Bischöfe: Loyal zum Papst, kritisch zum EuGH-Entscheid

Kardinal Schönborn plädiert bei Pressekonferenz für "ungezwungenen Umgang" mit religiösen Symbolen - Vollverschleierung im öffentlichen Raum für Bischöfe "gesellschaftlich unerwünschtes Verhalten", aber keine Zustimmung zu allgemeinem Verbot

Wien (KAP) - Loyalität gegenüber dem Papst, "wie immer er heißt", ist für Kardinal Christoph Schönborn "ganz normales katholisches Verhalten". Auf jüngst verbreitete, eigentlich aber gar "nicht notwendige" Solidaritätserklärungen mit Franziskus angesichts von als überzogen empfundener Papstkritik gebe es eine "einfache Antwort":
"Er ist der Papst", so Schönborn lapidar. Der Papst sei nicht in allen Bereichen "unfehlbar" und es sei durchaus erlaubt, in manchem zu einer anderen Meinung zu gelangen, Kritik am Papst müsse aber respektvoll und angemessen sein. Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz äußerte sich am Freitag in Wien bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Vorarlberg.

Angesprochen auf den jüngsten EuGH-Entscheid, wonach Arbeitgeber ihren Angestellten künftig Anstoß erregende religiöse und Symbole verbieten können, verwies Schönborn auf viele ungeklärte Fragen dabei: Ist etwa ein Palästinensertuch ein politisches Symbol, oder ein religiöses? Ist ein als Schmuckstück getragenes Kreuz ein religiöses Bekenntnis? Hier gebe es noch einen sehr "unpräzisierten Bereich", dem aber besser mit nichtjuristischen Mitteln beizukommen sei, wie der Kardinal meinte und sagte: "Ich halte diesen Weg nicht für sehr glücklich". Der Kardinal plädierte für einen "ungezwungenen Umgang" mit dem Thema. So gehöre es "zum Reiz und zur Lebendigkeit" einer pluralen Gesellschaft, dass sich ihre Mitglieder auch vielfältig zu ihren Glaubensüberzeugungen bekennen können.

Nein zu generellem Verhüllungsverbot

Der Wiener Erzbischof stellte bei der Pressekonferenz die sechs im Rahmen der Bischofs-Vollversammlung im Stift St. Gerold verabschiedete Erklärungen vor; behandelt wurden die Themen Integration, Pfarrgemeinderatswahlen, Menschen mit Down-Syndrom, Hilfe für Christen im Irak, Menschenrechte auf den Philippinen und "Agenda 2030" der UNO.

Ja zur Integration, aber Nein zu einem generellen Verhüllungsverbot, so die Positionierung der Bischöfe in ihrer Stellungnahme zum geplanten Integrationsgesetz. Das Anliegen, dass Integration die Bereitschaft zur Kommunikation voraussetzt, teilen die Bischöfe mit den Worten: "Wir leben in einer Kultur des offenen Gesichts, die nicht zuletzt in diesem Punkt auch christlich geprägt ist." Vollverschleierung im öffentlichen Raum sei daher ein "gesellschaftlich unerwünschtes Verhalten" , betonen die Bischöfe. Statt eines allgemeinen Verbotes schlagen die Bischöfe aber vor, klar zu regeln und zu begründen, in welchen konkreten Fällen das Gesicht zu zeigen ist, beispielsweise in der Schule und im Gericht.

Wer als Flüchtling in Österreich Aufnahme findet, braucht - so die Bischöfe weiter - auch Unterstützung bei der Integration, die für ein friedliches und menschenwürdiges Zusammenleben notwendig ist. Zugleich gelte: "Wer nach Österreich kommt und hier leben will, muss die unbedingte Geltung der Menschenrechte, der Religionsfreiheit und der gleichberechtigten Stellung von Mann und Frau anerkennen."

Gegenstand der Beratungen waren außerdem die Pfarrgemeinderatswahlen, die am kommenden Wochenende österreichweit stattfinden: 4,6 Millionen Katholiken sind am 19. März aufgerufen, in 3.000 Pfarren ihre Vertreter auf Gemeindeebene zu wählen. Die Bischöfe ermuntern die Gläubigen ausdrücklich dazu, diese Chance zur Mitbestimmung des Kurses der Kirche vor Ort wahrzunehmen.

