Behinderung als Chance und wirtschaftliches Potenzial

Der Zero Project Unternehmensdialog zeigt auf, dass die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung kein Sozialprojekt ist, sondern wirtschaftliche Anliegen erfüllt.

Wien (OTS) - Heute findet in Wien der erste Zero Project Unternehmensdialog zum Thema Vielfalt ist MehrWert: Menschen mit Behinderung in Ihrem Unternehmen statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung erfahren UnternehmerInnen von anderen UnternehmerInnen, wie eine erfolgreiche Integration von Menschen mit Behinderung aussehen kann, was ausschlaggebende Schlüsselfaktoren sind und welche unterstützenden Rahmenbedingungen und Vorteile es gibt. Zudem bietet der Zero Project Unternehmensdialog den TeilnehmerInnen eine Plattform, um das Matching von Firmen und passenden MitarbeiterInnen zu besprechen und dabei neue Ideen zu entwickeln, zu diskutieren und umzusetzen.

„Es ist unser Ziel, allen Menschen mit Behinderung die Möglichkeit zu geben, durch eigene Arbeit, die auf ihre individuellen Fähigkeiten abgestimmt ist, ihr Einkommen zu verdienen“, sagt Martin Essl, Gründer der Essl Foundation und Initiator des Zero Project Unternehmensdialogs. „Dadurch erfahren sie Anerkennung und das Gefühl, gebraucht zu werden, was sich positiv auf ihr Selbstbewusstsein auswirkt. Aus meiner jahrelangen Erfahrung als Unternehmer weiß ich, dass diese Menschen sich auch durch vorbildliches Engagement, hohe Motivation und Loyalität auszeichnen.“

Besondere Talente erkennen und einsetzen

Eine Behinderung ist lediglich ein Merkmal von vielen, die einen Menschen ausmachen. Sie bedeutet nicht automatisch eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit der betroffenen Person. Oft entwickeln Menschen mit Behinderung gerade wegen ihrer Einschränkung ganz besondere Fähigkeiten und Talente. So lassen sich etwa gehörlose Menschen durch Geräusche oder Lärm kaum aus der Ruhe bringen und können daher auch in einem hektischen Umfeld konzentriert arbeiten. Menschen mit Autismus hingegen haben eine besonders strukturierte Arbeitsweise, eine hohe Toleranz für Routinetätigkeiten und exzellentes analytisches Denkvermögen. All dies sind ideale Voraussetzungen für eine Karriere als Programmierer oder Softwaretester. Bei blinden Menschen ist der Tastsinn besonders ausgeprägt. Diese Fähigkeit können sie hervorragend einsetzen wie beispielsweise als medizinische TastuntersucherInnen.

Klaus Schwertner, Generalsekretär Caritas der Erzdiözese Wien, erklärt: „Wichtig ist, die Stärken der Menschen in den Mittelpunkt zu rücken – denn behindert ist, wer behindert wird. Die Caritas ermutigt Menschen mit Behinderung, auch abseits traditioneller Angebote, Berufswünsche und Chancen zu entdecken. Das beginnt damit, Kindern und Jugendlichen möglichst vielfältige Bildungswege zu eröffnen und Angebote zu setzen, welche die Inklusion am regulären Arbeitsmarkt unterstützen.“

Wechsel auf die Überholspur

„Wenn Unternehmen den Blick weg von der Behinderung und hin zu den Fähigkeiten und Talenten lenken, eröffnen sie sich große Chancen. Denn wenn MitarbeiterInnen ihre Stärken voll ausspielen können, wechselt ein Unternehmen auf die Überholspur“, erläutert Gregor Demblin, Gründer der Unternehmensberatung für Chancengerechtigkeit und Barrierefreiheit myAbility. Umfragen wie der „Chancen Barometer“ zeigen, dass 93 Prozent der Unternehmen, die bereits Menschen mit Behinderung beschäftigen, mit ihrer Entscheidung sehr zufrieden sind. „Das sollte uns allen Mut machen, die Einstiegshürde in den Köpfen der Menschen zu überwinden“, ergänzt Demblin.

Große ungenützte Potenziale für die Wirtschaft

15 Prozent der Bevölkerung und damit auch 15 Prozent der KundInnen der Unternehmen haben eine Behinderung. Dieses große wirtschaftliche Potenzial bleibt bislang durch Skepsis oder Unsicherheit häufig ungenützt. Martin Essl unterstreicht: „Beschäftigung von Menschen mit Behinderung wird derzeit noch hauptsächlich als Sozialprojekt und viel zu wenig als wirtschaftliches Anliegen verstanden“. Chancen für Recruiting, Betriebsklima oder die Erschließung neuer Kundengruppen blieben zurzeit weitgehend ungenutzt, meint Essl.

