TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 15. Februar 2017 von Christian Jentsch - Liebesgrüße aus Moskau als Stolperstein

Innsbruck (OTS) - Donald Trumps angekündigte Tauwetterpolitik gegenüber Russland stößt innerhalb der Republikaner auf massiven Widerstand. Nicht nur sein Sicherheitsberater Flynn hat intensiv mit Moskau geflirtet.

Im Weißen Haus rumort es. Knapp vier Wochen nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump treten in seinem Team Risse und Machtkämpfe offen zu Tage. Trumps Nationaler Sicherheitsberater, Ex-General Michael Flynn, musste gehen, nachdem aufgeflogen war, dass er im Dezember – noch nicht einmal im Amt – mit dem russischen Botschafter in Washington telefoniert und dabei auch über den Abbau der Sanktionen gesprochen hat. Als Trumps einflussreichster Einsager gilt zwar sein Chefstratege, der Populist Stephen Bannon als Ikone der extremen Rechten. Doch auch der oberste Sicherheitsberater ist eine wichtige Figur in Trumps engstem Kreis, vor allem da der Immobilientycoon und Showman in Sachen Außen- und Sicherheitspolitik über wenig Erfahrung verfügt.
Flynn musste wohl gehen, weil er durch sein intensives Flirten mit Moskau die Missgunst anderer wichtiger Mitspieler in Trumps Team auf sich zog. Und eines ist klar: Viele einflussreiche Republikaner, die sich nun hinter den neuen US-Präsidenten stellen (müssen), sind mit Trumps Tauwetterpolitik gegenüber Russland alles andere als glücklich. Es lag förmlich in der DNA vieler Republikaner, die Feindschaft mit Russland zu hegen und zu pflegen. Die Kalten Krieger sind in den USA noch längst nicht verstummt. Die neuen Liebesgrüße aus Moskau – nicht nur in Hinblick auf den zurückgetretenen Sicherheitsberater Flynn – stoßen jedenfalls bei vielen in Trumps Partei auf Argwohn. So gilt auch Trumps Außenminister Rex Tillerson als Russland-Freund. Und Trump selbst fand bereits des Öfteren lobende Worte für seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Trumps Politik und Trumps Welt ist nicht nur eine andere als jene seines demokratischen Amtsvorgängers Barack Obama. Trumps Vorstellungen – und vor allem die seines engsten Beraterkreises – decken sich in vielen Bereichen auch nicht mit jenen seiner eigenen Partei – gerade in Hinblick auf die Beziehungen zum früheren „Erzfeind“. Mit der Abkehr vom Multilateralismus, einer Politik des Abschottens, Rempeleien gegenüber den alten Verbündeten in Europa und einem von den Gerichten aufgehobenen Einreisebann für Flüchtlinge und Bürger aus sieben muslimischen Ländern hat Trump seine Linien in der Außenpolitik vorgezeichnet. In Sachen Annäherung zu Russland gibt es noch viele Fragezeichen, da Trump hier mit massivem Widerstand zu rechnen hat. Diese Auseinandersetzung hat er längst noch nicht gewonnen.

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