"Gäste / Gosti / Misafirler" - Lehrlinge errichten Skulptur am Karlsplatz

Ein Projekt der Kunsthalle Wien in Kooperation mit der Arbeiterkammer Wien und der Berufsschule für Baugewerbe.

Wien (OTS) - Am Rosa Mayreder Platz, dem exponierten nordwestlichen Teil des Karlsplatzes, im verkehrsumtosten Zentrum Wiens steht seit gestern, 3. April, "Gäste / Gosti / Misafirler", eine mehrteilige Skulptur mit einer Grundfläche von 4,5 x 4,5 m und einer Höhe von ca. 2,6 m, die nicht nur zum Betreten, sondern auch zum Verweilen einlädt.

Die Skulptur ist das Resultat einer intensiven, mehrere Monate dauernden Zusammenarbeit von Schülern der Berufsschule für Baugewerbe und dem Künstler Karsten Födinger. Initiiert wurde das Projekt von der Vermittlungsabteilung der Kunsthalle Wien in Kooperation mit der Arbeiterkammer Wien und der Berufsschule für Baugewerbe.

Das Projekt gründet auf der Initiative der Kunsthalle Wien, gemeinsam mit Partnerinstitutionen aus anderen Bereichen partizipative Projekte für Jugendliche zu entwickeln und deren Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst zu fördern. "Gäste / Gosti / Misafirler" nützt den Werkstoff Beton, ein Material, das den Lehrlingen im täglichen Umgang vertraut ist. Üblicherweise in rein zweckgebundener Verwendung, wurde durch den künstlerischen Input der Weg für eine experimentelle Herangehensweise bereitet.

Zur Skulptur

Das von den Schülern entwickelte Projekt hatte von Anfang an sozialen Charakter, was sich auch am Titel der Arbeit ablesen lässt. "Gäste / Gosti / Misafirler" ist ein Begriff in den drei Sprachen, in denen innerhalb der Klasse kommuniziert wird: Deutsch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Türkisch. "Gäste / Gosti / Misafirler" spiegelt aber auch – wie aus intensiven Gesprächen mit den beteiligten Jugendlichen hervorging – deren Wahrnehmung, sich am Karlsplatz und in der Wiener Innenstadt, anders als in ihren Wiener Heimatbezirken, nicht zu Hause zu fühlen. Ebenso, wie sie sich im Kunstumfeld, das die Kunsthalle Wien repräsentiert, fremd fühlen und mit diesem im Rahmen des Projekts erstmals in Kontakt traten. So entstand die Idee ein Gästehaus zu errichten – einen Ort, dessen Nutzung im Kern von einem sozialen Anliegen geprägt ist. Die Multinationalität, die sich im Titel widerspiegelt, wird in der Gestaltung der Außenwände der Skulptur wiederaufgenommen. Im Inneren verbinden Objekte aus Beton – eine Sitzbank, ein Box-Sack, die Silhouette eines Menschen und ein Vulkan – unterschiedliche Ebenen miteinander: Der Vulkan, ein spektakuläres Objekt, das auf manchmal eruptive Gefühle junger Menschen verweist; der Box-Sack als Symbol für Energie- oder Aggressionsabbau; die Bank als Einladung zum Innehalten.

Zur Kooperation

Eine wichtige Aufgabe der Kunsthalle Wien liegt in der Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Workshops wie dieser, der einer institutionenübergreifenden Kooperation entsprang und dessen sichtbares Zeichen die Skulptur im öffentlichen Raum darstellt, sind eine große Herausforderung, aber auch ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit. Nicolaus Schafhausen, Direktor der Kunsthalle Wien, unterstreicht: "Jugendliche und junge Erwachsene sind die Zielgruppe der Kunsthalle Wien. Wir versuchen mit partizipativen Projekten Hemmschwellen abzubauen, um Wege zum Verständnis zeitgenössischer Kunst zu eröffnen. Auch für Bevölkerungsgruppen, die vorderhand nicht so viel damit anfangen können. Ein wichtiger Baustein in dieser Vermittlungsarbeit ist die Kooperation mit unterschiedlichen Partnerinstitutionen. Daher gilt unser Dank neben den engagierten Jugendlichen und dem Künstler Karsten Födinger vor allem der Berufsschule und der Arbeiterkammer Wien." Thomas Prigl, stellv. Direktor der Berufsschule für Baugewerbe, erklärt: "Das Berufsfeld des Maurers ist von handwerklichem Geschick, Genauigkeit, Kreativität und einem innovativen Umgang mit dem Baumaterial Beton geprägt. Durch die Zusammenarbeit mit dem Künstler Karsten Födinger konnten die Schüler mit dem Baumaterial Beton experimentieren und ihre eigene Kreativität in die künstlerische Installation einbringen." Christoph Klein, Direktor der Wiener Arbeiterkammer ergänzt: "Uns von der Arbeiterkammer ist wichtig, dass alle Menschen die oft gar nicht so großen Geheimnisse eines Kunstwerks erkennen können. Das geht am besten, wenn sie es selbst entwickeln, gestalten und deuten – so, wie die Bau-Lehrlinge bei "Gäste / Gosti / Misafirler". Das Projekt zeigt nicht zuletzt: Lehrlinge können Kunst und bringen dabei neben ihrem handwerklichen Geschick enorme Kreativität ein."

Ablauf der Zusammenarbeit

Karsten Födingers Stahlbetonskulptur in der Ausstellung "Beton" (25.6. – 6.11.2016), die die Jugendlichen begeistert hatte, wurde zum Ausgangspunkt für den Arbeits- und Denkprozess.
Es folgte ein Besuch im C3- Atelier, um die innovativen Ansätze mit dem Werkstoff Beton im kommerziellen Design-Bereich zu diskutieren. Im Anschluss daran fand ein dreitägiger Workshop mit Karsten Födinger statt, wo Ideen besprochen, Konzepte entwickelt und Modelle gebaut wurden. Die praktische Umsetzung des Projekts hinsichtlich seiner statischen Überprüfung und der damit verbundenen behördlichen Abläufe ermöglichte ein intensiver Workshop mit der Architektin Monika Trimmel.
Kooperationsprojekte wie dieses tragen dazu bei, Hemmschwellen abzubauen und die Ich-Kompetenzen und das Selbstbewusstsein der Jugendlichen zu stärken. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit werden laufend in den Räumlichkeiten der Kunsthalle Wien ausgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So zuletzt beim Projekt pART, einer Zusammenarbeit mit Lehrlingen der Berufsschule für Frisur, Maske und Perücke, die ihre Ergebnisse im März 2016 in einer Ausstellung in der Kunsthalle Wien Museumsquartier präsentierten.

Pressefotos zum Download unter:
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