Pharmaindustrie: Sparen am falschen Platz

Wien (OTS) - Seit Jahren liegt der Anteil der Ausgaben für Medikamente an den gesamten Gesundheitsausgaben in Österreich konstant bei 12 Prozent. Dieser Prozentsatz hat sich auch nicht durch die Einführung innovativer neuer Arzneimittel verändert, die schwere Erkrankungen deutlich lindern oder sogar heilen können. Dennoch versuchen die Krankenkassen jedes Jahr aufs Neue hausinterne Strukturprobleme durch vermeintliche Alarm-Meldungen zu den Arzneimittel-Ausgaben zu kaschieren.

Eine Studie des IPF zeigt überdies, dass die Kosten der heimischen Arzneimittel pro Packung deutlich unter dem EU-15 Schnitt liegen – und das, obwohl Österreich zu den reichsten Ländern der Union gehört. In der momentanen Situation ist der Angriff der Kassen auf die Industrie besonders bemerkenswert, da die diese ausschließlich dank der Solidarbeiträge der Pharmaindustrie mit einem deutlichen Plus von 81 Mio EUR das Jahr 2016 abschließen konnten. De facto hat die Krankenkasse aufgrund dieser Solidarbeiträge 2016 netto weniger Mittel für Arzneimittel aufgewendet als 2015.  Es besteht daher keinerlei wirtschaftliche Notwendigkeit, über Belastungen durch gestiegene Kosten bei den Arzneimitteln zu klagen. „Es geht dem Hauptverband mit derartigen Beschuldigungen hauptsächlich darum, von der momentanen Diskussion um Strukturänderungen und Effizienzsteigerungen der Krankenkassen abzulenken“, vermutet Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Chemischen Industrie.

Verfassungswidriger Gesetzesentwurf nachteilig für Patienten und Unternehmen

„Die Pharmaindustrie ist gerne bereit, an einer vernünftigen Weiterentwicklung des Systems mitzuarbeiten und hat in den letzten Monaten zahlreiche konstruktive Vorschläge eingebracht. Mit dem vorliegenden Gesetzesentwurf werden jedoch völlig überschießende Eingriffe ins Erstattungssystem vorgesehen.“

Der Entwurf beinhaltet verfassungsrechtlich bedenkliche Eingriffe ins Eigentum, wie ein Gutachten belegt. Rechts- und Planungssicherheit für die Unternehmen werden untergraben, was sich negativ auf die Forschungsleistungen am Pharmastandort Österreich auswirken wird. Die Änderungen würden auch die Verfügbarkeit von innovativen Arzneimitteln für die österreichischen Patienten gefährden.

Forschung mit hohem Risiko

Um ein Arzneimittel zu entwickeln, ist viel Zeit und Geld zu investieren. Es wird nicht nur Augenmerk auf die Wirksamkeit und Sicherheit gelegt, sondern auch auf eine leichte Einnahme, auf eine gute Verträglichkeit und auf die damit einhergehende Steigerung der Therapietreue. Der Prozess von der Idee des Medikaments zum fertigen und zugelassenen Produkt dauert im Durchschnitt 10 Jahre. Von 10.000 Wirkstoffkandidaten im Labor schafft es letztendlich gerade einmal einer bis zum Patienten. Die Kosten in Milliardenhöhe fallen aber für die Gesamtzahl der Wirkstoffe im Forschungsprozess an. Mit diesem Risiko muss die Pharmaindustrie leben, um die Heilung und Linderung von Krankheiten gewährleisten zu können.

Diskussionen um Medikamentenpreise werfen falsches Licht auf Pharmaindustrie

Die Prozentzahlen der Steigerungen der Arzneimittelpreise, mit denen der Hauptverband in regelmäßigen Abständen seine möglicherweise negative Gebarung begründet, erwecken den Eindruck, die Pharmaindustrie setze die Sozialversicherungen mit Anhebungen der Preise jährlich unter Druck. Befindet sich allerdings ein Medikament einmal im System der Erstattung, so gilt der Preis als eingefroren und darf nicht einmal an die Inflation angepasst werden. Die Produzenten erhalten also Jahr um Jahr weniger Geld für die gleiche Leistung.

„Statt die Pharmaindustrie schlechtzureden, der wir letztendlich den gesundheitlichen Fortschritt in unserer Gesellschaft verdanken und die in Österreich mit 63.000 direkt und indirekt geschaffenen Jobs einen erheblichen Wirtschaftsfakor darstellt, sollten die Krankenkassen einen Aktionsplan erstellen, der den Patienten in Österreich nachhaltig den Zugang zu innovativen Arzneimitteln garantiert“, fordert Hofinger.

Der Fachverband der Chemischen Industrie (FCIO) vertritt die Interessen von etwa 300 Mitgliedsunternehmen. Die chemische Industrie ist die zweitgrößte Industriebranche in Österreich. Mit etwa 44.000 Beschäftigten erwirtschaftet sie einen Produktionswert von fast 15 Milliarden Euro. Sie ist international ausgerichtet und exportiert mehr als zwei Drittel ihrer Erzeugnisse. Zuletzt lagen die Ausgaben für F&E bei 747 Millionen Euro. Die Austrian Biotech Industry im Fachverband versammelt neben den etablierten Pharmaunternehmen auch die Biotech-Startup-Szene.

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Mag. Dorothea Pritz
Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs - FCIO
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Tel. +43(0)5 90 900-3364
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