„trend“: Runtastic-Chef fordert eine Revolution des Bildungssystems

Florian Gschwandtner, der CEO des Start-ups Runtastic, wünscht sich einen Big Bang im Bereich der schulischen Ausbildung und das Fach Informatik ab der ersten Schulstufe.

Wien (OTS) - Runtastic-CEO Florian Geschwandtner fordert eine Revolution des Bildungssystems, um einem Mangel an IT-Fachkräften und Technikern in Österreich entgegenzuwirken. In einem Interview mit der am Freitag erscheinenden Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "trend" sagt Gschwandtner, eine Änderung der schulischen Ausbildung sei "allerhöchste Eisenbahn" für die Wirtschaft des ganzen Landes: "Es ist so schade für den Standort Österreich, denn wir haben das Potenzial, doch wir vergeigen es einfach in der Grundausbildung und erzählen den Kindern nicht, was sie lernen sollen, damit sie nachher eine Chance haben." Und weiter: "Was wir brauchen ist eine Revolution, keine Evolution. Wir brauchen einen Big Bang. Wir müssen radikal in das ganze System reinschneiden und es modernisieren."

Vor allem die Vermittlung von Mathematik müsse völlig verändert und deutlich praxisnäher gestaltet werden. Geschwandtner im "trend": "Wer Mathematik lernt, wird Erfolg haben. Mathematik ist eine Notwendigkeit, um im Wirtschaftsleben, im Job und bei allem, was man später in seinem Leben macht, erfolgreich zu sein." Die rasante digitale Revolution des Wirtschaftslebens mache eine gute mathematische Grundausbildung mit ganz konkretem Bezug zum täglichen Leben für alle immer wichtiger, "aber das pädagogische Konzept ist seit Jahrzehnten unverändert". Gschwandtner kritisiert: "Den Kindern wird ein völlig falsches Verständnis von Mathematik vermittelt."

Viele der jetzigen Jobs werde es bald nicht mehr geben, weil sie durch digitale Technologie ersetzt werden. Das bedeute aber auch, dass es viel mehr Leute geben müsse, die diese Technologie verstehen und weiterentwickeln können: "Jeder der eine technologische Affinität hat und weiß, wie das alles funktioniert, hat praktisch eine Jobgarantie."

Außerdem wünscht sich Geschwandtner, dessen zu Adidas gehörende Fitness-App-Start-up Runtastic derzeit 40 offene Stellen nicht besetzen kann, weil es schon jetzt zu wenige IT-Fachkräfte in Österreich gebe, das Schulfach Programmieren "am besten gleich ab der ersten Schulstufe". Dabei solle es am Anfang der Ausbildung nicht gleich um das Programmieren von Software an sich gehen, sondern darum, ein Verständnis für digitale Technologien zu wecken. Im Idealfall solle Programmieren kombiniert mit Mathematik unterrichtet werden, "schließlich wird unsere Zukunft immer softwarelastiger".

Wenn Österreich nicht rasch reagiere und zu größeren Veränderungen des Bildungssystems bereit sei, könne das gefährliche Folgen haben. Gschwandtner: "Wir reden uns die Dinge in Österreich immer schön, sind stolz auf jede kleine Veränderung, so wie aktuell auf das sogenannte Schulautonomie-Paket. Doch das ist nicht genug. Am Ende des Tages bekomme ich als Unternehmer nicht das, was ich brauche."

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