Bildgebung bei traumatischen Hirnverletzungen

Wien (OTS) - Die Bildgebung des zentralen Nervensystems (Neuroimaging) spielt eine wichtige Rolle bei der Untersuchung von Patienten mit traumatischen Hirnverletzungen. Dieses Feld der Radiologie entwickelt sich durch technischen Fortschritt, wie neue Magnetresonanztechniken und computergestützte Diagnosesoftware, rasant weiter, und trägt somit nicht nur zur besseren Patientenbetreuung bei, sondern erleichtert auch Prognosen in Hinblick auf das Behandlungsergebnis.

Trauma als Auslöser

Traumatische Hirnverletzungen treten als Resultat eines Traumas auf und beschreiben einen heterogenen, dynamisch pathophysiologischen Prozess, der mit dem Moment des Traumas beginnt. Primäre Verletzungen, die am Beginn auftreten, umfassen Schädelbrüche, subdurale und intraventrikulare Hämatome, zerebrale Prellungen, traumatische subarachnoidale und intraventrikuläre Blutungen sowie diffuse Nervenverletzungen.

Sekundäre Gehirnschäden, die etwas später auftreten, manifestieren sich als zerebrales Ödem mit Gehirnherniation, hypoxisch ischämische Verletzungen und ischämischer Schlaganfall auf Grund von traumatischer arterieller Dissektion. Als Folgeschäden können auch noch Jahre nach dem Vorfall Enzephalomalazie, chronische subdurale Hämatome und chronische traumatische Enzephalopathien gesehen werden.

Traumatische Gehirnverletzungen sind ein häufiges und potentiell schwerwiegendes klinisches Problem und enden nach wie vor oft tödlich oder resultieren in erheblichen Beeinträchtigungen. Frühe Diagnose und dementsprechende weitere Behandlung, im Speziellen in den ersten 48 Stunden, können den Ausgang erheblich beeinflussen. Deswegen ist Neuroimaging zu einem Grundpfeiler des klinischen Managements von Patienten mit Kopfverletzungen geworden.

Bei akuten Fällen kann die Bildgebung das Vorliegen und die Ausmaße von Verletzungen bestimmen, minimal invasive Eingriffe genau steuern, die chirurgische Planung durch anatomische Lokalisation und Navigationsinformationen erleichtern, durch extrakranielle Messpunkte helfen den Hautschnitt zu planen und falls nötig die Platzierung von Trepnationlöchern zu bestimmen. Zu einem späteren Zeitpunkt trägt die Bildgebung wesentlich dazu bei, chronische Folgeschäden zu identifizieren, die Rehabilitation zu leiten und Prognosen zu stellen.

Magnetresonanztherapie als erste Wahl

Über die Jahre hat sich die MRT als führende Methode bei der Beurteilung der Schwere von Gehirnschäden etabliert. Fortgeschrittene Sequenzen wie die Suszeptibilitätsgewichtete Bildgebung (SWI), MR-Spektroskopie, funktionelle Bildgebung und im speziellen die Diffusionstensor Bildgebung (DTI) haben großes Potential.

Die Diffusionsgewichtete Magnetresonanztomografie misst die Diffusionsbewegung von Wassermolekülen in Körpergewebe und kann diese dann räumlich darstellen. Das Diffusionsverhalten im Gewebe verändert sich bei einigen Erkrankungen des zentralen Nervensystems charakteristisch und die Richtungsabhängigkeit der Diffusion erlaubt Rückschlüsse auf den Verlauf von Nervenfaserbündel. DTI ist zurzeit die am vielversprechendste Sequenz für die Beurteilung von Hirnschäden, da sie eine präzise und direkte Beurteilung des Schadens an der weißen Gehirnmasse zulässt, was eine der grundlegenden Charakteristika bei Hirnschäden ist.

„Es gibt allerdings noch so manche Hürde, die noch nicht überwunden ist. Bei der DTI gibt es signifikante Unterschiede zwischen den Geräten, die sich nur schwer ausgleichen lassen. Die MR-Spektroskopie hat vielversprechende Resultate bei der Bildgebung des Gehirnstammes und des Thalamus gezeigt, leidet aber an geringer Akzeptanz und Verfügbarkeit. Die funktionelle MRT Bildgebung kann die Gehirnreorganisation nach einem Trauma darstellen und hat gute Ergebnisse in der Beurteilung des Bewusstseinszustandes bei Wachkomapatienten und solchen mit nur minimalem Bewusstsein gezeigt, ist aber im akuten Setting auf Grund der Wechselwirkungen der Betäubungsmittel nicht sehr zuverlässig. Große Studien versuchen gerade die beste Herangehensweise bei der Beurteilung von traumatischen Hirnschäden mittels MRT zu finden“, so Professor Damien Galanaud von der Abteilung für Neuroradiologie am Pitié Salpêtrière Hospital in Paris.

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Beim 29. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 1. bis 5. März 2017 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.
Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 69.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 25.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er eine der größten Industrieausstellungen in Europa, bei der auf über 26.000 m² mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik vorstellen.

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