Tagesmütter und -väter sichern Flexibilität & Wahlfreiheit für Eltern

Eindimensionale politische Diskussion als Gefahr für Vielfalt und Qualität der Kinderbetreuung

Wien (OTS) - An den Wortmeldungen der letzten Tage zum Thema Kinderbetreuung im Zusammenhang mit Arbeitszeitflexibilisierung und aufgabenorientiertem Finanzausgleich lässt sich ein Verhaltensmuster klar erkennen: Wenn sich Politik, Verwaltung und Sozialpartner über die ideale Kinderbetreuung einen medialen Schlagabtausch liefern, dann dreht sich in der Diskussion alles um die „stationären“ Einrichtungen der öffentlichen Hand. Dass es aber abseits von Kinderkrippen, Kindergärten und Co. auch noch eine flexiblere und kostengünstigere Alternative gibt, die ganz obendrein speziell im Kleinkindbereich von Experten empfohlen wird, fällt dabei unter den Tisch. Die Rede ist von den knapp 3.000 Tagesmüttern und -väter in Österreich, die zwar eine kleine, aber wesentliche Säule des Betreuungsangebotes ausmachen.

„Wir erwarten uns von der Politik und von den Sozialpartnern ein klares Bekenntnis zu den Zielen maximale Flexibilität und Wahlfreiheit für Eltern, wenn es um die Betreuung der Kindern geht“, sagt Othmar Karas, Präsident des Hilfswerks Österreich. „Bei der Reglementierung des Kinderbetreuungssektors traf der lange Arm des Gesetzgebers natürlich auch die Tagesmütter und -väter. Wir erwarten uns jetzt klarerweise, dass mit demselben Selbstverständnis die Tagesmütter und -väter in die Diskussion von Finanzierungs- und Förderfragen miteinbezogen werden. Diese pädagogisch qualifizierten Fachkräfte sowie die knapp 12.000 betreuten Kinder dürfen keinesfalls benachteiligt werden.“ Auch wenn die öffentliche Hand massiv in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert, sollte sie als neutraler Anwalt fungieren, der seinen Bürgerinnen und Bürgern vor allem ein möglichst breit aufgestelltes bzw. pädagogisch ausdifferenziertes Angebot sicherstellt. Alles andere wäre ein fragwürdiges Lobbying in eigener Sache.

Flexibel und kostengünstig
Welche Vorteile bietet nun diese Betreuungsform im Vergleich zu institutionellen Angeboten? Für Barbara Gross, Präsidentin der Volkshilfe Österreich, liegt das klar auf der Hand: „Besonders für kleine Gemeinden mit geringem oder stark schwankendem Betreuungsbedarf stellen Tagesmütter und Tagesväter eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, rasch, flexibel und kostengünstig eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung bereit zu stellen, ohne gleich teure Strukturen schaffen zu müssen“. „In Anbetracht der jüngsten Fortschritte bei der Schaffung „stationärer“ Kinderbetreuungsplätze sollten wir die Finanzierbarkeit sowie einen angemessenen Mitteleinsatz nicht aus den Augen verlieren“, fordern Gross und Karas. „Der derzeitige Bedarf muss nicht 1:1 in ein Bauprogramm münden. Flexible Betreuungsforme wie Tagesmütter und -väter schaffen einen Spielraum, um auf künftige Bedarfsschwankungen besser reagieren zu können. Hier nur in Beton zu investieren, halten wir für einen groben strategischen Fehler. Es geht immer noch um die Kinder, nicht um die
Bauwirtschaft.“

Gestärkt in die Schule
Die geringe Gruppengröße bietet darüber hinaus im Vergleich zu anderen Betreuungsformen auch pädagogische Vorteile, wie wissenschaftliche Studien belegen. Die geringe Anzahl an Kindern in der Gruppe und das Vorhandensein einer konstanten Bezugsperson bieten hervorragende Möglichkeiten, laufend auf die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes einzugehen und dadurch eine gute, vertrauensvolle Bindung zu schaffen. Die Bindungsqualität ist für die kindliche Entwicklung von ganz entscheidender Bedeutung. Insbesondere bei der sprachlichen Entwicklung, aber auch bei der Heranbildung kognitiver Fähigkeiten machen sich Unterschiede bemerkbar, die sich vor allem auf die spätere Schullaufbahn der Kinder nachweislich positiv auswirken. Für Gross und Karas steht fest: „Wer es mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie wirklich ernst meint, tut gut daran, auf Tagesmütter und -väter nicht zu vergessen, sondern für eine finanzielle sowie fördertechnische Gleichstellung gegenüber den institutionellen Betreuungseinrichtungen wie Kinderkrippen und Kindergärten zu sorgen. Gerade Eltern schätzen die individuelle Gestaltungsmöglichkeit bei der Betreuung sowie den Betreuungszeiten ganz besonders. Über diesen Bedarf sollten sich Politik und Sozialpartner nicht hinwegsetzen“.

Kinderbetreuung in Zahlen
Bundesweit sind 2.907 aktive Tageseltern tätig und betreuen insgesamt 11.866 Tageskinder. Davon sind 1.997 Tageseltern angestellt und 910 freiberuflich tätig. In der Altersstufe von null bis zwei Jahren werden 4.665 Kinder betreut. Die Altersgruppe der Drei- bis Fünfjährigen umfasst 4.243 Kinder, die der Sechs- bis Neunjährigen 2.178 Kinder und die Gruppe der Zehnjährigen und älter 780 Kinder.

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