„Sister Mary von Nairobi“: Gernot Lerchers „kreuz und quer“-Porträt einer außergewöhnlichen Frau

Außerdem am 21. Februar: „Wie das Amen im Gebet“

Wien (OTS) - Der unermüdliche Einsatz für Gerechtigkeit prägt das Leben von Sister Mary Killeen. In den größten Slums Afrikas steht die irische Ordensschwester an der Seite der Ärmsten und verhilft damit vielen von ihnen zu einem besseren Leben. Gernot Lercher zeichnet in seiner Dokumentation „Sister Mary von Nairobi“, die „kreuz und quer“ – präsentiert von Doris Appel – am Dienstag, dem 21. Februar 2017, um 22.35 Uhr in ORF 2 zeigt, das beeindruckende Porträt einer außergewöhnlichen Frau.

Im Laufe seines Lebens ist jeder Mensch mit Schicksalsschlägen konfrontiert. Gegen einige Krisen kann man ankämpfen und aus ihnen wieder herausfinden. Bei manchen aber findet man sein Glück in der Einsicht, nicht mehr ändern zu wollen, was nicht zu ändern ist. Um 23.25 Uhr porträtiert Michael Cencig in „Wie das Amen im Gebet“ Menschen, die „Amen – So sei es!“ zu ihren Lebenssituationen sagen und Frieden mit dem Unvollkommenen schließen konnten.

„Sister Mary von Nairobi“ – Ein Film von Gernot Lercher

In den Armenvierteln von Nairobi leben mehr als zwei Millionen Menschen. Gefangen in einem Sumpf aus Not und Elend, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. Für Sister Mary kein Grund aufzugeben. Seit 40 Jahren stemmt sich die kämpferische Irin gegen Korruption und Misswirtschaft in der kenianischen Hauptstadt, hat Schulen und Lehrwerkstätten inmitten der Armenviertel errichtet und damit Zehntausende Slumbewohner vor Verbrechen, Gewalt und Hunger bewahrt. Die Wurzeln für ihr unbändiges Streben nach Gerechtigkeit liegen in Irland. Dort ist sie als eines von acht Kindern aufgewachsen – geprägt von den Wertvorstellungen ihres Vaters. Der hat als junger Mann an der Seite des legendären Freiheitskämpfers Michael Collins für Irlands Unabhängigkeit gefochten.

Für seinen Film reiste Gernot Lercher nicht nur nach Nairobi, sondern begleitete Mary Killeen auch auf einem ihrer seltenen Heimatbesuche in Irland. Dabei hat sie dem Filmteam buchstäblich die Tür zu ihrer Familiengeschichte in Dublin geöffnet. Im Rahmen einer Willkommensfeier zu Ehren von Mary erinnern sich ihre Geschwister an die gemeinsame Kindheit und ihren Vater, der nach seinem Kampf für Irlands Unabhängigkeit als friedfertiger Polizist das Überleben der Familie sicherte. „Er hat nicht viel über die Zeit im Bürgerkrieg gesprochen, wir wissen aber, dass er Menschen getötet hat. Das hat auf seiner Seele einen dunklen Schatten hinterlassen. Deshalb war für ihn der Einsatz von Waffen zur Konfliktlösung später auch immer ein Tabu“, erinnert sich Sister Mary an ihren Vater. Sein Grab liegt nur wenige Meter von Michael Collins’ letzter Ruhestätte entfernt.

Die heute 72-jährige Sister Mary blickt zurück auf ihre Anfänge, als junges Mädchen und Jugendliche in einem Irland der Nachkriegszeit, bestimmt von ständigen Entbehrungen. Sie erzählt von ihrer ersten großen Liebe und deren Scheitern, der harten Schule auf der Straße, einer fast todbringenden Krankheit, ihrem Eintritt in den Orden der „Sisters of Mercy“ und ihrer Ausbildung zur Lehrerin. Als solche wird sie Mitte der 1970er Jahre von ihrem Orden der „Schwestern der Barmherzigkeit“ auch nach Nairobi geschickt. Schnell erkennt sie dort das Fehlen von Schulen in den Slums als größtes Problem. Beharrlich und entschlossen geht sie daran, diesen Missstand zu bereinigen. Ihre Überzeugungskraft und Furchtlosigkeit, aber auch ihr Humor und ihre stets realistische Lebenseinstellung sind die stärksten Waffen, um Widerstände zu überwinden. Waren es zu Beginn einige kleine Klassenzimmer in Blechhütten, hat Sister Mary mit der Unterstützung internationaler Hilfswerke bis heute vier große Gebäudekomplexe errichtet. 5.000 Kinder und Jugendliche können hier nun jährlich in die Schule gehen und schaffen damit vielleicht einmal den Schritt aus dem Slum.

