, so Jürgen Winter, Bürgermeister von Schladming. Das Manifest wurde nach Verlesung während der Podiumsdiskussion zunächst unterzeichnet von: Univ.-Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Prim. Prof. Dr. Karl Lhotta, Mag. Martin Schaffenrath und Jürgen Winter. Danach drückten auch 43 anwesende medizinische Experten ihre Unterstützung für die österreichweite Implementierung des 60/20 Konzepts mit ihrer Unterschrift aus.

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