Wiener Tierschutzverein: Fischotter - Hier stinkt es nach Packelei

Ein Fischotterleben ist in Niederösterreich nichts wert. Auch nicht am Tag des Artenschutzes. Generell ist dessen Zustand in Österreich katastrophal.

Vösendorf (OTS) - Am 3. März wird seit dem Jahr 1973 traditionell der internationale Tag des Artenschutzes begangen. Er markiert das Datum der Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzabkommens, welches bedrohte, wildlebende Tierarten und Pflanzen schützen soll. Für den Wiener Tierschutzverein (WTV) ist dies jedenfalls kein Tag zum Feiern, nimmt es doch gerade Österreich mit dem Schutz bedrohter Arten und anderer Wildtiere nicht so genau. Neben Zieseln oder Bibern stehen momentan besonders Fischotter im Brennpunkt.

So wurden vor kurzem 40 Fischotter in Niederösterreich zum Abschuss freigegeben, angeblich zur „Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts“, wie die Landesregierung meint. Denn der Fischotter ernährt sich eben - wie der Name schon sagt - von Fisch und soll die Bachforelle oder den Waldviertler Karpfen bedrohen. Andere Bundesländer überlegen ebenfalls bereits ein ähnliches Prozedere. „Die wirtschaftlichen Interessen von Hobbyfischern und Teichwirten spielen natürlich offiziell keine Rolle. Doch wieder einmal werden hier die Interessen von einigen wenigen über den Tierschutz gestellt und das ohne Rücksicht auf Verluste“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.

Mensch vor Tier - ein alter Hut

Denn studiert man die Jagd-Gesetzgebung (vor allem in Niederösterreich) so könnte man meinen, die Schäden in Natur und Landwirtschaft würden hauptsächlich von Tieren verursacht. Teilweise sogar von Tieren, die durch Menschen schon derart dezimiert worden sind, dass sie europaweit auf der Roten Liste der besonders gefährdeten Tiere zu finden sind. Fischotter, Biber, Greifvögel aller Art, kleine Beutegreifer wie Marder, Mausmarder oder Iltisse sind Jägern oder Fischern nicht genehm. „Also lautet die Parole: Knallt sie ab, vergiftet sie, rottet sie aus. Und weil Jäger wie Mensdorff-Pouilly und seine Schieß-Kumpane offenbar bei den Regierenden auf allen Ebenen immer noch „einen guten Stand“ haben, während die Tierschutzbewegung - in verfassungswidriger Weise - keine Mitspracherechte in Tierschutz- und Artenschutz-Angelegenheiten hat, wird permanent das rechtsstaatliche Grundprinzip, welches besagt, dass auch die jeweils andere Seite Gehör finden muss, verletzt“, so Petrovic.

Und die Präsidentin setzt nach: „Freilich fressen Fischotter Fische und klar ist, dass sie in Teichwirtschaften nicht gerne gesehen sind und sie Schäden anrichten können. Dennoch: Im Großen und Ganzen sind es nicht Tiere, die der Natur und dem ökologischen Gleichgewicht gefährlich werden, sondern einzig und allein der Mensch und unvernünftige politische Entscheidungen von einseitig Beeinflussten. Wer kleinen Beutegreifern und Füchsen gar keine Schonzeiten gewährt, auch Muttertiere mit Babys im Bau zum Abschuss frei gibt, wird immer mehr Gift brauchen und immer mehr Gefahren und Schäden in Kauf nehmen“.

Wer Fischotter nur als Störenfriede bei Fischteichen einstufe und sie - gegen europäisches Recht - töten lassen will, liefere auch der Jugend ein schreckliches Negativ-Beispiel: „Ganz egal, ob Tierarten schon vom Aussterben bedroht sind, wenn sie mit Einbußen in einem Teil der Landwirtschaft in Verbindung gebracht werden, dann wird gar nicht überlegt und erörtert, wie man diese Schäden unblutig vermeiden könnte oder aber einen finanziellen Ausgleich schaffen könnte, sondern dann gilt die primitive, grausame und ökologisch falsche Parole: Feuer frei“, sagt Petrovic.

Artenschutz hinter Gittern

Die Massaker-Mentalität wolle den Artenschutz auf Zoos wie Schönbrunn reduzieren, so die Präsidentin weiter: „Dort können die Kinder ja Panda-Bären und wahrscheinlich bald die letzten Fischotter oder Ziesel anschauen. Ansonsten regiert das Geld: Baugründe sind teuer, Fischteiche müssen Erträge bringen - also weg mit den Störenfrieden“.

Verheerendes Zeugnis für Österreich

Wohin diese Mentalität bereits geführt hat, zeigt der Artenschutzbericht für Österreich: Die EU-Mitgliedsstaaten müssen alle sechs Jahre gemäß Artikel 17 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) Bericht über den Erhaltungszustand sämtlicher Lebensräume und Tierarten an die EU-Kommission erstatten. So auch Österreich. Der letzte Bericht, der 2014 publik gemacht wurde, stellt Österreich ein verheerendes Zeugnis in punkto Artenschutz aus: 82 Prozent der 209 von der EU in Österreich als schützenswert eingestuften Tier-und Pflanzenarten sind in „unzureichendem“ oder „schlechtem“ Zustand. Bei 35 Prozent ist das Überleben gar „ernsthaft gefährdet“.

„Aber vielleicht zeigen die Regierenden den Kindern von morgen ja auch jene Wildtiere, die Herr Mensdorff-Pouilly in Massen züchtet -bevor sie von den Jagd-Kumpanen abgeknallt werden - sind ja auch Viecher. Der WTV wird alles tun, um die für die Tiere auf rechtlichem Wege und mit allen friedlichen Mitteln des zivilen Ungehorsams echte Rechte zu erkämpfen“, so Petrovic abschließend.

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