Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 6. Mai 2017. Von NIKOLAUS PAUMGARTTEN. "Altern in Würde ohne finanzielle Hürde".

Innsbruck (OTS) - Aufgrund der demografischen Entwicklung wird der Druck auf die Alten- und Pflegeheime in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Ohne Aufstockung der Budgets ist eine menschenwürdige Betreuung dann kaum mehr möglich.

Die Kinder sind unsere Zukunft. So lautet eine oft strapazierte Phrase, wenn es in der Politik darum geht, Ausgaben zu rechtfertigen:
ein Raum für die Kinderkrippe, die Einstellung einer zusätzlichen Kindergarten-Stützkraft, der Neubau der Volksschule. Beihilfen, Zuschüsse, Förderungen. Und angesichts der Struktur unseres Pensionssystems wird kaum jemand bestreiten, dass eine gut ausgebildete und wettbewerbsfähige Nachwuchsgeneration unsere Versicherung dafür ist, dass wir auch im Alter noch ein paar Euro im Börserl haben. Für unsere Kinder sind wir also bereit, tief in die Tasche zu greifen. Und das ist auch gut so – selbst wenn nüchtern betrachtet bei diesem Investment eine gehörige Portion Eigennutz mitschwingt.
Und am anderen Ende der Lebensleiter? Was wollen wir es uns kosten lassen, dass unsere Eltern und Großeltern nach einem arbeitsreichen Leben in Würde altern können? Ohne permanent das Gefühl zu haben, irgendjemandem zur Last zu fallen. Ohne sich für die körperliche Gebrechlichkeit oder die Vergesslichkeit entschuldigen zu müssen. Ohne Angst zu haben, den Rufknopf zu drücken, um Unterstützung beim Gang auf die Toilette zu erhalten. Wollen wir es akzeptieren, dass betagte Menschen um vier Uhr nachmittags das Abendessen auf Plastikgeschirr hingeschoben bekommen, damit sie spätestens um 18 Uhr die Nachtruhe antreten können, weil es der Heimleitung aufgrund des Dienstplanes so am besten passt? Zur Erinnerung: Wir sprechen von jener Generation, die sich vor Jahrzehnten über ähnliche Zukunftsfragen für ihre Kinder den Kopf zerbrochen hat – für uns. Der gesellschaftliche Wandel hat es mit sich gebracht, dass die meisten unserer Älteren nicht mehr im Kreise eines großen Familienverbandes zu Hause den Lebensabend verbringen, sondern in Alten- und Pflegeheimen. Eine Tatsache, an der sich nicht so schnell etwas ändern wird – im Gegenteil: Der Druck auf die Einrichtungen wird aufgrund des demografischen Trends weiter massiv zunehmen. Und damit auch der Druck auf das Personal. Es liegt an uns, heute dafür zu sorgen, dass nicht die finanzielle Hürde ein Altern in Würde verhindert. Oder anders gesagt: Es braucht mehr Geld für die Betreuung unserer Eltern und Großeltern. Einfach aus Gründen der Menschlichkeit. Und wen das als Argument nicht überzeugt, dann zumindest wegen der gehörigen Portion Eigennutz: Immerhin sind wir Jungen von heute die Alten von morgen.

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