Arbeitsstatistiken des US-amerikanischen Büros für Vocational Rehabilitation (berufliche Rehabilitation) zeigen, dass ArbeitgeberInnen Menschen mit Behinderung eine durchschnittliche bis überdurchschnittlich gute Arbeitsleistung attestieren. „Bisher stellen Menschen mit Behinderung eine kaum beachtete Ressource am Arbeitsmarkt dar. Werden diese Talente eingesetzt, profitieren sowohl Unternehmen als auch die betroffenen Menschen“, so Kari Kapsch, Vizepräsident Wirtschaftskammer Wien. „Immer mehr Unternehmen entdecken und nützen die Potenziale von Menschen mit Behinderung und sehen die Integration als Teil ihrer Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Es ist aber nicht nur das soziale Verantwortungsbewusstsein der Unternehmer, die sie dazu bringt, Menschen mit Behinderungen aufzunehmen, sondern auch wirtschaftliche Überlegungen, denn Menschen mit Behinderungen bringen oft besondere Talente in die Unternehmen ein.“

WU-Studie zeigt Erfolgsfaktoren

Innovative Erfolgsbeispiele in Unternehmen zeigen vor, wie es funktioniert. Eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien hat untersucht, welche Faktoren für die erfolgreiche Integration von Menschen mit Behinderung ausschlaggebend sind und welche Vorteile daraus für die Unternehmen entstehen. Die Studienergebnisse zeigen, dass es wichtig ist, MitarbeiterInnen mit Behinderung als vollwertige Arbeitskräfte anzuerkennen, und dass es eine offene Kommunikation zum Abbau von Stereotypen und Problemen braucht. Dann können Menschen mit Behinderung sinnvoll und entsprechend ihrer Stärken und Fähigkeiten in die Arbeitsabläufe integriert werden. Best-Practice-Beispiele illustrieren, wie positiv sich dies auf das Betriebsklima auswirkt – und zwar durch ein verbessertes Gemeinschaftsgefühl und höhere Loyalität zum Unternehmen. Konkret zeigt sich dies in geringerer Fluktuation und höherer Mitarbeiterzufriedenheit.

Peter Hacker, Geschäftsführer Fonds Soziales Wien, betont: „Die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung fördert die sozialen Kompetenzen eines Unternehmens und zeigt, dass Chancengleichheit mehr ist als ein Schlagwort. Dadurch können Firmen auch neue Zielgruppen ansprechen. Unser Integrationsfachdienst leistet wichtige Unterstützung bei der Auswahl geeigneter MitarbeiterInnen, die kostenfreie Einführung entlastet das Unternehmen.“

Eine Win-Win-Win-Situation

Durch die Integration von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt entsteht eine klassische Win-Win-Win-Situation für die Gesellschaft, das Unternehmen und den Einzelnen. Um für die Unternehmen die Einstellung von MitarbeiterInnen mit Behinderung so einfach wie möglich zu gestalten und etwaige Bedenken auszuräumen, bietet das Zero Project Netzwerk das erforderliche Know-how.

Veranstaltungsreihe Zero Project Unternehmensdialog

Um noch mehr Unternehmen über die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zu informieren, organisiert Zero Project sieben Unternehmensdialoge in den Bundesländern. Alle relevanten Stakeholder, EntscheidungsträgerInnen und UnternehmerInnen werden dort über bedeutsame und innovative Projekte und Entwicklungen diskutieren, die Menschen mit Behinderung besser in den Arbeitsmarkt integrieren. Eingebettet in die regionalen Rahmenbedingungen wird der Fokus anhand von Best-Practice-Beispielen auf Lösungen und Umsetzbarkeit liegen.

Über Zero Project

Das Zero Project ist eine Initiative der Essl Foundation, die sich weltweit für die Umsetzung der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung engagiert. „Zero“ steht dabei für eine Welt ohne Barrieren. Als Plattform analysiert und verbreitet das Zero Project vorbildliche Lösungen, die die tägliche Lebenssituation von Menschen mit Behinderung verbessern und ihre gesetzlichen Rechte stärken. In Zusammenarbeit mit über 3.000 ExpertInnen aus 180 Ländern werden jedes Jahr Best-Practice-Beispiele identifiziert, im Zero Project Report veröffentlicht und auf der Zero Project Conference vorgestellt. In einem Vierjahres-Zyklus werden zentrale Themen behandelt, 2016/17 sind es Beschäftigungsmodelle für Menschen mit Behinderung, 2018/19 ist es die Barrierefreiheit.

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