ÖH ad Mitterlehner: halbdurchdachte Finanzierungspläne machen keine besseren Hochschulen

Hochschulsektor braucht Ausfinanzierung und bessere soziale Durchmischung, nicht mehr Einschränkungen!

Wien (OTS) - Der Bundesvorsitz der Österreichischen Hochschüler_innenschaft (ÖH) zeigt sich empört über Wissenschaftsminister Mitterlehners heutige Aussagen zu den geplanten Zugangsbeschränkungen, verkauft unter dem Deckmantel der Studienplatzfinanzierung.
„Es ist eine Farce, dass Minister Mitterlehner jetzt ein Modell der Studienplatzfinanzierung aus dem Hut zaubert, das jedweder wissenschaftlicher Grundlage entbehrt und binnen kürzester Zeit ohne Einbindung der Studierenden aufgestellt wurde. Durch diese Ankündigung gehen wir dem absoluten Ende einer freien Hochschule einen Riesenschritt entgegen.“, so Magdalena Goldinger von ÖH Bundesvorsitzteam.

Zwar sind die zusätzlich vorgesehenen 1,35 Mrd. Euro, die eine Inflationsanpassung vorsehen, selbstverständlich angebracht, die weiterhin bestehenden Mängel im Hochschulbudget werden dadurch trotzdem nicht ausgeglichen. Interessant ist auch, dass die 1,35 Mrd. Euro für die Universitäten anscheinend nun problemlos budgetiertbar sind, wohingegen eine Inflationsanpassung der Studienbeihilfe seit 1999 als eine budgetäre Unmöglichkeit dargestellt wird. Dabei sollte genau hier angesetzt werden, um Studierenden die Möglichkeit zu schaffen, ein Studium überhaupt erst zu beginnen und auch zu beenden „Die Regierung verspricht uns seit langem zwei Prozent des Bruttoinlandproduktes, dies wird mit der momentan versprochenen Erhöhung immer noch nicht erreicht. Stattdessen brüstet sie sich mit flickenartigen Minimalzusprüchen wie den 25 Millionen Euro für die Studienbeihilfe. Dabei ist uns allen bewusst, dass eine volle Anpassung der Beihilfe an die Inflation notwendig ist“, so Goldinger und weiter: “Denn durch Mehrausgaben in der Studienbeihilfe wird eine Fokussierung auf das Studium und damit erfolgreiches Vorankommen ermöglicht - unabhängig vom Geldbörserl der Eltern.”

Die Studienplatzfinanzierung wiederum ist bisher nichts mehr als ein schlecht berechnetes Umverteilungs- und Einschränkungssystem. „Das Ministerium hat nun zum ersten Mal eine Berechnungsmethode präsentiert, diese scheint aber äußerst unüberlegt. Gerade Minister Mitterlehners Gedankenspiel, abgelehnte Jurastudent_innen sollten dann z.B. Weltraumwissenschaften studieren, zeigt die Weltfremdheit der Überlegungen. Die entsprechenden Fachbereiche dürften sich über die “topmotivierten” Studierenden bedanken.” so ironisiert Magdalena Goldinger. Zugangsbeschränkungen führen bekanntlich nur zu Verdrängungseffekten in Richtung anderer Studien, dies hat in der Vergangenheit nur zu weiteren Zugangsbeschränkungen geführt. Aus Erfahrungswerten ist stark anzuzweifeln, dass Studierende ein gleiches Maß an Interesse und Motivation für ein "Ausweichstudium" aufbringen werden.

Es muss gewährleistet werden, dass die neue Art der Finanzierung nicht zu einer weiteren Kleinteiligkeit des Hochschulsystems, mit an jeder Hochschule unterschiedlichen weiteren Hürden und undurchsichtigen Aufnahmeverfahren führt. Stattdessen braucht es bessere und vor allem auch flächendeckende Informationsangebote für Studieninteressierte, sowie eine engere Verzahnung von Schule und Hochschule, wie sie die ÖH bereits jetzt anbietet. Es braucht eine sinnvolle Eingangsphase für Studierende und ein gesteigertes Bewusstsein für die Lebensrealität der Studierenden. So hängen Dropoutraten öfter von der Leistbarkeit des Studiums, als der reinen Betreuungsrelation ab. Daher ist es fatal das Studienplatzfinanzierungsmodell ohne Kooperation mit Studierenden auszuarbeiten „Wir brauchen dringend ein valorisiertes Beihilfensystem, ein vernünftiges Modell für den Studienbeginn ohne Knockout-Prüfungen und ein Bewusstsein für die Interessen der Studierenden, nicht ein Zwangsverschieben auf unterbesetze Fächer. Nur so können wir die soziale Durchmischung verbessern und höhere Abschlussraten erzielen. Durch Unterstützung, nicht Einschränkung“, so Goldinger abschließend.

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