SP-Klubtagung Jürgen Czernohorszky: „It takes a Grätzl to raise a child" - Das Wiener Bildungsgrätzl

Bildungsstadtrat setzt auf neue Form der Bildungskooperation

Wien (OTS/SPW-K) - Das Sprichwort „It takes a village to raise a child” - man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen - soll in Wien in Form von „Bildungsgrätzln“ Realität werden. „Die Idee dahinter ist, dass Kinder dann die besten Chancen haben, wenn die gesamte Gemeinschaft Anteil an ihrer Entwicklung nimmt und aktiv etwas dazu beiträgt“, betont Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky im Rahmen der heutigen Tagung des SPÖ-Rathausklubs. „Jedes Kind verdient die Chance, seine Talente zu entfalten, sein Potenzial auszuschöpfen!“

„Was wir dafür brauchen, ist ein Bildungssystem, bei dem der lernende Mensch im Mittelpunkt steht“, so Czernohorszky weiter. „Dieses neue Lernen hat etwas mit Entwicklung zu tun, mit Erfahrungen, Einsichten und Erlebnissen. Um diese Form des Lernens zu fördern, brauchen wir eine radikale Öffnung und Vernetzung aller verfügbaren Bildungsangebote.“ Diese Vernetzung sollte aber nicht willkürlich erfolgen. „Ein gutes Zusammenspiel kann am ehesten gelingen, wenn man möglichst lokal und in seiner unmittelbaren Umgebung damit beginnt – also in einem überschaubaren, vertrauten Rahmen.“

„Dafür ist es besonders wichtig, dass alle an einem Strang ziehen – und dabei spielen Bildungseinrichtungen wie Schulen eine wichtige Rolle“, zeigt sich Stadtschulratspräsident Heinrich Himmer überzeugt.

Zwtl.: Das Konzept der „Wiener Bildungsgrätzl =
 

Die Wiener Bildungsgrätzl sind lokale Kooperationen von verschiedenen Lerneinrichtungen, aber auch mit Vereinen, Initiativen und Einrichtungen in unmittelbarer Umgebung, die etwas zum Lernen beitragen können. Einbezogen werden können Kindergärten, verschiedenste Schulformen, Freizeiteinrichtungen, Jugendtreffs, Volkshochschulen, Musikschulen, Büchereien und vieles mehr. „Im Zusammenspiel der vielfältigsten Angebote wird es auch möglich, dass für alle individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der lernenden Menschen etwas dabei ist“, so Czernohorszky. „Das Bildungsgrätzl ist aber keine theoretische Vision, sondern wird in vielen Regionen Wiens bereits seit Jahren gelebt. Auch unser Modell des Bildungscampus zählt dazu.“ 

Zwtl.: Bildungsgrätzl Spielmanngasse = 

Das Konzept soll aber auch im dichtverbauten Stadtgebiet zur Anwendung kommen. So ist beispielsweise ein neues Bildungsgrätzl rund um die Spielmanngasse und Dietmayergasse im 20. Bezirk geplant. Dort gibt es derzeit zwei Volksschulen, eine Singschule, einen MA 10 Kindergarten, das Vienna Nachwuchszentrum und das Hallenbad Brigittenau. „Bis zum Schuljahr 2018/19 werden die beiden Volksschulen um 16 Klassen für 10 bis 14-Jährige erweitert“, so Jürgen Czernohorszky.

„Das wird aber keine eigene Mittelschule mit eigener Direktion werden, sondern die Klassen werden an die bestehenden beiden Volksschulen angeschlossen. Die Ressourcen für die nicht benötigte NMS-Direktion werden den VolksschuldirektorInnen zur Verfügung gestellt und wir schaffen eine Unterstützung im Verwaltungsbereich“, so Czernohorszky.

Insgesamt werde damit auch die Nahtstelle zwischen Volksschule und Mittelschule optimiert. „LehrerInnen der Volksschule können auch in die Mittelschule mitgenommen werden. Auch ein gemeinsames pädagogisches Profil für die gesamte Schullaufbahn von 6 bis 14 an einem Standort soll entwickelt werden“, so der Bildungsstadtrat. Darüber hinaus sollen bestehende Kooperationen mit der Singschule und den Bildungspartnern vor Ort strukturiert ausgebaut werden. Alle gemeinsam können, auch mit dem Bezirk, an Schwerpunkten und gemeinsamen Plänen für die Zukunft des Grätzls mitarbeiten.

Ähnliches ist aber auch in vielen weiteren Bezirksgrätzln vorstellbar. In Wien gibt es über 90 Schulstandorte, an denen Volksschulen und Neue Mittelschule in unmittelbarer Nähe liegen. An über 20 Standorten liegt auch noch ein MA 10 Kindergarten in der Nähe, an 14 Standorten zudem noch eine Bücherei. „Das bietet viel Potential für weitere neue Bildungsgrätzl“, ist Jürgen Czernohorszky überzeugt. 

