Neues Volksblatt: "Friedenspfeife" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 8. April 2017

Linz (OTS) - Ein bisschen mutet das, was bei den Grünen gerade passiert, wie ein Treppenwitz der Polit-Geschichte an. Gerade zu jenem Zeitpunkt, an dem die einstige Öko-Gruppe endgültig mitten im politischen Leben angekommen ist, erlebt sie die größte Zerreißprobe. Nur zur Erinnerung: Die Grünen sind in etlichen Landesregierungen vertreten, sie stellen Landeshauptleute-Stellvertreterinnen und sie haben mit Alexander Van der Bellen einen der (Gesinnungs-)Ihren in die Hofburg als Bundespräsident gebracht.
Und jetzt das — ein Streit mit der eigenen Parteijugend, der längst mehr ist als die üblichen Auseinandersetzungen in Parteien zwischen Altvorderen und der pubertierenden Jugend. Alleine die Tatsache, dass der Ausschluss der Jungen durch die Bundespartei von einzelnen Landesgruppen unterlaufen wird, zeigt, dass die Parteispitze ein massives Autoritätsproblem hat. Galt bisher eher das Unikum Peter Pilz — sozusagen der Silberrücken der Grünen — als gelegentlicher Amokfahrer gegen die Parteilinie, so haben es Glawischnig & Co. nun gleich mit der ganzen Nachwuchstruppe zu tun. Die ist nicht bloß aufmüpfig, sondern ebenso eloquent wie strukturiert widerborstig. Bestes Beispiel: Im Konflikt mit der Mutterpartei hat man ein „Krisen- und Strategieteam“ eingerichtet — etwas, das man mit ziemlicher Sicherheit der Parteizentrale voraus hat. Der finanzielle Liebesentzug wird wohl auch kaum dazu beitragen, dass bald die Friedenspfeife geraucht wird.

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