Jugendanwaltschaft fordert Schließung der Josefstadt

Jugendliche haben ein Recht auf bestmöglichste Resozialisierung

Wien (OTS) - Bereits im Jahr 2003 wurde ein knapp 14 Jähriger, der wegen Gewerbsmäßigkeit – er hatte in einigen Supermärkten gestohlen wobei sich der Schaden auf ca. 100 Euro belief – in der U-Haft im „Jugendgefängnis“ Josefstadt vergewaltigt.

Seitens der Kinder- und Jugendanwaltschaft wurde versucht dem schwer traumatisierten Jugendlichen und seiner Familie Hilfestellung anzubieten – ich fürchte F. wird sich wohl sein Leben lang an diese massive Traumatisierung erinnern so Monika Pinterits, Kinder- und Jugendanwältin.

Ein Jugendlicher wurde aus disziplinären Gründen vier Tage lang in eine Korrekturzelle gesperrt.

Damals wurden Medien zu einem „Lokalaugenschein“ durch die Josefstadt geführt und seitens des BM für Justiz ein Jugendbeirat eingerichtet, der an strukturellen Verbesserungen im Bereich der Jugendhaft arbeitete.

Bereits damals ersuchte die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien in einem Schreiben an den damaligen Bundeskanzler sich mit der Situation der Jugendlichen in der Josefstadt zu beschäftigen.

Entgegen der Warnung sämtlicher ExpertInnen aus dem Bereich der Jugendarbeit konnte die Schließung des Wiener Jugendgerichtshofes nicht verhindert werden, seit Juli 2003 existiert in Wien keine eigene Jugendgerichtsbarkeit mehr.

In einer Ruck-Zuck Aktion wurden in der Josefstadt Zellen und Freizeiträume, die bisher von erwachsenen Häftlingen genutzt wurden, für den Jugendstrafvollzug adaptiert.

2013 wurde die Vergewaltigung eines 14 Jährigen Untersuchungshäftlings in der Josefstadt bekannt.


Nur die Spitze des Eisbergs?

In einer vom BM für Justiz eingerichteten Arbeitsgruppe wurden neuerlich Forderungen für eine Verbesserung der Situation von jugendlichen Häftlingen erarbeitet und im Oktober 2013 wurde der abschließende Bericht mit insgesamt 35 Forderungen präsentiert.

Wie die Jahre davor war der allgemeine Konsens die Untersuchungshaft bei Jugendlichen möglichst zu vermeiden und nur im Extremfall bestmöglich zu vollziehen und alternative Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen.

Diese Empfehlungen der ExpertInnen wurden in das Arbeitsprogramm der österreichischen Bundesregierung aufgenommen.

Bis auf strukturelle Verbesserungen hat sich für die betroffenen Jugendlichen nicht viel geändert – sie sitzen weiterhin im “grauen Haus“ ein und eine wirkliche (Re-) Sozialisierung ist in solchen strukturellen Bedingungen nicht möglich – auch wenn das Bemühen Veränderungen/Verbesserungen voranzutreiben seitens der HelferInnensysteme vorhanden ist.

Jugenddelinquenz ist ein sehr kompaktes, ganzheitlich zu sehendes, gesellschaftspolitisches Thema, das auch nur ganzheitlich zu diskutieren sein wird, so Ercan Nik Nafs, Kinder- und Jugendanwalt.

Neben präventiven Maßnahmen um jugendliche Delinquenz möglichst zu verhindern, müssen Bedingungen geschaffen werden, damit diese von unserer Gesellschaft sehr leicht in Vergessenheit geratenen, jungen Menschen auch eine Chance für ein erfülltes Leben bekommen.

So wie es sich derzeit darstellt, wird es keine budgetären Mittel geben um alternative Unterbringungen für Jugendliche zu schaffen.

Budgetäre Überlegungen dürfen bei Jugendlichen jedoch keine Rolle spielen!

Bei der Jugendgerichtsbarkeit einzusparen bedeutet eine kontraproduktive gesellschaftliche Entwicklung zu fördern.

Fehlende Handlungskompetenzen von delinquenten Jugendlichen zu verändern sollte uns allen ein besonderes Anliegen sein, denn eine Gesellschaft hat auch die Verantwortung keinen jungen Menschen unter die Räder kommen zu lassen, so Pinterits und Nik Nafs, aus diesem Grund fordern wir mit Vehemenz die alternative Unterbringung und Betreuung von delinquenten Jugendlichen sowie die Einrichtung eines eigenen Jugendgerichtshofes.

Die Haftanstalt Josefstadt ist mit ihren Strukturen und Räumlichkeiten weder ein Platz für Erwachsene und schon gar nicht für Jugendliche, so Pinterits und Nik Nafs, Kinder- und JugendanwältInnen der Stadt Wien.

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Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
Frau DSAin Monika Pinterits, Mag. Ercan Nik Nafs
(++43-1) 70 77 000
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