3. Frühjahrsempfang der Österreichischen Tierärztekammer

Unter dem Motto „Eingriffe bei Nutztieren" ging der 3. Frühjahrs-empfang über die Bühne - über 100 Gäste aus dem In- und Ausland folgten der Einladung

Wien (OTS) - Die Österreichische Tierärztekammer lud am Donnerstag, den 6. April 2017 zum 3. Frühjahrsempfang in das historische Ambiente des Parkhotel Schönbrunn nach Hietzing. Über 100 geladene Gäste aus dem In- und Ausland darunter hochrangige Vertreter der Tierärzteschaft, Ministerien, Landwirtschaftskammer, Universitäten sowie internationale Vertreter der Kammern aus Deutschland, Ungarn, Tschechien, Slowenien und Schweiz kamen, um über das international brisante Thema „Eingriffe bei Nutztieren“ zu diskutieren. Moderiert wurde die Veranstaltung von "Krone"-Tierexpertin und ORF-Moderatorin Maggie Entenfellner.

Einblicke in die Ferkelkastration in Norwegen gab Tierarzt Dr. Trond A. Braseth. Der am Polarkreis arbeitende Veterinär zeigte auf, dass es in Norwegen seit längerem ein allgemeines Kastrations- und Amputationsverbot gibt. Operative Eingriffe und Entfernen von Körperteile seien nicht gestattet, außer bei medizinischen Indikationen im Hinblick auf die Gesundheit des Tieres. Ausnahmen vom Verbot seien Enthornungen und Kastrationen. Die Ferkelkastration konnte vor 2002 noch von Laien, ohne Betäubung durchgeführt werden. Diese sei aber seither verboten, so Braseth. Auch das Schwanzkupieren sei in Norwegen verboten. Nur bei veterinärmedizinische Indikationen sei es erlaubt, und dürfe nur vom Tierarzt, unter Anästhesie und Analgesie durchgeführt werden. Braseth meinte weiter: „Generell können schmerzvolle operative Eingriffe nur unter Betäubung und von Tierärzten durchgeführt werden,“ das sei in Norwegen seit Langem Standard.

Über die Situation in Deutschland berichtete Dr. Siegfried Moder, Präsident des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (BPT): „Bei uns ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres verboten. Ausgenommen davon sind, unter acht Tage alte männliche Schweine, die kastriert werden.“

Eine Betäubung sei ferner nicht erforderlich für das Kürzen des Schwanzes von unter vier Tage alten Ferkeln sowie von unter acht Tage alten Lämmern. Ebenso gilt dies, für das Abschleifen der Eckzähne von unter acht Tage alten Ferkeln, sofern dies zum Schutz des Muttertieres oder der Wurfgeschwister unerlässlich sei.

„Leider sind alle derzeitigen Lösungsansätze bei der Betäubung nicht zufriedenstellend und keine Methode ist unter den derzeitigen gesetzlichen und vermarktungstechnischen Gegebenheiten für alle Betriebe geeignet“, so Moder. Der Handel sei weiters gefordert, Betäubungsmaßnahmen auch einzupreisen sowie eine Bewusstseinsbildung beim Konsumenten zu bewirken. Ein etwas höherer Fleischpreis würde auf Akzeptanz stoßen.

Regelung in der Schweiz

„In der Schweiz dürfen schmerzverursachende Eingriffe nur unter allgemeiner oder örtlicher Schmerzausschaltung von einer fachkundigen Person vorgenommen werden“, sagte Dr. Christoph Kiefer, Präsident der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST). Nur unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Tierhalterinnen und Tierhalter Eingriffe selbst ausüben: Eine Enthornung sei nur in den ersten drei Lebenswochen und eine Kastration von männlichen Jungtieren nur in den ersten zwei Lebenswochen des betreffenden Tieres und nur im eigenen Bestand erlaubt. Eine weitere Voraussetzung ist die Meldung des Tierhalters durch den Bestandstierarzt an das kantonale Veterinäramt.

