Wiener Tierschutzverein: Fischotter - Heutiger Protest ist nur der Anfang

WTV ergreift umfangreiches Maßnahmenpaket zur Rettung der Fischotter in Niederösterreich: Protestkundgebung, Anzeige wegen Tierquälerei, Antrag auf Parteistellung

Vösendorf (OTS) - Vor der Plenarsitzung im niederösterreichischen Landtag haben Vertreter des Wiener Tierschutzvereins (WTV) und weitere Sympathisanten am Donnerstagvormittag vor dem Landhaus in St. Pölten eine Protestkundgebung mit dem Titel „Unsere Otter sollen leben“ abgehalten. Mit einem 20 Meter langen Transparent wurde der Unmut über geplante Tötung von 40 Fischottern zum Ausdruck gebracht. Darüber hinaus wurde seitens des WTV in dieser Causa Anzeige wegen Tierquälerei erstattet sowie auch Parteistellung beim Land NÖ im Sinne der auch in Österreich geltenden Aarhus Konvention beantragt. „Wir werden dieses völlig sinnfreie und tierquälerische Vorhaben mit allen uns zu Verfügung stehenden legalen Mitteln bekämpfen“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Zusätzlich dazu wurde bei der NÖ Landesregierung ein Antrag auf Zustellung des Bescheides, mit welchem das Einfangen und der Abschuss von 40 männlichen Fischottern bewilligt wird, inklusive sämtlicher Gutachten, die diesem Bescheid zugrunde liegen, gestellt.

Abschuss ohne genaue Prüfung bewilligt

In der Anzeige heißt es unter anderem: „Die Anordnung des Abschusses ist strafrechtswidrig, weil die mutwillige Tötung eines Wirbeltieres nach § 222 Abs 3 StGB verboten ist. Die Anordnung ist einer Bestimmung im Sinne des § 12 StGB zur mutwilligen Tötung dieses streng geschützten Tieres gleichzusetzen. Mutwilligkeit liegt dann vor, wenn kein vernünftiger Grund für die Tötung gegeben ist“. Und vernünftige Grüne gibt es nachweisbar keine: „Der Bescheid wurde ohne die geringste Prüfung der Lage ausgestellt. Erstens, darf der geltende Artenschutz nicht einfach außer Kraft gesetzt werden. Zweitens, beruht der Abschlussplan auf keiner wissenschaftlichen Basis. Drittens, ist die Anzahl der Otter, die bejagt werden dürfen, völlig aus der Luft gegriffen. Man weiß nicht wie viele Fischotter genau in Niederösterreich leben, daher kann der Abschuss keinesfalls eine regulierende Maßnahme sein. Denn es gab seit 2008 keine offizielle Zählung der Tiere mehr", sagt Petrovic. Daher fordert der WTV wissenschaftliche Untersuchungen der Gründe, warum der Fischbestand in Niederösterreich zurückgeht, bevor 40 Otter sinnlos sterben müssen.

Land NÖ widerspricht sich selbst

Zudem sind Fischotter entgegen der Behauptungen der Abschuss-Befürworter für das Ökosystem extrem nützlich: „Fischotter fressen hauptsächlich schwache, kranke und von Parasiten befallene Fische. Sie sind damit - ähnlich wie die Ameisen - eine Art Gesundheitspolizei", so Petrovic. Darüber hinaus widerspricht sich das Land NÖ selbst mit der geplanten Maßnahme. Denn das Land NÖ zählt in seiner eigenen Fischotterinfobroschüre viele Möglichkeiten für die Abnahme des Fischbestandes auf. Darin steht etwa: "Ein festgestellter Schaden (= Verlust an Fischen) kann nie zu 100 Prozent zweifelsfrei dem Fischotter zugeordnet werden. Faktoren wie ungünstiges Klima und mangelnde Wasserqualität, sowie auch die Art der Teichbewirtschaftung können ebenfalls einen großen Einfluss auf die Fischernte haben“. „Warum schiebt man dann jetzt den Fischottern die Schuld am Rückgang der Fischbestände zu? Eine völlig unverständliche Vorgehensweise“, so Petrovic.

Lektion in punkto Artenschutz

Daher fordert der WTV außerdem die Ausschöpfung aller Präventivmaßnahmen, bevor an einen Abschuss überhaupt zu denken ist. Ein geeignetes Monitoring (ideal durch DNA Analysen, Erfassung von Straßenopfern, etc.) wäre der erste Schritt und ist eine grundsätzliche Voraussetzung für jeden Managementplan für gefährdete Arten. Gerade beim Fischotter, dessen Wohngebiete sehr weiträumig sind, lässt sich eine Bestandserhebung anders gar nicht seriös durchführen. „Der aktuelle Managementplan stammt aus 2008 und beruht lediglich auf Spekulationen und lässt schon deshalb die Anwendung der Ausnahmeregelung gar nicht zu“, so Petrovic abschließend.

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