Zwtl.: Bildungsgrätzl Schönbrunn und Campus Donaufeld = 

Ein Beispiel, das jetzt schon läuft, und auf dem weiter aufgebaut werden kann, ist im 15. Bezirk beheimatet: Im „Bildungsgrätzl Schönbrunn“ arbeiten vier Bildungseinrichtungen zusammen. Der Kindergarten in der Dadlergasse, die Ganztagsvolksschule Reichsapfelgasse, die Wiener Mittelschule Kauergasse und das Oberstufenrealgymnasium am Henriettenplatz.

„Hier wurde die Möglichkeit geschaffen, dass Kinder durchgängig Spanisch lernen“, erzählt Stadtschulratspräsident Heinrich Himmer. „Von der Volksschule Reichsapfelgasse, über die Wiener Mittelschule Kauergasse bis zur Matura im Oberstufenrealgymnasium Henriettenplatz.“ Darüber hinaus finden auch gemeinsame Unterrichtsstunden und Freizeitaktivitäten der Volksschule Reichsapfelgasse und dem Kindergarten statt. In diesem Schuljahr wird für die Kindergartenkinder auch ein Spanischkurs an der Schule abgehalten.

Doch auch der Bildungscampus kann die Funktion eines „Grätzls“ übernehmen. So vereint beispielsweise der Campus Donaufeld nicht nur Kindergarten-, Schul- und Freizeitpädagogik, sondern steht auch in enger Kooperation mit weiteren BildungspartnerInnen wie Bücherei, Musikschule, Sportvereinen, Volkshochschulen, der bafep21 und auch Wirtschaftsbetrieben. „Der Campus Donaufeld ist ein wunderbares Beispiel für ein komplett neu entstandenes Grätzl mit neuen Wohnbauten rund um Bildungseinrichtungen“, so Heinrich Himmer.  

Zwtl.: Grätzl-Projekte „Burschenarbeit“ und „Summer Schools“ = 

Das Bildungsgrätzl – ob im dicht verbauten Gebiet oder in neuen Stadtvierteln rund um einen Campus – bietet aber auch Raum für konkrete Projekte, „mit denen wir Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft begegnen wollen“, so Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky.

Ein Fokus dabei soll auf dem Thema „Burschenarbeit“ liegen. Zielgruppe sind junge Männer, die auf Identitätssuche oft in ihrer Geschlechterrolle verunsichert und dadurch auch leicht empfänglich für radikale Ideologien sind. „Unsere Jugendarbeit in Wien hat auch schon viele Schwerpunkte in diesem Bereich gesetzt“, so Jürgen Czernohorszky. „Wir wollen aber noch mehr tun: Zum Beispiel im Sportbereich in Zusammenarbeit mit Kampfsportvereinen, bei denen die Trainer als positive männliche Vorbilder auftreten – wie Not in Gods Name. Und wir werden noch dieses Jahr ein Projekt mit vielen verschiedenen Partnerorganisationen starten, wo es darum geht, Burschen in Wien emanzipatorische, gleichberechtigte und egalitäre Männerbilder näherzubringen.“

Ein weiteres Grätzl-Projekt sind die „Summer Schools“. In der Stadt gibt es schon jetzt während des Sommers viele verschiedene Angebote, „mit den ‚Summer Schools‘ soll nun das Ferienbetreuungsangebot für Kinder in Wien um den Aspekt der Grundkompetenzen-Förderung erweitert und verstärkt angeboten werden“, betont Jürgen Czernohorszky. „Dabei soll der Rückfall, insbesondere für Kinder mit Sprachdefiziten, im Sommer minimiert werden und andererseits ein cooles Ferienbetreuungsprogramm für Kinder und Jugendliche an Wiener Schulen geschaffen werden.“

Die klassischen Lernangebote sollen durch spannende Freizeitaktivitäten in den Bereichen Forschung, Sport und 'Natur entdecken' ergänzt werden. Schon diesen Sommer werden – zusätzlich zu den anderen Sommerangeboten – ein bis zwei Pilotprojekte an Wiener Schulen stattfinden, 2018 sollen Sommerschulen an vielen weiteren Wiener Schulen zum Ferien-Alltag gehören. 

ZWtl.: „It takes a Grätzl to raise a child“ = 

„Ich möchte alle BildungspartnerInnen und explizit jeden einzelnen Bezirk einladen, die Entwicklung der Wiener Bildungsgrätzl mitzugestalten“, betont Jürgen Czernohorszky. „Wir beginnen heute und hier und jetzt damit. Weil Bildung nicht mehr nur in der Schule stattfindet, sondern überall dort, wo die Wiener Kinder sind: Zuhause bei ihren Eltern, in der Schule, im Jugendzentrum, im Musikverein, der Bibliothek oder im Park ums Eck. Kurz gesagt: It takes a Grätzl to raise a child!"

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Michaela Zlamal
Mediensprecherin StR Jürgen Czernohorszky
+43 664 819 87 52
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Mediensprecher des Stadtschulrats für Wien
Tel.: +43 1 52525-77014
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Tom Woitsch
Mediensprecher SPÖ Wien Rathausklub
Tel.: +43 1 4000-81 923
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