Partezettel für den letzten österreichischen Estrichleger!

Der VÖEH (Verband der österreichischen Estrichhersteller) macht mit einer plakativen Kampagne die Politik auf das Sterben der österreichischen Unternehmen im Baunebengewerbe aufmerksam.

Wien (OTS) - Die österreichischen PolitikerInnen haben dieser Tage eine ungewöhnliche Post bekommen. In Form einer Urne mit Partezettel „Zum Gedenken an den letzten österreichischen Estrichleger“ wird auf die dramatische Situation in dieser Branche hingewiesen.

Gerade das Baunebengewerbe, wie zum Beispiel die Estrichbranche, ist von einer unternehmerfeindlichen Entwicklung betroffen. Einerseits gibt es aufwändigere Vorschriften durch Verordnungen und Normen sowie immer höhere Haftungsforderungen für österreichische Unternehmen, die bei Einsatz von ausländischen Unternehmen niemand prüft. Andererseits ist die Umsetzungsrealität im Bereich Lohn- und Sozialdumpinggesetz, die Entsenderichtlinie in Sachen Arbeitskräfteüberlassung und die ausgeweiteten Vergabevorschriften ohne Einsatz von Kriterien bei öffentlichen Mitteln oft sogar kontraproduktiv und zahnlos. Österreich steht innerhalb der EU als einziges Land 9 Billigstlohnländern gegenüber, die die schwer erkämpften sozialen Errungenschaften umgehen und daher das österreichische Lohnniveau mit den enormen Lohnnebenkosten untergraben. Unter diesen Voraussetzungen ist eine Qualitätsarbeit, ausgeführt von einem österreichischen Unternehmen, eigentlich nicht mehr konkurrenzfähig“, beschreibt VÖEH-Obfrau Christa Pachler die derzeitige Situation.

Vorstandsmitglied Robert Tucheslau blickt daher besorgt in die nahe Zukunft: Die Konsequenz ist, dass es zu einem gewaltigen Unternehmenssterben“ im Baunebengewerbe kommt. Weiters gehen praktische Ausbildungsplätze für die Jugend und vor allem Arbeitsplätze unwiederherstellbar verloren. Der österreichische Mittelstand wird sich in arm und reich auflösen. In einer Zeit der Rekordarbeitslosigkeit kann dies nicht im Sinne der politischen Verantwortlichen und der damit verbundenen Gesetzgebung sein.“

Der VÖEH fordert ein rasches Umdenken der Politik und die Schaffung von gesetzlichen Rahmenbedingungen, mit denen ein Qualitätsbetrieb, der seine Abgaben und Steuern in Österreich zahlt, auch wieder wettbewerbsfähig sein kann. Der Verband der österreichischen Estrichhersteller (VÖEH) wurde 1990 als Plattform für die Estrichhersteller gegründet. Der VÖEH ist eine Vereinigung von führenden Unternehmen auf dem Sektor Estrich und Industriefußböden. Mitglieder sind Estrichlegerfirmen und in die Estrichverarbeitung involvierte Industriebetriebe.

Forderungen:

1. dass eine EU-rechtskonforme Reform des Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes (LSD-BG) unverzüglich in Angriff genommen wird, wobei insbesondere auch zu prüfen ist, ob dessen Rückführung auf den Stand von 2011 sinnvoll wäre. Dabei soll die Nichteinhaltung von Mindestarbeitsbedingungen für grenzüberschreitend entsandte Arbeitnehmer durch Verwaltungsstrafen sanktioniert werden. Im Wiederholungsfall wird das ausländische Unternehmen bzw. der Geschäftsführer namentlich für inländische Tätigkeiten gesperrt.

2. dass die Vollstreckbarkeit von Verwaltungsstrafen im Ausland im Zusammenhang mit der Bekämpfung von grenzüberschreitendem Lohn- und Sozialdumping, z.B. durch den Abschluss von bilateralen Vollstreckungsabkommen, in der Praxis sichergestellt wird.

3. dass die Entsenderichtlinie in Sachen Arbeitskräfteüberlassung in der EU und die damit verbundene Sozialversicherungspflicht in den ersten Monaten im Herkunftsland geändert wird. Die Sozialversicherungspflicht soll in dem Land, wo der Auftrag durchgeführt wird vom ersten Arbeitstag, für alle entsendeten ArbeitnehmerInnen gelten.

4. dass der gemeinnützige Wohnbau massiv durch vorwiegend Landesebene subventioniert wird. Es sollen daher Kriterien aus dem mühsam novellierten Bundesvergabegesetz für geförderte Bauleistungen zur Anwendung kommen und nach Beendigung dokumentiert werden.

Rückfragen & Kontakt:

Ing. Robert Tucheslau Tel: 02236-311186, email: office@estrichverband.at

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