Neues Volksblatt: "Schlechtes Zeugnis" von Markus EBERT

Ausgabe vom 19. April 2017

Linz (OTS) - Jedes Ding hat bekanntlich zwei Seiten. Im Fall des steirischen Wirtschaftslandesrates Christian Buchmann ist die eine Seite klar: Er hat vor 17 Jahren in seiner Dissertation nach eigener Einschätzung „nicht gut genug gearbeitet“ — sprich er hat es laut Universität Graz „in Teilen der Arbeit unterlassen, die vollständige und umfängliche Zitierung von Werken anderer Autoren entsprechend zu kennzeichnen“. Als Konsequenz wurde Buchmann der Doktortitel aberkannt.
Mit Buchmanns angekündigtem Rücktritt ist das Thema Plagiat endgültig in der heimischen Politik angekommen, in Deutschland war das schon früher der Fall: 2011 musste Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gehen, zwei Jahre später Wissenschaftsministerin Annette Schavan.
Buchmanns Rücktritt eingefordert hatte in der Vorwoche der Präsident der Universitätenkonferenz, Oliver Vitouch. Was er, und damit sind wir bei der anderen Seite der Medaille, nicht getan hat war, die Frage nach Konsequenzen in den eigenen Reihen zu stellen. Denn unbestritten ist: Wenn Standards des wissenschaftlichen Arbeitens nicht eingehalten wurden, hätte das auch jemand beim Erststudium der Dissertation erkennen können, wenn nicht müssen. Ein Plagiat stellt somit nicht nur dem Autor, sondern auch dem verantwortlichen Rezipienten ein schlechtes Zeugnis aus. Darüber darf man sich an den Unis durchaus den Kopf zerbrechen.

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