Wiener Tierschutzverein: Der Wolf ist nicht die Bestie

Wiener Tierschutzverein befürchtet nächste Hetzjagd auf geschützte Tierart: Nach Biber und Fischotter stehen nun die Wölfe auf der Abschussliste.

Vösendorf (OTS) - Ost-Österreich entwickelt sich zum Waterloo für schutzbedürftige Tierarten. „Während unseren Kindern der Artenschutz durch Besuche in Schönbrunn und Unterricht über den Reichtum der Regenwälder nahegebracht werden soll, passieren im eigenen Land Massaker an streng geschützten Tieren. Das nächste steht bereits vor der Tür“, sagt Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins (WTV). Nachdem Biber und Fischotter bereits als Schädlinge abgestempelt und zum Abschuss freigegeben wurden, steht nun der Wolf als nächster „tierischer Unhold“ im Fokus. Bereits als im Jahr 2016 gemeldet wurde, dass sich nach über 100 Jahren in Österreich wieder Wölfe angesiedelt hatten, wurden die ersten Rufe nach einem Abschuss dieser Tiere aus der Politik laut. Da auch bald damit zu rechnen ist, dass sich Wölfe aus Nachbarländern in Österreich niederlassen werden, wird ganz bewusst nicht am völlig falschen Image, das der Wolf in der Bevölkerung leider immer noch zu Unrecht trägt, gearbeitet, sondern gezielt Panikmache betrieben, um in der Bevölkerung die Angst vor diesem Tier noch zu vergrößern. Zur Erinnerung: Der Wolf ist, wie auch Bär und Luchs, per EU-Richtlinie streng geschützt.

Der Wolf - unliebsame Jagdkonkurrenz

Nach Informationen des Wiener Tierschutzvereins (WTV) steht jedenfalls die nächste Hetzjagd bevor. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch bei den Wölfen zum Halali geblasen wird. Rohrweihen und andere Großvögel, Ziesel, Otter und Biber werden mit fadenscheinigen Fake-Argumenten gemeuchelt und die bei uns eingewanderten Bären sind "verschwunden". Bei den Fischottern mussten die Fischer herhalten, nun bedient man sich wieder einmal der Jägerschaft. Dabei geht es hier wie so oft um die Interessen einiger weniger betuchter Freizeitjäger, die in den Wölfen eine unliebsame Jagdkonkurrenz sehen und die das mangelnde Fachwissen der Bevölkerung schamlos ausnützten, anstatt zu informieren. Die redliche, ethische Jägerschaft will mit diesen Machenschaften nichts zu tun haben“, sagt Madeleine Petrovic. Doch eigentlich geht es um mehr: „Warum wird nichts gegen diese irrationalen Ängste getan? Stattdessen werden der Bevölkerung völlig hirnrissige Behauptungen als Wahrheiten verkauft. Wie etwa, dass die Wölfe in Allentsteig von militanten Tierschützern absichtlich ausgesetzt worden wären“, so Petrovic. Wildtierexperte Hans Frey, Vorstandsmitglied des WTV und Leiter der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS) dazu: „Die allmähliche Zuwanderung der Wölfe nach Österreich erfolgt seit einigen Jahren aus verschiedenen Nachbarländern, was auch genetisch klar festgestellt werden konnte. Es sind also nicht ausgesetzte Tiere wie immer wieder vermutet wird“.

Der Wolf ist keine Bestie …

Der Wolf trägt seinen Ruf, der ihm wegen uralter Märchen oder schlechter Filme anhaftet, völlig zu Unrecht: „Wölfe sind, wie auch alle anderen Hundeartigen, keine blutrünstigen Bestien. Sie töten zum Nahrungserwerb und spielen im ökologischen Gleichgewicht durch ihre selektive Jagdweise eine wichtige Rolle. Wölfe testen ihre Beutetiere und entnehmen als Opportunisten jene Individuen, die sie mit geringstem Aufwand und Risiko überwältigen können. Betroffen sind deshalb vorwiegend durch Krankheiten oder fortgeschrittenes Alter beeinträchtige Tiere oder Jungtiere“, sagt Frey.

… sondern der Mensch

Die wirklichen Bestien sitzen jedenfalls andernorts: „Es ist höchst an der Zeit diesen sinnfreien Verstößen gegen den Artenschutz einen Riegel vorzuschieben. Wir verlangen eine öffentliche Erklärung zum Schutz von Wölfen und Co. Sonst wird der WTV alle Natur- und Tierschutzvereine dabei unterstützen, alle erdenklichen rechtlichen Schritte gegen den illegalen Blutrausch zu setzen“, so Petrovic. Auch Hans Frey sieht das ähnlich: „Wie bei allen Lebewesen sollten wir uns auch den Wölfen gegenüber respektvoll und ehrfürchtig verhalten. Sie waren immer Bestandteil unserer Natur. Wir wollen, dass auf anderen Kontinenten Tiger, Löwen oder Elefanten bewahrt und geschützt werden und sind selbst nicht bereit, auch nur winzige Populationen „unbequemer“ Arten zu tolerieren“.

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