TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 5. März 2017 von Cornelia Ritzer - Finale Chance für Langzeit-Obmann

„Ob der Pakt hält, hängt wohl davon ab, ob Strache und Hofer das gleiche Ziel verfolgen.“

Innsbruck (OTS) - Mit 98,7 Prozent wurde FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wiedergewählt. Ein Formalakt, der perfekt inszeniert war.

Es war eine zurückhaltende Rede ohne Höhepunkte, die Heinz-Christian Strache das beste parteiinterne Wahlergebnis seiner Karriere bescherte. Der Wiener konnte in Klagenfurt 98,7 Prozent der Delegierten von sich überzeugen. Ein Traumergebnis, das auf das Konto der freiheitlichen Parteistrategen und Parteifreunde in den Ländern geht. Strache wurde zum sechsten Mal zum FPÖ-Obmann gekürt. Seine knapp 70-minütige Rede wurde mit Standing Ovations bedankt. Doch wirkten diese eher pflichtbewusst denn euphorisch. Applaus gab es zwar immer wieder – vor allem bei harten Ansagen in Richtung Flüchtlinge sowie verbalen Attacken gegen den Islam. Aber erst die Wortmeldungen seiner Stellvertreter, die den Menschen Strache in den Mittelpunkt stellten, sorgten für Stimmung. Seit zwölf Jahren führt Strache die Partei, die Jörg Haider 2005 mit der Gründung es BZÖ aufgegeben hatte. Zwölf Jahre, die für Kontinuität stehen, wie betont wurde. Zwölf Jahre aber auch, in denen die FPÖ auf Bundesebene den Sprung in die Regierungsverantwortung nicht schaffte und Strache sein Ziel, Kanzler oder zumindest Bürgermeister von Wien zu werden, verfehlte. Erfolgsmomente gab es in den Bundesländern: Die FPÖ schaffte es im Burgenland und in Oberösterreich in die Regierung, in Wien stellt sie den Vizebürgermeister, in Graz einen Stadtrat. Trotzdem wurde Strache gestern auch zum Spitzenkandidaten – und damit Kanzlerkandidaten – für die kommende Nationalratswahl ernannt. Ob damit die Spekulationen darüber, ob nicht der im Ton verbindlichere Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer der besserer Frontmann wäre, verebben? Zumindest wurde die Einigkeit in der Partei unzählige Male betont. Ob der Pakt hält, hängt wohl davon ab, ob Strache und Hofer das gleiche Ziel verfolgen. Nämlich das Aus für die große Koalition. Und das zumindest wirkt sehr glaubwürdig.

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