„Trotz Verbot nicht tot“: „Menschen & Mächte“ analysiert die rechtsextreme Szene Österreichs seit 1945

Am 26. April um 22.30 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - „Wir sind das Volk!“ lautet der Schlachtruf neuer rechtspopulistischer und rechtsextremer Gruppierungen wie Pegida oder Identitäre Bewegung. Die Verunsicherung durch Wirtschaftskrise, Migration, Moschee-Diskussionen und islamistischen Terror soll zum neuen Nährboden alter, längst überwunden geglaubter Ideologien werden. Und dafür werden sie dem Zeitgeist angepasst: Aus Antisemitismus wurde Antiislamismus, aus „Umvolkung“ „Austausch“, aus Versammlungen in Wirtshaus-Hinterzimmern wurden Internet-Foren und Social-Media-Kampagnen. In den düsteren Winkeln des Internets wuchern auch rechtsradikale Gewaltfantasien und motivieren zu realen Ausschreitungen – im Fall Anders Breivik, des ersten rechtsradikalen Internet-Terroristen, bis hin zum Massenmord. Robert Gokl analysiert in der „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Trotz Verbot nicht tot“ am Mittwoch, dem 26. April 2017, um 22.30 Uhr in ORF 2 die Geschichte des Rechtsextremismus in Österreich – von den Nachkriegsjahren bis heute.

Rechtsextremismus und Neonazismus sind die rassistisch-ideologische Umsetzung der Sündenbock-Psychologie. Das wird auch anhand der Definitionskriterien für den Rechtsextremismus deutlich, der sich wie die braune „Mutterideologie“ stark biologistisch definiert. Im Mittelpunkt steht die eigene „Rasse“, heute oft euphemistisch die eigene „Kultur“ genannt. Sie muss freigehalten werden von allem Fremden, sonst droht „Überfremdung“ und damit der Verlust der eigenen, biologistisch definierten Identität. Zu den bisherigen antisemitischen Stereotypen kommen seit den 1980er Jahren die „Ausländer“, nach den „Gastarbeitern“ die Migranten aus Süd- und Osteuropa. Heute werden die Migranten vor allem aus Afrika oder Asien zu neuen „Sündenböcken“ für die gezielte Angstpolitik des Rechtsextremismus.

Von antisemitischen Ausschreitungen bei der Schiller-Feier 1959 oder den Borodajkewycz-Demonstrationen 1965 zieht sich diese rassistische Sündenbock-Strategie über Burgers NDP, die ANR, Honsiks Auschwitz-Lüge und Küssels Wehrsportgruppen bis zu den Skinheads der 1990er Jahre und der „neuen Rechten“ von heute. Nicht ohne Grund bekam die damalige Haider-FPÖ Applaus von der extremen Rechten, wenn sie „fleißige Österreicher“ „ausländischen Sozialschmarotzern“ gegenüberstellte und über „Österreich zuerst“ abstimmen ließ. Davon distanzierte man sich zwar ebenso wie von Entgleisungen aus den eigenen Reihen, doch hier trafen sich die unterschiedlich radikalen Sündenbock-Strategien. Auch der Aussage des mittlerweile tödlich verunglückten ehemaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider von der „nationalen Missgeburt“ wurde breites Lob vom deutschnational-rechtsextremen Rand gezollt, ebenso seinem Auftritt vor Waffen-SS-Veteranen in Krumpendorf.

„Es hätte Tote gegeben, entweder sie oder ich! Ich hatte nichts mehr zu verlieren!“, erinnert sich Mike an seine Zeit als Skinhead Anfang der 1990er Jahre, als er nur mehr mit Schusswaffe aus dem Haus ging, um jederzeit für seinen Kampf gegen Ausländer, Punks oder Polizei gerüstet zu sein. Heute engagiert er sich in der Resozialisation von gefährdeten Jugendlichen und erzählt, wie er zum Neonazi wurde. „Die Fremdenfeindlichkeit ist das verbindende Element der Neonazi-Szene – von gewaltbereiten Skinheads bis hin zu rechtsreaktionären Ideologen!“ Thomas Kuban (Deckname) hat mehr als zehn Jahre lang undercover in der Neonazi-Szene recherchiert – auch in Österreich. Sein Befund: „Die Nazi-Szene boomt! Es gibt heute Zigtausende Nazis in Europa, die in einer Art geheimer Parallelwelt leben!“ Es ist ein bizarrer Nazi-Lifestyle mit Nazi-Musik und Nazi-Mode, der seit den 1990er Jahren weltweit über das Internet verbreitet wurde und auch zu einem lukrativen Geschäft wurde. Die aktuelle Fassade einer rechtsextremen Szene, die seit 1945 immer wieder ihr Äußeres, nie aber ihre Ideologie änderte.

Im 21. Jahrhundert formiert und internationalisiert sich der Rechtsextremismus über das Internet, haben die rechtsextremen Traditionen der Vergangenheit längst neue Gestalt angenommen, von rechtsradikalen Zeitschriften wie „HALT“ oder „SIEG“ hin zu Internet-Plattformen wie „alpen-donau.info“. Eine junge Generation von Neonazis nutzt Facebook und WhatsApp zwecks Rekrutierung von Gleichgesinnten und Demo-Organisationen. Unter gewaltbereiten Fußballfans und in der Rechtsrock-Szene wurde hier geübt, was dann in der breiten Verunsicherung durch die Weltwirtschaftskrise seit 2008 und die Migrationssituation nach dem Bürgerkrieg in Syrien bis in die Mitte der Gesellschaft ausstrahlte.

„Menschen & Mächte“ analysiert in „Trotz Verbot nicht tot“ die rechtsextreme Szene Österreichs seit 1945. Und geht der Frage nach, warum Revisionismus, Antisemitismus und Rassismus bis heute gerade auch für manche jungen Menschen eine Faszination ausüben – nach Jahrzehnten des Verbots.

Die Sendung ist auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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