„Mit Sister Mary durch die engen, morastigen Gassen zwischen den Blechhütten zu gehen, wird mir immer unvergessen bleiben. Jeder scheint sie zu kennen, keiner, der nicht direkt oder indirekt von ihren Hilfsprojekten profitiert hätte. Man hat das Gefühl, man ist mit einer Heiligen unterwegs“, erinnert sich Lercher an die Dreharbeiten. „Du kannst so heilig sein, wie du möchtest“, sagt Sister Mary, „wenn du nichts gegen die Armut rund um dich tust, bist du überhaupt nicht heilig, ganz im Gegenteil!“ Die Ordensschwester ist nicht nur nach Bränden im Armenviertel sofort zur Stelle, sondern stemmt sich auch gegen kriminelle Kartelle, die ihr die wertvollen Schulgrundstücke streitig machen wollen. Und sie nimmt es mit der Müllmafia auf, die ihren Abfall in den Slums illegal deponiert und den Bewohnerinnen und Bewohnern damit auch noch den letzten Lebensraum nimmt. Wen wundert es da noch, dass die streitbare Irin auch von einem Gerichtsverfahren und einer Gefängnisstrafe bedroht wird. „Ich gehe gerne für einige Zeit in Gefängnis, dann wird sich das Interesse der Öffentlichkeit an unseren Schulen und den Ungerechtigkeiten in den Slums noch weiter verstärken“, sieht Sister Mary auch diese Angriffe pragmatisch. Beim jüngsten Besuch von Papst Franziskus in Nairobi durfte Sister Mary im Namen aller Hilfsorganisationen zu ihm sprechen. Nicht zur Freude der Stadt Nairobi, denn die Irin hat nicht mit Kritik an der lokalen Politik gespart, was man ihr dort sehr übel nahm. Doch Sister Mary reagiert darauf mit einem Schulterzucken: „Die Politiker hier hatten genug Zeit mir zu helfen und haben es nicht getan. Ich habe nur die Wahrheit gesagt. In meinem Körper fließt eben irisches Blut, und das treibt mich immer weiter an. Denn die Probleme hier in Nairobi werden nicht kleiner.“

Die ORF-Eigenproduktion erzählt die atemberaubende Lebensgeschichte der ebenso beherzten wie unerschrockenen Irin Mary Killeen, die auszog, um die Welt ein klein wenig besser zu machen, ohne dabei ihre unsentimentale Sichtweise auf das Leben und das Sterben zu verlieren. Wo sie denn gerne ihre letzte Ruhestätte finden möchte? „Irland und Kenia, beide Länder sind meine Heimat. Außerdem halte ich wenig davon, Särge durch die Welt zu fliegen. Mein Grab wird also dort sein, wo ich sterbe.“

„Wie das Amen im Gebet“ – Ein Film von Michael Cencig

Die 37-jährige Oberösterreicherin Christiane war fix angestellte PR-Managerin, bevor sie sich selbstständig machte und in Linz ein Geschäft eröffnete, in dem sie auf 300 Quadratmetern Mode von Jungdesignern anbot. Mit diesem Geschäftsmodell erlitt sie Schiffbruch und musste Privatkonkurs anmelden. Das stürzte sie in eine tiefe Depression, sie war völlig am Ende: „Ich dachte, das Leben ist vorbei.“ Als sie merkte, dass sie zusehends in eine Opferhaltung schlitterte, begehrte sie innerlich dagegen auf. Sie stellte sich die Frage: „Was ist an meiner Situation gut?“ Mittlerweilte beackert sie gemeinsam mit ihrem Mann Ulrich ein 2,25 Hektar großes Feld, auf dem sie Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren und andere Obstsorten anbaut. Dieser Herbst brachte die erste Ernte – mit einem alten Traktor und langzeitarbeitslosen Jugendlichen als Erntehelfer.

Die Musikpädagogin Elisabeth und der EDV-Experte Peter sind seit zehn Jahren ein Paar. Nach ein paar Jahren Zweierbeziehung regte sich bei beiden der Kinderwunsch. Elisabeth litt unter einem Myom, einer gutartigen Gebärmutter-Geschwulst. Bald war klar, dass dieses Myom eine herkömmliche Befruchtung verhinderte. Als auch eine künstliche Befruchtung fehlschlug, mussten Elisabeth und Peter sich damit abfinden, keine Kinder bekommen zu können. Für die beiden steht nun im Vordergrund, aus ihrer Beziehung heraus Glück und Lebenssinn zu schöpfen – auch ohne Kind.

Der Psychotherapeut Helmut musste an mehreren Knackpunkten seines Lebens Amen sagen. Zum Beispiel, als es darum ging, zu seiner Homosexualität zu stehen: „Ich spürte sehr früh, dass ich mich von Männern angezogen fühlte. Das Schwierigste war, diese Tatsache meinem Vater gegenüber einzugestehen.“ Und schließlich sagte er auch noch Amen bzw. Emuna zum Christentum, in das er hineingeboren wurde bzw. zum Judentum, das er als seine eigentliche Religion erkannte.

Robert kam in Wien als Kind traumatisierter Eltern auf die Welt, die ihm – so sagt er – keine Liebe geben konnten, weil sie selbst nie welche erfahren durften. Den Großteil der vergangenen 30 Jahre verbrachte er im Gefängnis. Durch den Kontakt mit einem Gefängnisseelsorger fand er schließlich zum Glauben – und kann heute Amen zu seinem „verpfuschten Leben“ sagen: „Ich beginne jeden Tag mit dem Vaterunser, denn in meiner Psychose war es das Einzige, was mir Halt gab.“

Hans Georg, Universitätsprofessor für Mathematik, lernte seine Frau mit 17 kennen. Sie war zu diesem Zeitpunkt 16. Geheiratet wurde, nachdem er sein Doktorat gemacht hatte – mit 24 Jahren. Nach zwölf Jahren Ehe kam die Beziehung in die Krise. Schließlich sah er ein, dass an einer Trennung kein Weg vorbeiführte. Zehn Jahre lang herrschte Funkstille zwischen Hans Georg und seiner Exfrau. Dann kam ihr erstes Enkelkind zur Welt – und als Großeltern gelang es ihnen allmählich wieder, eine normale Gesprächsbasis zu etablieren.

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