Aus Anlass des Welt-Down-Syndrom-Tages am 21. März haben die Bischöfe außerdem zu mehr Wertschätzung und Hilfen für Menschen mit Down-Syndrom aufgerufen. Menschen mit Trisomie 21 sollten "eine vitale Rolle in unserem Leben und unserer Gemeinschaft spielen". Die Bischöfe warnen vor bedrohlichen Tendenzen einer "latent vorhandenen eugenischen Grundhaltung" in der Gesellschaft. Diese sei zutiefst abzulehnen.

Christen im Irak nicht im Stich lassen

Der außenpolitische Blick der Bischöfe richtete sich u.a. auf die Situation der Christen im Irak: So unterstützen die Bischöfe den chaldäisch-katholischen Patriarch Louis Sako in seinem eindringlichen Appell an den Westen, die Christen im Irak nicht im Stich zu lassen.

Weiters haben die Bischöfe mehrere Menschenrechtsprobleme und Entwicklungsfragen besprochen, so etwa im Blick auf den Nahen Osten, die UN-"Agenda 2030" für nachhaltige Entwicklung und die Lage auf den Philippinen. Die UN-Agenda sei ein hoffnungsvolles Zeichen, dass "eine positive Veränderung der Welt möglich ist und dass die Weltgemeinschaft Probleme gemeinsam lösen will und muss", betonen die Bischöfe. Die Agenda setze konkrete Ziele für die zentralen Politikbereiche von Gesundheit, Armut, Bildung, Wirtschaft, Infrastrukturen und Arbeitsplätze bis zu Energie und Umweltschutz.

Zölibat offen diskutieren

Zur jüngst auch von Papst Franziskus in einem Interview behandelten Frage einer möglichen Priesterweihe von "Viri probati" (bewährten Männern) erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Papst habe dabei von Regionen mit dramatischem Priestermangel gesprochen. Schönborn bezweifle, ob Franziskus dabei auch Österreich im Auge hatte.

Mit dem nachsynodalen Schreiben "Amoris laetitia" und Positionierungen anderer Bischofskonferenzen habe sich die Österreichische Bischofskonferenz bei ihrer Tagung ebenfalls beschäftigt. Sie sehe derzeit aber keine Notwendigkeit für eigene Richtlinien.

Warum manche anstehenden Bischofsernennungen in Österreich (Neubesetzungen stehe in Innsbruck, aber auch in St. Pölten an) lange dauern, erklärte Kardinal Schönborn mit dem gründlichen Sondierungsprozess, der einer solchen Entscheidung vorausgehe.

Zurückhaltend äußerte sich der Kardinal zur jüngst bekannt gewordenen Vorlage des Ministerrates über mögliche Rentenzahlungen an Missbrauchsopfer durch die Träger von Einrichtungen, in denen Betroffene zu Opfern von Übergriffen wurden. Eine Stellungnahme könne erst erfolgen, wenn der Gesetzesentwurf in Begutachtung kommt. Grundsätzlich hielt Kardinal Schönborn fest, "erhebliche rechtliche Bedenken" seien dagegen anzumelden, würden aus freiwillig und außergerichtlich erfolgten Hilfszahlungen an Missbrauchsopfer automatisch Rentenansprüche abgeleitet werden.

Ein Schwerpunktthema der Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung waren auch Schule und Bildung. Die katholische Kirche sei "weltweit ein Gigant im Bildungswesen", auch in Österreich gebe es hier kirchliches Engagement vom Kindergarten bis zu den Hochschulen, so Schönborn. Das Engagement der heimischen Kirche in der Lehrerausbildung in Form der Kirchlich-Pädagogischen Hochschulen erachten die Bischöfe als sehr wichtig. Die vor einigen Jahren getroffene Entscheidung, weiterhin als Kirche Pflichtschullehrer sowohl für Religion als auch für die literarischen Fächer auszubilden, "war richtig und wurde bekräftigt".

Alle Erklärungen der Bischofskonferenz im Wortlaut unter:
http://www.bischofskonferenz.at/publikationen/presseerklaerungen-3532
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