ORF-DialogForum mit dem Erfinder des Ig-Nobelpreises, Marc Abrahams

Zum Thema „Fakten: Relativ, alternativ, diskursiv?“

Wien (OTS) - Was sind Fakten eigentlich? Wer muss dabei etwas beweisen? Wie gehen wir mit Information um? Was hören wir, wenn von der „Wahrheit“ gesprochen wird? Über diese und andere Fragen diskutierten gestern Abend, am Dienstag, dem 28. März 2017, im ORF RadioKulturhaus, unter der Leitung von Konrad Mitschka, ORF-Public-Value, der Medien- und Kommunikationswissenschafter Matthias Karmasin, Krone.at-Chefredakteur Richard Schmitt, Franziska Tschinderle, Journalistin bei „Datum“, Lisa Totzauer, Nachrichtenchefin ORF eins, und Marc Abrahams, Keynote Speaker des Abends.

Als Gründer und Organisator des Ig-Nobelpreises erkundet Marc Abrahams die kuriosen Ergebnisse der Spitzenforschung der Welt und zeigt, dass mit Humor das öffentliche Interesse an Wissenschaft gefördert werden kann. Der „guru of academic grunge“, wie ihn die „Washington Post“ nannte, resümierte in seiner Keynote: „Es gibt viele akademische Studien über die Verbreitung von Fake-News. Eine davon beschreibt den sogenannten Dunning-Kruger-Effekt: Dunning und Kruger, die für ihre Arbeit im Jahr 2000 mit dem Ig-Nobelpreis im Bereich Psychologie ausgezeichnet wurden, bezeichnen damit eine kognitive Verzerrung, bei der weniger kompetente Menschen die Tendenz haben, das eigene Können zu überschätzen und die Kompetenz anderer zu unterschätzen. Diese unkritische Wahrnehmung bietet den idealen Boden für die Verbreitung von Fake-News.“

Medien- und Kommunikationswissenschafter Matthias Karmasin betonte bei der anschließenden Diskussionsrunde: „Um Fake-News entgegenzuwirken, müssen traditionelle Medien zu ihren Kernkompetenzen zurückfinden, nämlich die Trennung von Nachricht und Bericht, die Trennung von werblichen und redaktionellen Inhalten und die Trennung von Fakten und Fiktionen – und Zweifel offenlegen, wenn der Inhalt nicht verifizierbar ist.“

Lisa Totzauer, Nachrichtenchefin ORF eins, appellierte an den „Mut“ der Medien, sich für gründliche Recherche Zeit zu nehmen: „Es muss uns bewusst sein, dass mit dem Modewort ,Fake-News‘ und dem damit verbundenen Phänomen die Aufmerksamkeit unseres Publikums zugenommen hat und unsere Glaubwürdigkeit als Medienmacher täglich aufs Neue auf dem Prüfstand steht.“

Krone.at-Chefredakteur Richard Schmitt ergänzte: „Durch den enormen Zeitdruck, der noch immer zunimmt, und durch die Konkurrenzsituation am Medienmarkt insgesamt, sind Journalisten heute mehr denn je gefordert, Inhalte – vor allem im Social-Media-Bereich, da er keinen Kontrollen unterliegt, zu prüfen, um keinen Falschmeldungen aufzusitzen. Darin liegt unsere Verantwortung.“

Franziska Tschinderle, Journalistin bei „Datum“, hielt dagegen: „Das Potenzial von Monatsmagazinen liegt darin, dass sich Journalisten lange mit einem Thema befassen können, Hintergrundreportagen brauchen Zeit und Ressourcen. Die Frage ist, wie man den User auch im Internet dazu bringt, lange Geschichten zu lesen.“

Diskutiert wurde dieses Mal in einem komplett neuen DialogForum-TV-Format: Statt traditioneller Podiumsrunde argumentierten jeweils zwei Diskutantinnen und Diskutanten miteinander. Klaus Unterberger, Leiter ORF-Public-Value: „Aufgabe des ORF-Public-Value-Kompetenzzentrums ist es, Medienqualität zu kontextualisieren. Gerade öffentlich-rechtliche Medien müssen sich an die Spitze des Medienqualitätsdiskurses setzen. Das ist mit dem neuen TV-Format eindrucksvoll gelungen. Die Zuschauer können sich davon am 9. April in ORF III selbst ein Bild machen.“

Eine Aufzeichnung des ORF-DialogForums ist am Sonntag, dem 9. April, um 22.50 Uhr in ORF III zu sehen, nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand in der ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) und auf zukunft.ORF.at abrufbar.

Das ORF-DialogForum ist eine Initiative des ORF, das Gespräch mit seinem Publikum, den österreichischen Institutionen, den Organisationen und Gruppen der Gesellschaft zu beleben.

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