„Universum History“-Doku über die „Piraten des Kaisers“

Am 31. März um 22.45 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Im Ersten Weltkrieg entsandte die Deutsche Admiralität getarnte Schiffe. Sie sollten feindliche Handelsfrachter ausrauben und versenken sowie wichtige Handelshäfen der Alliierten verminen. Insgesamt zwölf Kaperschiffe wurden losgeschickt – keines kam so weit wie die „SMS Wolf“. Sie erreichte die Gewässer vor Australien und Neuseeland, ohne Funkverbindung und ohne einen Hafen anzulaufen legte sie 120.000 Kilometer zurück. Die Attentate der „Wolf“ beschäftigten bald Militärs, Geheimdienste und sogar das britische Parlament, wie „Universum History“ in Oliver Halmburgers Dokumentation „Piraten des Kaisers“ am Freitag, dem 31. März 2017, um 22.45 Uhr in ORF 2 zeigt.

Am 30. November 1916 verließ ein unscheinbarer Dampfer nachts den Hafen von Kiel. An Bord waren 348 Mann Besatzung sowie Verpflegung und Kohlenvorrat für mehrere Monate. Nur wenige kannten Ziel und Zweck der Fahrt. Zur Ladung des vermeintlichen Handelsschiffes zählten Hunderte Seeminen, Geschütze und Torpedorohre sowie eine Besonderheit: ein Wasserflugzeug namens „Wölfchen“, das als Aufklärer eingesetzt werden sollte. Der Frachter konnte die Masthöhen variieren und damit sein Aussehen verändern. Damals gab es noch kein Radar. Schiffe wurden sowohl anhand ihrer Silhouette erkannt als auch an der Beflaggung, die die „Wolf“ nach Bedarf wechselte.

Als die „Wolf“ losgeschickt wurde, hatte sich der Krieg längst zu einer desaströsen Materialschlacht ausgeweitet und bereits Millionen Tote gefordert. An Land standen einander die Armeen in einem zermürbenden Stellungskrieg gegenüber, in dem es hohe Verluste und kein Vorankommen gab. Auch die deutsche Bevölkerung litt unter der Lebensmittelknappheit. Denn die Handelsrouten der Weltmeere wurden von den Alliierten unter Führung Großbritanniens dominiert. Deutschlands kaiserliche Marine saß in den eigenen Häfen fest, da die feindliche Seemacht den Zugang zum Atlantik blockierte. Die Seeblockade trug wesentlich zur Schwächung des deutschen Heeres bei. Sie zu durchbrechen wurde zur strategischen Notwendigkeit. Eine offene Seeschlacht war allerdings aussichtslos, da die britische Flotte der des Kaisers weit überlegen war. Deshalb wurden Handelsschiffe bewaffnet und als sogenannte „Hilfskreuzer“ eingesetzt. Sie sollten unerkannt durch die Blockade kommen. Die deutsche Admiralität setzte dabei in erster Linie auf ihre U-Boot-Flotte, die Kaperschiffe waren eine kostengünstige Ergänzung, in die man anfangs nur wenig Hoffnung setzte.

Deshalb wurden die Kaperschiffe nicht mit den bestausgebildeten Mannschaften besetzt. An Bord der „Wolf“ dienten Reservisten, einfache Handelsmatrosen und Strafrekrutierte. Kapitän Karl August Nerger galt in Marinekreisen wegen seiner Verbindung zu einer Arbeitertochter als Außenseiter, war allerdings ein erstklassiger Seemann. Die Spannungen an Bord zwischen den gutbürgerlichen Offizieren und der einfachen Mannschaft spiegelten die damalige gesellschaftliche Ordnung Deutschlands wider. Unter den Matrosen war auch Theodor Plievier, der nicht zuletzt aufgrund der harten Bedingungen an Bord zum Revolutionär und später vielgelesenem Autor gegen den Krieg wurde.

Das Schiff war völlig auf sich allein gestellt. Es konnte keinen Hafen anlaufen, die Gefahr, entdeckt zu werden, war zu groß. Die Mission hing davon ab, wie geschickt die „Wolf“ als „Piratenschiff“ agierte. Raub war die einzige Möglichkeit, um genügend Lebensmittel und Kohle für die Heimfahrt verfügbar zu haben. Mit jeder Kaperung wuchs jedoch der Druck, da laut Kriegsrecht alle Zivilpassagiere am Leben erhalten und versorgt werden mussten. Bald waren doppelt so viele Menschen an Bord wie zu Beginn der Fahrt. Als die „Wolf“ im Februar 1918 nach 451 Tagen im Kieler Hafen einlief, hatte kaum jemand mehr an ihre Rückkehr geglaubt. Die „Piraten des Kaisers“ hatten 30 feindliche Schiffe versenkt und Güter im Wert von 40 Millionen Mark erbeutet. Zu diesem Zeitpunkt war der Krieg fast verloren. Für den Kaiser war Kapitän Nergers seemännisches Bravourstück willkommene Gelegenheit, ihn und die Mannschaft öffentlich zu Helden zu stilisieren, die den ungebrochenen Kampfgeist Deutschlands symbolisieren sollten. Nur wenige Monate später, im Oktober 1918, schloss sich Theodor Plievier dem Kieler Matrosenaufstand an, der innerhalb weniger Tage die landesweite Novemberrevolution entfachte, die das Ende der Monarchie besiegelte.

Als Grundlage für das Drehbuch dienten die Originaltagebücher von Karl August Nerger, Theodor Plieviers Roman über seine Fahrt auf der „Wolf“ sowie Augenzeugenberichte der Gefangenen an Bord. Zu Wort kommen Militärhistoriker Peter Hohnen und Journalist Richard Guilliatt, die gemeinsam das Buch „The Wolf“ verfassten. Uwe Nerger, Enkel des damaligen Kapitäns, lässt anhand von Erinnerungsstücken aus dem Nachlass seines Großvaters Geschichten und Geschichte persönlich greifbar werden.

Die Sendung ist auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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