„Die Ferkelkastration ist rechtlich seit 1.1.2009 nur noch mit Schmerzausschaltung erlaubt - dies betrifft 1,3 Millionen Ferkel pro Jahr. In Summe zählt die Schweizer Schweinehaltung 2.592 Zuchtbetriebe und 1,5 Millionen Schweine. “ Auch die Enthornung bei Zicklein sei seit 2008 nur noch unter Schmerzausschaltung möglich.

Über die gesetzliche Lage in Österreich berichtete Dr. Ulrich Herzog, Leiter der Abteilung VerbraucherInnengesundheit und Veterinärwesen des Gesundheitsministeriums. Er berichtete über die Novelle des Tierschutzgesetzes, die vor Kurzem folgendermaßen beschlossen wurde:
Eingriffe sind demnach nur zulässig, wenn sie nach wirksamer Betäubung durch einen Tierarzt oder durch eine unter Verantwortung des TGD Betreuungstierarztes zugezogene Hilfsperson sowie mit postoperativer Schmerzbehandlung von einem Tierarzt oder von einer sachkundigen Person durchgeführt wird. Voraussetzung für die fachkundige Person wird durch Verordnung des TAKG festgelegt.

„Im Unterschied zur Einbindung des Tierhalters ist somit eine neue rechtliche Basis - durch die Verknüpfung des Tierschutzgesetzes mit dem § 24 des Tierärztegesetzes sowie TAKG - geschaffen worden, um Ausbildungsinhalte und Umfang für, sowie Art und Weise der Einbindung einer Hilfsperson durch den Tierarzt in die Betäubung festlegen zu können“, so Herzog.

Die Kritik der Österreichischen Tierärztekammer ließ nicht lange auf sich warten, denn die Befürchtung, dass künftig Laien bzw. Landwirten ermöglicht wird, Medikamente mit psychotroper, narkotischer oder sedierender Wirkung zu verabreichen sei unverantwortbar.

«Derartige Medikamente haben in Laienhänden nichts verloren, sie gehören zwingend in die kompetenten Hände von ausgebildeten Tierärzten“, betonte Mag. Kurt Frühwirth, Präsident der Österreichischen Tierärztekammer. Dem
Medikamenten-Missbrauch würde so Tür und Tor geöffnet werden, es bliebe nur abzuwarten, wann die ersten „Anwender“ zu Schaden kämen. So manche „Stallapotheke“ könnte demnach bald von „Dealern“ heimgesucht werden. Die beabsichtigte schmerzfreie Durchführung von Kastrationseingriffen oder die Enthornung von Kälbern würde so nicht realisiert werden, im Alltag würden die Eingriffe wie auch bisher weiterhin ohne Schmerzausschaltung vom Landwirt selbst durchgeführt werden. Eine zwingend notwendige Kontrolle durch einen Tierarzt würde ebenso fehlen. Der Veterinär würde lediglich als Medikamentenlieferant und Feigenblatt fungieren, alle entsprechenden Konsequenzen für Mensch und Tier würden außer Acht gelassen werden. Mit einer regen Diskussion unter Beteiligung versierter Vertreter der Tierärzteschaft ging der informative Abend zu Ende.

Tierärztekammer-Präsident Frühwirth betonte abschließend: „Nur eine gemeinsame internationale Position der Tierärzteschaft kann bei diesem Thema Veränderungen bewirken. Wir dürfen uns nicht immer nur von der Wirtschaftlichkeit und Finanzierung ablenken lassen. Im Sinne der Tiere müssen wir Partnerschaften über die Grenzen hinaus eingehen und Veränderungen gemeinsam gestalten. Ein reger Austausch und eine gute Kommunikation wird uns helfen, schneller weiterzukommen.“

Weitere Informationen unter: www.tieraerztekammer.at

Bilder des Frühjahrsempfangs zum Download unter:
https://www.picdrop.de/markuswache/OeTK_Fruehjahresempfang

Fotocredit: ÖTK/Markus Wache

Rückfragen & Kontakt:

Rückfragehinweis für Medien:
Österreichische Tierärztekammer
Mag. Silvia Stefan-Gromen, Medien & Kommunikation
Hietzinger Kai 87, 1130 Wien, Tel. 01/512 30 78 DW 41
Email: silvia.gromen@tieraerztekammer.at
www.tieraerztekammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | TIE0001