Neues Volksblatt: "Pragmatismus" von Markus EBERT

Ausgabe vom 23. Februar 2017

Linz (OTS) - Das ist so eine Sache mit Österreich und der EU. Dem Auf mit Volksabstimmung — zur Erinnerung: 1994 hatten 66 Prozent der Österreicher Ja zur EU-Mitgliedschaft gesagt, mehr als 80 Prozent Beteiligung gab es bei der Abstimmung am 12. Juni 1994 — und Beitritt Mitte der 90-er Jahre folgte der Keulenschlag der Sanktionen im Jahr 2000 und einer seither recht ausgeprägten EU-Skepsis. Was freilich auch hausgemacht ist, denn im Zweifelsfall — und da steht Österreich nicht alleine da — kommt alles Übel aus Brüssel, auch wenn die Dinge in Wahrheit weit vielschichtiger sind.
Ausdruck findet diese Vielschichtigkeit freilich auch in einem neuen Selbstbewusstsein Österreichs. Ob Jobbonus oder Familienbeihilfe: Man lässt sich von Bedenkenträgern hiesiger oder Brüsseler Provenienz nicht von vornherein die Schneid abkaufen. Und umgekehrt hört man endlich auf, unnötigerweise den Musterschüler zu spielen — wie etwa beim grundlosen nationalen Nachschärfen von EU-Richtlinien, dem im Zusammenhang mit der jüngsten Deregulierungsoffensive eine unmissverständliche Absage erteilt wird.
Bei all dem steht dennoch außer Streit, dass Österreichs Platz schon deswegen nur innerhalb der Europäischen Union sein kann, weil sie sich als Friedensprojekt bewährt hat. Eine gesunde Portion Pragmatismus, wie er nun in die Regierungspolitik Einzug zu halten scheint, tut dem Verhältnis sicher keinen Abbruch.

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