Tiroler tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 9. April 2017. Von MARIO ZENHÄUSERN. "Angst ist die falsche Antwort".

Innsbruck (OTS) - Nizza, Berlin, London, Stockholm: Brutale Terroranschläge erschüttern das Friedensprojekt Europa in seinen Grundfesten. Trotzdem ist jetzt Besonnenheit gefragt. Gerade jetzt!

Es ist wie ein Albtraum. Vor nicht ganz neun Monaten begann in Nizza eine Serie von Anschlägen, die sich in Vorgangsweise der Täter und Auswirkungen auf fürchterliche Art und Weise gleichen. Die Täter steuern ihre Fahrzeuge ganz bewusst in Menschenmengen, um zu töten, um ein Massaker anzurichten. Sie legen dabei schonungslos offen, wie machtlos die Behörden diesem Phänomen noch immer gegenüberstehen. Obwohl die Aggressoren wie in Berlin oder auch in London „amtsbekannt“ waren, konnte niemand sie von ihrem furchtbaren Tun abhalten.
Wie also reagieren auf dieses Phänomen? Angst ist die falsche Antwort auf diese bis dato noch nie dagewesene Bedrohung. Aber weitermachen wie bisher, die Anschläge zu ignorieren, ist angesichts des Leids, das die Terroristen bis jetzt verbreitet haben und weiter verbreiten werden, auch nicht mehr möglich. In erster Linie braucht es jetzt Besonnenheit auf allen Ebenen. Gesteigerte Vorsicht ja, aber keine Panikreaktionen, sondern Selbstbewußtsein im Kampf um Freiheit und Toleranz.
Ausgehend von der traurigen Erkenntnis, dass Anschläge wie in Nizza, Berlin, London oder eben Stockholm in Wahrheit kaum verhindert werden können, sind alle Ebenen aufgefordert, ihren Beitrag zum Kampf gegen die Täter zu leisten. Nicht nur Polizei und Geheimdienste, die ihre Netzwerke endlich besser koordinieren müssen. Auch die Zivilgesellschaft kann ihren Beitrag leisten, indem sie näher zusammenrückt, sich gegenseitig unterstützt und zumindest versucht zu verhindern, dass Menschen in Gefahr geraten, sich mit radikalem Gedankengut zu infizieren. Denn jeder Einzelne, der vor dem Abgleiten in diese Welt aus Hass und Tod bewahrt werden kann, ist möglicherweise ein künftiger Terrorist weniger.

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